DAS IST LOS BEI SIEMENS GAMESA:

Siemens hatte sein Windgeschäft im April vergangenen Jahres mit dem des spanischen Wettbewerbers Gamesa zusammengeschlossen, um im harten Konkurrenzkampf mit Größe punkten zu können. Siemens hält dabei weiterhin die Mehrheit; Sitz des Unternehmens und Börsenplatz sind jedoch Spanien. Der Windmarkt wandelte sich jedoch schneller als von Experten erwartet: Vor allem die Windenergie an Land ist hart umkämpft. Ausschreibungen für neue Anlagen finden mittlerweile häufig über eine Auktion statt, was die Preise drückt.

Das Geschäft von Siemens Gamesa brach ein. Gewinnwarnungen waren die Folge, das Management wurde ausgetauscht und der Sparkurs drastisch verschärft: So sollen 6000 Stellen gestrichen werden. Die Aktie verlor erheblich an Wert.

Doch nicht nur operativ knirscht es, sondern auch in der Beziehung zwischen den Deutschen und dem spanischen Mitaktionär Iberdrola (Iberdrola SA), der an der früheren Gamesa rund 20 Prozent hielt und an dem neuen Konzern noch mit gut 8 Prozent beteiligt ist. Den Spaniern missfällt die Vormachtstellung Siemens'. Auf der Hauptversammlung vor einigen Wochen wurden die Risse besonders deutlich: Zwei überraschend eingereichte Gegenanträge von Iberdrola sollten die Minderheitsrechte gegenüber Siemens stärken sowie den Verbleib in Spanien zementieren. Letzteres ist im Fusionsvertrag bereits festgehalten. Beide wurden mit der Siemens-Mehrheit abgelehnt.

Der Streit ist noch nicht ausgestanden, im Gegenteil: Mitte der Woche trafen sich Kaeser und Iberdola-Chef Ignacio Galan zu einer Art Krisentreffen. Die spanische Zeitung "Expansion" schrieb daraufhin unter Berufung auf informierte Personen, Galan habe die Ablösung von Siemens-Gamesa-Chef Markus Tacke gefordert. Zudem wolle er einen unabhängigen Verwaltungsratschef - diesen Posten besetzt derzeit Rosa Garcia, die wie Tacke von Siemens kommt. Kaeser ließ wiederum verbreiten, Siemens werde die Geschicke bei Siemens Gamesa nicht nur beobachten, sondern "aktiv unterstützen und lenken".

Die ständigen Attacken von Iberdrola könnten einen handfesten Hintergrund haben: So wird kolportiert, Galan suche eine Ausstiegsmöglichkeit bei Siemens Gamesa. Möglich macht dies eine Klausel im Fusionsvertrag, die dann greift, wenn er Siemens einen Verstoß gegen die Vereinbarung nachweisen kann.

DAS SAGEN ANALYSTEN:

Nach der Durststrecke in der zweiten Jahreshälfte 2017 zeigen sich Analysten mittlerweile wieder etwas optimistischer. Von den 24 im dpa-AFX Analyser erfassen Experten empfehlen 7 die Aktie zum Kauf, lediglich 3 zum Verkauf. 14 Analysten und damit die Mehrheit warten jedoch ab und stufen das Papier neutral ein.

Es sei nach wie vor schwer einzuschätzen, wie sich die Siemens-Tochter weiter entwickele, schrieb JPMorgan-Analyst Akash Gupta jüngst in einer Studie. Zuletzt hatte sich das Siemens-Gamesa-Management wieder etwas zuversichtlicher über die Preisentwicklung von Windturbinen geäußert.

Positiv wird das Sparprogramm gesehen, das ein Volumen von 2 Milliarden Euro bis 2020 haben soll. Die australische Investmentbank Macquarie sieht zudem "enormen Spielraum" zur Senkung der Kosten einzelner Komponenten.

Aber auch operativ herrscht ein vorsichtiger Optimismus. So sieht Analyst Sean McLoughlin von der britischen Bank HSBC mittlerweile ein ausgewogeneres Risikoverhältnis für die Windenergie an Land, wenn er auch die Anlagen auf hoher See als attraktivstes Geschäftsfeld im Windkraftbereich sieht.

DAS MACHT DIE AKTIE:

Investoren hatten zuletzt wenig Grund zur Freude, wenn sie die Kurse von Siemens Gamesa sahen. Nach der anfänglichen Begeisterung ist Ernüchterung eingekehrt. Von dem Rekordhoch zum Start Anfang April vergangenen Jahres von fast 22 Euro ist die Aktie meilenweit entfernt. Nach der Gewinnwarnung im Sommer ging es steil bergab - ihr Tief erreichte die in Madrid notierte Aktie Ende November mit 9,21 Euro. Seitdem hat sich das Papier wieder etwas erholt - derzeit liegt es bei gut 13 Euro. Das durchschnittliche Kursziel sehen die von dpa-AFX aufgeführten Analysten derzeit bei 12,39 Euro./nas/she