Seit 14 Jahren wird bereits über die EU-Beihilfen für Airbus gestritten. Am gestrigen Montag hat die US-Regierung wegen des Streits um die staatlichen Subventionen bei Airbus eine Liste mit Gütern vorgelegt, die mit Strafzöllen belegt werden könnten. Davon sind unter anderem Produkte und Komponenten für die Luftfahrtindustrie betroffen, aber auch diverse Lebensmittel. Der US-Handelsbeauftragte Lighthizer behauptet, dass diese Subventionen in den USA einen Schaden von elf Milliarden Dollar pro Jahr verursachen würden. Aus diesem Grund würden sich die Zölle auf EU-Waren auf ein Volumen in identischer Höhe belaufen.

Unerwähnt blieben dabei allerdings die Steuervergünstigungen, welche die USA Boeing seit Jahren gewährt. Nach den bereits verhängten Strafzöllen gegen Stahl und Aluminium aus Europa sowie den seit Monaten angedrohten Maßnahmen gegen die europäische Autoindustrie, scheint sich US-Präsident Trump nach den Chinesen die Europäer "vorzuknöpfen". Möglicherweise wollte er mit den verschärften Tönen aber auch lediglich den Flug der Airbus-Aktie auf ein neues Rekordhoch beenden. Dies scheint ihm erst einmal gelungen zu sein, schließlich gehört die Aktie des europäischen Flugzeugbauers am heutigen zu den fünf größten Tagesverlieren im MDAX.

Ungemach droht aber auch von anderen Seiten. Seit Sommer 2017 wird nämlich wegen Korruptionsvorwürfe gegen Airbus ermittelt. Ende März kursierten Medienberichte über neue Schmiergeldvorwürfe in Millionenhöhe. Diese sollen in Zusammenhang stehen mit Flugzeugverkäufen nach Ägypten. Ein weiterer Unsicherheitsfaktor stellt aber auch der anstehende Führungswechsel bei Airbus dar. Am morgigen Donnerstag wird Guillaume Faury von Thomas Enders den Chefposten übernehmen. Derzeit macht die weltweite Konjunktur nicht gerade den robustesten Eindruck. Die Auftragsbücher sind zwar nach wie vor gut gefüllt, die Gefahr von Stornierungen sollte aber nicht unterschätzt werden. In diesem Jahr haben bspw. Etihad Airways und Qantas Aufträge im Volumen von mehreren Milliarden Euro zurückgezogen.

Analysten scheinen von den positiven Perspektiven des europäischen Flugzeugbauers hingegen weiterhin überzeugt zu sein. Unter den von FacSet Research erfassten Gewinnschätzungen wird für Q1 im Konsens ein Wert von 0,66 Euro pro Aktie prognostiziert. Drei Monate zuvor lag dieser Wert noch bei lediglich 0,57 Euro. Eine ähnliche Tendenz kann man auch mit Blick auf die Prognosen für Q2 2018 feststellen. Hier war innerhalb von drei Monaten ein Anstieg von 1,06 auf 1,21 Euro zu beobachten. Dies schlug sich auch in überwiegend positiven Analyten-Einschätzungen nieder. Unter den insgesamt 25 erfassten Analystenmeinungen gibt es derzeit 18 Kaufurteile ("Buy"), dreimal wird zum Übergewichten ("Overweight") geraten, während vier Experten den Titel lediglich als Halteposition ("Hold") sehen. Ratings mit negativem Touch gibt es indes keine. Dies machte sich auch beim durchschnittlichen Kursziel positiv bemerkbar. Dieses übertrifft mit 141,17 Euro das aktuelle Kursniveau (119,48 Euro) recht deutlich.

Auf Seite 2: Einschätzung der Redaktion

Einschätzung der Redaktion: Airbus-Aktie droht Sinkflug


Seit Anfang des Jahres hat sich die Airbus-Aktie ohne nennenswerte Korrekturen um über 46 Prozent verteuert und im April sogar ein neues Rekordhoch bei über 121 Euro markiert. Nur zur Erinnerung: Im vergangenen Sommer verlor der MDAX-Wert innerhalb von weniger als zwei Monaten ein Viertel seines Werts

Bereits im März löste der Timingindikator Relative-Stärke-Index mit dem Verletzen der 70-Prozent-Marke ein charttechnisches Verkaufssignal aus. Die Wahrscheinlichkeit, dass das Papier weiter an Höhe verlieren könnte, fällt derzeit deutlich höher aus als die Chance auf ein neues Allzeithoch.

Aktuell befindet sich die Aktie auf Tuchfühlung mit der unteren Begrenzung des kurzfristigen Aufwärtstrendkanals. Sollte diese verletzt werden, droht weiterer Verkaufsdruck. Deshalb sollten Anleger in der aktuellen Gemengelage eher verkaufen.