Das Tagesgeschäft der US-Banken JP Morgan, Wells Fargo und Citigroup läuft robust genug, um solche Rückschläge zu verschmerzen. Vor allem Marktführer JP Morgan kann sich über einen florierenden Anleihenhandel freuen. In normalen Zeiten würde das auch den Anlegern der Deutschen Bank Hoffnung machen. Doch Deutschlands größtes Geldhaus steckt noch immer in der Sanierung fest. Weil die bisherigen Umbauerfolge überschaubar sind, spielt die Mannschaft um Bankchef John Cryan inzwischen sogar einen radikaleren Stellenabbau durch, wie Reuters aus Finanzkreisen erfuhr.

Die Zahlen der Wall-Street-Banken werden am Finanzmarkt stets mit Spannung erwartet. Nach dem überraschenden Brexit-Votum im Juni stand nun die Frage im Raum, ob sich die verunsicherten Investoren rund um den Globus gefangen haben und über den Sommer wieder verstärkt mit Finanzprodukten handelten. Die Antwort lautet: überwiegend ja, was an der Börse am Freitag für gute Stimmung sorgte. Die Aktien der drei US-Institute legten in New York zwischen einem und drei Prozent zu.

"AUS ALLEN ZYLINDERN GEFEUERT"



Bei JP Morgan stieg das Vorsteuerergebnis um fast ein Drittel auf 8,9 Milliarden Dollar. Dass der Nettogewinn dagegen um acht Prozent auf 6,3 Milliarden geschrumpft ist, lag an einem außerordentlichen Steuerertrag im Vorjahresquartal. Die Erwartungen der Analysten wurden trotzdem übertroffen. Allein im Handel legten die Erträge um 21 Prozent zu. Vor allem das Geschäft mit festverzinslichen Wertpapieren habe auf breiter Front angezogen, sagte Finanzchefin Marianne Lake. Nach ihren Worten wurde "aus allen Zylindern gefeuert". Auch das Schlussquartal 2016 sei gut angelaufen.

Auch Citigroup profitierte vom wiederbelebten Anleihenhandel, schwächelte aber im Aktiengeschäft. Unter dem Strich fiel der Konzerngewinn um gut zehn Prozent auf 3,8 Milliarden Dollar, wie die Nummer vier in Amerika mitteilte. Vor einem Jahr hatte ein Verkauf in Mexiko die Bilanz noch aufgehübscht.

Bei Wells Fargo sorgte der jüngste Skandal um Phantom-Kunden für Ernüchterung: Die Bank, die in dieser Woche ihren Chef austauschte, stellt sich auf längere Rechtsstreitigkeiten ein und legte dafür Geld zur Seite. Deshalb fiel der Gewinn um vier Prozent auf 5,2 Milliarden Dollar. Analysten hatten noch Schlimmeres befürchtet. Das Vorzeige-Image der Bank, die relativ unbeschadet durch die weltweite Finanzkrise kam, weil sie so gut wie kein Investmentbanking betreibt, ist aber dahin. Um anspruchsvolle Vertriebsziele zu erreichen, hatten Mitarbeiter im Privatkundengeschäft unter anderem millionenfach fingierte Konten eingerichtet.

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BREXIT - JP MORGAN BAUT SCHON VOR



In der kommenden Woche werden noch Zahlen der Bank of America sowie von Goldman Sachs und Morgan Stanely erwartet. Die Deutsche Bank folgt dann am 27. Oktober mit ihrem Quartalsbericht. Die Frankfurter verwenden gerade alle Kraft darauf, im Streit mit den US-Behörden über faule Hypothekenpapiere eine Strafe von 14 Milliarden Dollar herunterzuhandeln.

Denn eine solche Rekordbuße könnte das Institut nach Einschätzung vieler Analysten nicht verkraften, sie befürchten eine weitere Kapitalerhöhung. Bankchef Cryan hat das zwar mehrfach vom Tisch gewischt. Aber die Reserven sind knapp, die Kapitaldecke vergleichsweise dünn und nachhaltige Gewinne erwirtschaftet die Bank derzeit nicht. Der Umbau frisst viel Geld auf. Auch im dritten Quartal dürfte deshalb nach Einschätzung von Experten wieder ein Verlust zu Buche stehen. Insidern zufolge stellt sich der Aufsichtsrat längst darauf ein, dass die Strategie abermals nachjustiert wird - und dass möglicherweise noch mehr Stellen gestrichen werden als die bereits beschlossenen 9.000 weltweit. Finanzchef Marcus Schenck hält Reuters-Informationen zufolge weitere 10.000 Mitarbeiter für verzichtbar.

Aber auch die großen US-Banken stehen vor strategischen Weichenstellungen. Denn mit dem sich anbahnenden Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union müssen sie ihre Aufstellung in Europa überdenken. JP Morgan stellt sich vorsorglich auf einen "harten" Brexit ein, wie Lake sagte. Das würde bedeuten, dass die Briten ihren freien Zugang zum EU-Binnenmarkt verlieren und auch der Finanzplatz London an Bedeutung einbüßt. Deshalb will die US-Bank ihre technologischen Plattformen in Kontinentaleuropa aufbauen, nach Lakes Worten dürften die Kosten aber überschaubar bleiben.

rtr