Alleine im ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahres (31. Mai) ist Oracle mit Angeboten in der Datenwolke um 82 Prozent gewachsen. "Obwohl unser Geschäft weiter zugelegt hat, ist unsere Wachstumsrate erneut gestiegen", sagte Hurd. Im laufenden Geschäftsjahr wollen die Kalifornier rund zwei Milliarden Dollar mit Cloud-Lösungen umsetzen. Bis 2019 soll sich das Geschäft annähernd verfünffachen, deutete Hurd an. Wenn man die jüngsten Cloud-Zuwächse in die Zukunft projeziere, sei man 2019 nicht mehr allzu weit von der Marke von zehn Milliarden Dollar entfernt. Bei Cloud-Lösungen mieten Kunden die Programme statt sie zu kaufen, der Zugriff erfolgt über das Internet.

Oracle hat vor rund zehn Jahren im Rahmen von Project Fusion damit begonnen, sein Angebot um so genannte ERP-Software zur Unternehmenssteuerung wie Finanzbuchhaltung, Produktion oder Lagerhaltung für die Cloud komplett neu aufzusetzen und ist damit inzwischen live. Zudem hat der Konzern mittlerweile auch ein umfassendes Cloud-Angebot für Infrastruktur rund um Server, Rechenleistung und Speicherlösungen sowie zuletzt auch eine Plattform für die Datenwolke auf den Markt gebracht. Damit könnten Unternehmenskunden nun auch eigene Lösungen programmieren, die mit den anderen Oracle-Anwendungen kompatibel seien, warb Hurd.

Mit seiner Cloud-All-Strategie sieht sich der Konzern auf dem richtigen Weg. Die Geschwindigkeit, mit welcher sich etwa der ERP-Markt Richtung Cloud-Lösungen bewege, sei "atemberaubend".

Bekenntnis zu Hardware-Geschäft



Spekulationen, wonach Oracle sich mittelfristig aus dem Hardware-Geschäft zurückziehen könnte, erteilte Hurd hingegen erneut eine Absage. Das Hardware-Geschäft sei von "strategischer Bedeutung", betonte der erfahrene IT-Manager gegenüber BÖRSE ONLINE. Oracle hatte 2010 für insgesamt 7,4 Milliarden Dollar den angeschlagenen US-Server-Hersteller Sun geschluckt, musste seither aber empfindliche Umsatz-Einbußen im Hardware-Geschäft hinnehmen.

Angesichts dessen hatten Analysten in den vergangenen Jahren mehrfach Zweifel an der langfristigen Tragfähigkeit einer eigenen Server-Produktion geäußert und Oracle indirekt eine Trennung vom Servergeschäft nahegelegt.

Dem trat Hurd jedoch vehement entgegen. Die Umsatzeinbußen seien auf die notwendige Bereinigung des Produktportfolios zurückzuführen, erklärte Hurd. Die Paketlösungen aus Highend-Servern und optimierter Software für die konzern-eigenen Datenbanken rund um die Exadata-Reihe "wachsen mit über 30 Prozent pro Jahr", sagte Hurd. Die Anwendungen seien sowohl für die Cloud als auch als traditionelles Angebot zum Kauf (on-premise) verfügbar. In der Branche gelten die Exadata-Angebote als sehr margenträchtig.

Zugleich wies Hurd Spekulationen zurück, der Strategie-Wechsel beim deutschen Softwarehaus SAP drücke auf Oracles Kerngeschäft um mächtige Datenbank-Systeme. "Wir spüren davon nichts", sagte Hurt dieser Zeitung. SAP setzt seit ein paar Jahren voll auf seine eigene Echtzeit-Datenbank HANA. Sie hält riesige Datenmengen im Arbeitsspeicher vor und sei daher bei bestimmten Abfragen bis zu 1000 Mal schneller als herkömmliche Datenbanken.

Analysten zufolge laufen rund 70 Prozent aller SAP-Systeme auf Oracle-Datenbanken. Sie könnten in den nächsten Jahren zumindest teilweise durch SAP HANA ersetzt werden.

Bislang sieht Oracle hier aber keine große Wechselwelle. Ohnehin entfalle nur ein kleiner Anteil des gesamten Datenbank-Geschäfts des Konzerns auf SAP, betonte der Oracle-Co-CEO. Es könne durchaus sein, dass bereits einige Oracle-Systeme durch HANA ersetzt worden seien, aber dies geschehe wohl offenbar "geheim. Scheinbar hat SAP hier ein paar Tarnkappen-Wechsel", lästerte Hurd.

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Einschätzung der Redaktion

Oracle hat in den vergangenen Jahren etwas von seinem Glanz als Wachstumsunternehmen eingebüßt. Alleine zwischen 2013 und 2016 stagnierte der Umsatz zwischen 37 und 38 Milliarden Dollar. Auch im laufenden Jahr sind die Erwartungen durchwachsen. Aber die lange erfolgsverwöhnten Kalifornier hatten zuletzt auch reichlich Gegenwind von der Währungsseite. Der dürfte sich allmählich legen. Und mit seinen rund-erneuerten Cloud-All-Angeboten ist der Konzern inzwischen gut aufgestellt. Langfristig hellen sich die Perspektiven also wieder auf.

Auch charttechnisch ist das Papier derzeit einen Blick wert. Die Oracle-Aktie hat zuletzt einen Seitwärtstrend ausgebildet. Bei 38,40 Dollar verläuft eine starke Unterstützung, in der Zone bei 41 Dollar lauert jedoch ein starker Widerstand. Aktuell notiert die Aktie am unteren Ende dieser Bandbreite. Hält die Unterstützung bei 38,40 Dollar bietet sich eine schöne Tradingchance.

Stopp: 38,30 Dollar

Ziel: 42 Dollar