Grube habe aber auf einen dreijährigen Vertrag beharrt. Seinen Posten übernimmt nun kommissarisch Finanzvorstand Richard Lutz. Wer letztlich neuer Bahn-Chef wird, ist unklar.

Grube arbeitete früher bei Daimler und dem Airbus-Vorgänger EADS und stand seit 2009 an der Spitze der Bahn. Da der Konzern wiederholt die Planziele verfehlte und zuletzt sogar eine Kapitalerhöhung benötigte, war Grubes Vertragsverlängerung umstritten. In den vergangenen Monaten verlautete aber mehrmals aus dem Aufsichtsrat, dass die Bundesregierung an Grube festhalten wolle, um im Konzern nicht noch mehr Unruhe zu verbreiten. Der Rücktritt kam deswegen überraschend.

So sagte Verkehrsminister Alexander Dobrindt in München: "Das ist in der Tat eine so nicht zu erwartende Wendung." Es habe in den vergangenen Tagen Diskussionen über Grube gegeben, sagte der CSU-Politiker, ohne sich konkreter zu äußern. "Aber dass am Schluss offensichtlich es wenig Einigungsbereitschaft auf beiden Seiten gegeben hat, war so nicht erkennbar."

Ein Aufsichtsrat sagte der Nachrichtenagentur Reuters, das Gehalt sei kein Streitpunkt zwischen dem Gremium und Grube gewesen. Es sei um die Dauer des Vertrages gegangen. "Grube hat gesagt, weniger als drei Jahre seien ein Gesichtsverlust für ihn und deswegen nicht akzeptabel."

Die Bahn kämpft seit Jahren mit Problemen im Güterverkehr und leidet zudem unter dem angekündigten EU-Austritt Großbritanniens, wo der Konzern mit der Tochter Arriva vertreten ist. Auf dem wichtigen Auslandsmarkt schlägt bereits jetzt der Wertverfall des Pfundes zubuche. Im Fernverkehr macht der Bahn die Konkurrenz der Fernbusse zu schaffen. Zwar sind die Züge dank Sonderangeboten wieder gut gefüllt, frühere Gewinnzahlen sind aber in weite Ferne gerückt. Um die Verschuldung zu begrenzen, erhält die Bahn vom Bund einen Milliarden-Zuschuss. Zudem werden ihr eigentlich bis 2020 vereinbarte Dividendenzahlungen an den Staat von 1,4 Milliarden Euro erlassen.

Wegen dieser Zahlen gab es im Aufsichtsrat Unmut. Außerdem ist Grube 65 Jahre alt. Nach Konzernregeln wäre damit eigentlich das Ende seiner Karriere bei der Bahn erreicht. Allerdings hatten sich die Aufseher auch bei seinem Vorgänger Hartmut Mehdorn darüber hinweggesetzt.

SCHULZ: ÜBER NACHFOLGE ENTSCHEIDET KOALITION



Die Entscheidung über einen Nachfolger liegt nun bei der Bundesregierung. Die SPD meldete umgehend ein Mitspracherecht an. Über die Besetzung des Postens werde in der Koalition entschieden, sagte der designierte Parteichef Martin Schulz.

Als ein Kandidat gilt der frühere Kanzleramtschef und CDU-Politiker Ronald Pofalla, der seit 2015 bei der Bahn ist und inzwischen im Vorstand den Bereich Infrastruktur verantwortet. Aus dem Aufsichtsrat verlautete allerdings, Pofalla sei nicht gesetzt. Verkehrsminister Dobrindt äußerte sich nicht über einen Kandidaten.

Der SPD-Verkehrspolitiker Martin Burkert forderte einen Nachfolger, der für pünktlichere Züge und Fortschritte bei der Güterbahn sorgt. "Es braucht jetzt einen Bahnchef, der Qualität und Zuverlässigkeit voranbringt und DB Cargo wieder aufs richtige Gleis setzt", sagte er der Nachrichtenagentur Reuters. Wirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD) forderte: "Die Bahn muss vom Schienennetzbetreiber zum Mobilitätsanbieter werden. Die anstehenden Personalentscheidungen werden diesem Ziel Rechnung tragen müssen."

Die Bahn ist einer der größten Arbeitgeber Deutschlands und beschäftigt allein in der Bundesrepublik 195.000 Menschen. Zusammen mit dem internationalen Geschäft sind es 300.000. Der Jahresumsatz liegt bei etwa 40 Milliarden Euro.

rtr