Die Logistikbranche strotzt derzeit nur so vor Innovationskraft. Zum Beispiel baut die Deutsche Post nicht nur eigene E-Mobile, der Konzern entwickelt gerade auch einen Begleitroboter für den Zustelldienst, der bereits erfolgreich getestet wurde. Und während E-Commerce- Riese Amazon seine Pakete per Drohne abwerfen lässt, arbeitet Fedex an einem System, bei dem ein Fahrer einen ganzen Lkw-Konvoi steuern kann. Beim Schweizer Konzern Kühne + Nagel wiederum flitzt ein Roboter sekundenschnell um Transportpaletten und verpackt diese in Folien.

Cloud, Blockchain, Industrie 4.0 - alle Trendthemen werden im Transportsektor aktuell bedient. Trotzdem kommt die Branche an der Börse nicht voran. Im Gegenteil: Der Stoxx Europe 600 Industrial Transportation Index steckt auf Sicht von einem Jahr sogar tief in den Miesen. Eine Erklärung für die Skepsis der Marktteilnehmer gegenüber dem Sektor liefert der Baltic Dry Index (BDI). Dieses Barometer misst die Preise der global per Schiff transportierten Frachtgüter. Da mehr als 90 Prozent der gesamten Warentransporte über den Seeweg erfolgen, ist der Index ein guter Indikator für die wirtschaftliche Lage. Fällt also der BDI wie zuletzt, ist es um die Weltwirtschaft nicht mehr so gut bestellt.

Dass es im Warenhandel nicht mehr so rund läuft, musste zuletzt Fedex einräumen. Ende vergangenen Jahres stampfte das US-Kurier- und Logistikunternehmen wegen Problemen in Europa und der Folgen des Handelsstreits zwischen den USA und China seine Gewinnprognose für das Geschäftsjahr 2018/19 (31. Mai) ein. Für den bereinigten Gewinn je Aktie erwartet Fedex nur noch 15,50 bis 16,60 Dollar, geplant waren 17,20 bis 17,80 Dollar. Das ist eine Überraschung, schließlich hob der Konzern die Prognosen erst im September an. Der Vertrauensverlust spiegelt sich indes im Kurs wider: Trotz jüngster Erholungsversuche steht für die Aktie auf Sicht von drei Monaten immer noch ein Verlust von knapp einem Fünftel zu Buche.

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Unterschiedliche Ansichten



Von einer Rezession im Welthandel spürt die Deutsche Post dagegen bislang nichts. Der Konzern registriere keine wesentlichen Veränderungen in der Entwicklung seiner Volumina in den vergangenen Wochen, lautete die Antwort auf die Gewinnwarnung des Konkurrenten. Ganz sorgenfrei ist man beim gelben Riesen aber auch nicht. Der frühere Wachstumstreiber, das Brief- und Paketgeschäft, mutierte zum Bremsklotz. Aufgrund hoher Kosten produziert die Sparte derzeit sogar Verluste. Post-Chef Frank Appel, der die Sanierung selbst in die Hand nimmt, zeigt sich aber zuversichtlich. Seiner Ansicht nach schreitet der Umbau "zügig voran". Daher bekräftigte Appel auch die Mittelfristziele, die für 2020 einen operativen Gewinn von mehr als fünf Milliarden Euro vorsehen. Das Brief- und Paketgeschäft soll dazu rund 1,7 Milliarden Euro beitragen. Für 2018 wird ein Konzerngewinn von 3,2 Millionen Euro erwartet. Die genauen Zahlen für das abgelaufene Geschäftsjahr werden die Bonner am 7. März vorlegen.

Um den Logistikkonzern, der unter anderem mit seiner Tochter DHL Pakete in die ganze Welt ausliefert, wieder fit zu machen, setzt Appel auf Kostenreduktion und Preiserhöhungen. So sind für Pakete mit einem Gewicht bis zu fünf Kilogramm im Inlandsversand seit Jahresbeginn 50 Cent mehr fällig. Zudem soll schon bald auch das Briefporto erhöht werden. Zwar läuft das Verfahren zur Ermittlung des Portos zwischen Bundesnetzagentur und Deutscher Post noch, in Branchenkreisen wird aber bereits mit einer Erhöhung auf 85 bis 90 Cent spekuliert. Aktuell kostet ein Standardbrief 70 Cent.

In dem knapp 30-prozentigen Kursverlust, den die Post-Aktie in den vergangenen zwölf Monaten verzeichnete, sollte bereits viel Negatives eingepreist sein. "Die Wachstumsperspektiven für das Paketgeschäft bleiben vielversprechend und auch eine leichte Konjunkturverlangsamung dürfte diesen Trend nicht wesentlich negativ beeinflussen", stellt DZ- Bank-Analyst Dirk Schlamp klar. Auch der anhaltende E-Commerce-Boom kommt dem Unternehmen entgegen. Schätzungen zufolge wird der weltweite Onlinehandel in den kommenden Jahren stark wachsen. Experten gehen davon aus, dass das Volumen bis 2021 um drei Viertel auf knapp 4,9 Billionen Dollar steigen wird.





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Konkurrenz nimmt zu



Von diesem Kuchen möchten sich immer mehr Firmen eine Scheibe abschneiden, allen voran Amazon. Der Konzern treibt seine Autonomieanstrengungen im Logistikbereich mit straffer Hand voran. In den USA verfügt Amazon bereits seit Längerem über eine eigene Zustellflotte, auch in Deutschland setzt der Handelsriese auf eigene Transporter. So sind in Hamburg bereits 500 Fahrer im Einsatz. Damit möchte man einerseits möglichst unabhängig von externen Dienstleistern wie DHL oder UPS werden, andererseits eine Lücke füllen, denn laut Amazon schaffen die Paketdienste aufgrund des hohen Aufkommens die Zustellung nicht mehr. Trotz des zunehmenden Wettbewerbs gelingt es den klassischen Logistikern immer noch, an dem Boom zu partizipieren.

So hat Branchenprimus UPS im wichtigen Weihnachtsgeschäft so viele Päckchen ausgeliefert wie nie zuvor und daran auch kräftig verdient. Der Umsatz legte dank höherer Portogebühren im Schlussquar-tal 2018 um 4,6 Prozent zu. Zwar ging der Gewinn leicht zurück, allerdings lag dies an höheren Pensionszahlungen.
UPS blickt optimistisch nach vorne: Für das laufende Jahr erwartet der Konzern beim bereinigten Betriebsgewinn ein Wachstum um mehr als zehn Prozent. Um das zu erreichen, nimmt die Firma viel Geld in die Hand. 8,5 bis zehn Prozent der 2019er-Erlöse werden investiert. Viel verspricht sich UPS beispielsweise von automatisierten Sortierungsanlagen. Bis zur Hochsaison 2019 sollen 18 neue Einrichtungen eingeführt werden, um den Durchsatz deutlich zu erhöhen. Bis Ende 2021 rechnet UPS damit, dass 100 Prozent der infrage kommenden Mengen automatisiert abgewickelt werden, im vergangenen Jahr waren es "erst" 70 Prozent.

Gut im Geschäft ist auch Kühne + Nagel. Das Unternehmen verfolgt die Strategie, bis 2022 doppelt so schnell zu wachsen wie der Gesamtmarkt. Ein Blick auf die ersten drei Quartale 2018 zeigt, dass die Schweizer Wort halten. Der Umsatz legte um 13,6 Prozent zu. Vor allem bei der Seefracht schnitt Kühne + Nagel mit einem Zuwachs um 8,8 Prozent erfolgreich ab. Auf dem aktuell ermäßigten Niveau ist der Schweizer Mid Cap durchaus eine Spekulation wert, zumal auch eine hohe Dividendenrendite von 4,4 Prozent lockt.



Wachstumsstarker Spezialwert



Anders als viele Konkurrenten kämpft die Aktie von Logwin derzeit nicht mit Rückschlägen, sondern befindet sich in neuen Höhen. Allein seit Jahresbeginn steht ein Gewinn von einem Drittel zu Buche. Dies hat einen fundamentalen Grund: Angesichts einer überraschend positiven operativen Entwicklung im vierten Quartal rechnet der Logistikdienstleister mit deutlich mehr Gewinn. Das Ebita wird 2018 voraussichtlich über 47 Millionen Euro, der Überschuss über 37 Millionen Euro betragen. Am 5. März wird Logwin seine Bücher offenlegen. Wir halten an unserer Kaufempfehlung in BÖRSE ONLINE 48/2018 fest und ziehen den Stoppkurs auf 128 Euro nach.



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Alles auf einen Blick



Logistik & Transport



Die Zollkonflikte, eine wirtschaftliche Eintrübung in China sowie der bevorstehende Brexit sorgen derzeit für eine unsichere Gemengelage. Der IWF warnte jüngst vor einem drohenden "Sturm" in der Weltwirtschaft. Gegenwind spüren die Logistiker bereits.