Damit kann unter anderem Marktforschung in Form von Online-Umfragen betrieben werden. Für SAP ist es der zweitgrößte Zukauf in der Konzerngeschichte nach dem Erwerb des Reisemanagement-Anbieters Concur vor vier Jahren für 8,3 Milliarden Dollar.

SAP-Chef Bill McDermott gab die Übernahme in der Nacht zum Montag bekannt. Anleger reagierten verhalten: Die SAP-Aktie fiel zum Wochenauftakt zeitweise um fast fünf Prozent, obwohl der Leitindex Dax zulegte. Ein Händler bezeichnete den Qualtrics-Zukauf als vergleichsweise teuer. "Das verschreckt wahrscheinlich viele Investoren." Weithin war damit gerechnet worden, dass die profitable US-Firma bei ihrem Börsengang auf eine Bewertung von maximal sechs Milliarden Dollar kommt.

McDermott verteidigte die Übernahme. Kundendaten mit Betriebsdaten zu verbinden, sei in der digitalen Welt enorm wichtig. Was die Wachstumsperspektiven angehe, habe der Deal ähnliches Potenzial wie der Kauf von Instagram durch Facebook. Der Umsatz von SAP werde nach Abschluss des Qualtrics-Kauf im zweistelligen Prozentbereich und der Betriebsgewinn noch schneller zulegen. Weitere Details zum Ausblick will der Konzern nach Abschluss des Qualtrics-Zukauf bekanntgeben, mit dem in der ersten Jahreshälfte 2019 gerechnet wird.

Qualtrics zählt weltweit 9000 Kunden und erwartet nach SAP-Angaben im laufenden Jahr einen Umsatz von über 400 Millionen Dollar und zukünftiges Wachstum von mehr als 40 Prozent. Darin sind mögliche Synergien aus der Zugehörigkeit zu SAP nicht berücksichtigt.

GEWINNMASCHINE CLOUD



SAP ist vergleichsweise spät in das Cloud-Geschäft eingestiegen und hat lange auf seine Stärke im Lizenzverkauf von Software vertraut. Doch inzwischen ist der Verkauf von Programmen über die Datenwolke zum Umsatztreiber geworden. Mit Qualtrics baut SAP diesen Bereich nun nochmals aus. Salesforce, aber auch die Rivalen Adobe und Oracle, bieten Anwendungen im sogenannten Experience-Management schon länger an. Der Markt wächst rasant.

Die Marke Qualtrics soll auch nach der Übernahme durch SAP erhalten bleiben, Firmenchef Ryan Smith die Geschäfte weiterhin führen. Eine Finanzierung von insgesamt sieben Milliarden Euro zur Deckung des Kaufpreises und der kaufbedingten Kosten hat sich der Walldorfer Konzern gesichert. Die Gremien beider Firmen und die Qualtrics-Aktionäre haben dem Deal bereits zugestimmt.

rtr