Mit einem Pro-Kopf-Einkommen von 100 US-Dollar zählte Vietnam vor 30 Jahren noch zu den ärmsten Ländern der Welt. Dank des politischen Transformationsprozesses und der schrittweisen wirtschaftlichen Öffnung hat das Land seither jedoch eine Phase mit einem nachhaltigen Wachstum durchlaufen.

Seit 1990 ist die Wirtschaftsleistung pro Einwohner im Schnitt um sechs Prozent pro Jahr gestiegen - eine Bilanz, die nur China übertrifft und die auch im zurückliegenden Jahr bestätigt wurde. Witterungsbedingte Ernteausfälle hatten die Wirtschaftsleistung mit Wachstumsraten zwischen fünf und sechs Prozent im ersten Halbjahr 2016 zunächst noch ausgebremst. Im Gesamtjahr erreichte Vietnam trotzdem noch ein Plus von 6,2 Prozent beim Bruttoinlandsprodukt (BIP). Auch für das laufende Jahr gibt sich die Regierung mit einem Wachstumsziel von 6,7 Prozent optimistisch.



Das Beratungsunternehmen PwC sieht Vietnam in seiner Studie "The World in 2050" als eine der am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften der Welt. Der südostasiatische Staat wird sich demnach im internationalen Ranking gemessen am BIP bis 2050 um zwölf Plätze auf Rang 20 verbessern (siehe Grafik). Die direkte Nachbarschaft zur Volksrepublik China ist einer der größten Vorteile Vietnams. Kein anderes Land ist dem industriellen Herzen im Süden Chinas geografisch näher. Eine relativ junge und überdurchschnittlich gut ausgebildete Bevölkerung macht das Land für ausländische Unternehmen zusätzlich attraktiv: Mehr als sechs Prozent der Wirtschaftsleistung werden in die Ausbildung investiert.

Die Quote der Analphabeten in Vietnam liegt bei gerade einmal fünf Prozent - in Indien etwa sind es rund 35 Prozent. Im jüngsten PISA-Bericht lag das Bildungsniveau der 15-jährigen Vietnamesen in etwa auf jenem von deutlich reicheren Ländern wie der Schweiz und über dem der USA. Trotz enormer Anstrengungen hat Vietnam noch immer einen riesigen Nachholbedarf beim Ausbau der Infrastruktur, der für die kommenden zehn Jahre auf 300 Milliarden US-Dollar geschätzt wird. Weil dies kaum aus dem Staatshaushalt zu finanzieren ist, treibt die Regierung verstärkt die Privatisierung von Staatsbeteiligungen voran. Das sollte die Zahl der an der vietnamesischen Börse gehandelten Aktien mittelfristig deutlich erhöhen.

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Börse auf Mehrjahreshoch



Aufgrund des stabilen und starken Wirtschaftswachstums, der niedrigen Inflation und der spannenden Perspektiven zählt Vietnam heute wieder zu den favorisierten Aktienmärkten in Asien. "Vietnam bietet die beste Makro-Story und den interessantesten Investment Case weltweit", sagt Vietnam-Spezialist Markus Winkler von der Vermögensverwaltungsgesellschaft Zürich. Der Leitindex VNI notiert mit derzeit rund 715 Punkten auf dem höchsten Stand seit 2008. Seit Anfang 2012 hat er sich mehr als verdoppelt. Für ausländische Anleger ist es aufgrund von Aktienquoten und teilweise schwer zu erhaltenden Informationen allerdings noch immer relativ schwierig, in Vietnam zu investieren. An der Heimatbörse konzentriert sich ein großer Teil des Handelsvolumens auf die liquiden Aktien mit großer Marktkapitalisierung wie den Lebensmittelkonzern Vietnam Dairy Products, was die Bewertung zuletzt auf ein sehr ambitioniertes Niveau gehoben hat.

Eine interessante Alternative und einen komfortablen Börsenzugang bieten Indexzertifikate, Fonds und Beteiligungsgesellschaften wie Vietnam Holding. Letztere schnitt in den zurückliegenden fünf Jahren deutlich besser ab als der Leitindex. Mit einer Ein-Jahres-Bilanz von 28 Prozent und einem Fünf-Jahres-Zuwachs von 155 Prozent beim Nettovermögenswert zum Halbjahr 2016 schaffte die Gesellschaft jeweils die beste Performance unter allen Vietnam-Fonds. Größte Position im Portfolio der Holding ist Traphaco, ein Hersteller von pflanzlichen Wirkstoffen, der im Vergleich mit seinen Wettbewerbern in den vergangenen fünf Jahren das stärkste Wachstum verzeichnete und seinen Börsenwert mehr als vervierfachte. Die Immobilienfirma Vinaland versilbert nach und nach ihr Portfolio, um die unterhalb des Nettovermögenswerts gehandelten Aktien am Markt zurückzukaufen.

Indexaufstieg winkt



Schon einmal stand die Börse im Fokus internationaler Investoren, als sich der Leitindex zwischen 2004 und 2007 auf das bisherige Rekordhoch von 1170 Punkten mehr als verfünffachte - im Zuge der Finanzkrise jedoch fast wieder auf das Ausgangsniveau einbrach. Im Gegensatz zur damaligen Hausse ist der Aufschwung heute wesentlich ruhiger und nachhaltiger, was eine Beschleunigung der Aufwärtsbewegung in den kommenden Monaten nicht ausschließt. Sollte Vietnam die überwiegend administrativen Hürden aus dem Weg räumen, könnte in den kommenden zwei bis drei Jahren der Aufstieg in den MSCI Emerging Markets Index winken. Das würde einen spürbaren Kapitalzufluss von internationalen Schwellenländerfonds bedeuten.





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