Doch nun ermittelt die Staatsanwaltschaft München wegen Betrugsverdachts gegen den Manager. Von Stadlers Anwalt war dazu keine Stellungnahme zu bekommen.

Die Ausweitung der Ermittlungen auf den Audi-Chef erhöht den Druck - auch auf den Aufsichtsrat, der darüber entscheidet, wer an der Spitze steht. Zentral sind die Eigentümerfamilien Porsche und Piech, die bislang am Audi-Chef festhalten. Ein Überblick, wie es weitergehen könnte:

STADLER BLEIBT IM AMT - WEITER MIT RÜCKHALT DER EIGENTÜMER

Stadler gilt als Vertrauter der Familien: Der in der Nähe von Ingolstadt geborene Bayer arbeitet seit 1990 bei Audi, war lange Jahre Büroleiter des früheren VW-Chefs Ferdinand Piech und für Privatstiftungen der Familie Piech tätig. Der Manager führte die Marke mit den vier Ringen in der Vergangenheit von Rekord zu Rekord und machte aus ihr - neben Porsche - eine der schönsten Töchter im VW-Konzern. Weil die Eigentümer auch im Dieselskandal ihre schützende Hand über Stadler hielten, überstand er mehrere interne Scherbengerichte. Fünf Razzien, zwei wegen des Skandals vor die Tür gesetzte Entwicklungschefs und jede Menge weitere Negativschlagzeilen verursachten aber Kratzer an seinem Image.

Andere mit den Überlegungen vertraute Personen schildern, dass eine Trennung von Stadler weitere Probleme mit sich brächte: Zum einen habe der Aufsichtsrat keinen Nachfolger in der Hinterhand. Und viele Entscheider sperrten sich gegen die bei VW so beliebte Lösung, einen internen Manager auf frei werdende Posten zu setzen. Damit hat Audi in der Vergangenheit schlechte Erfahrungen gemacht. Zudem würde der Konzern einen Konflikt mit Stadler riskieren. Im Streit mit gekündigten Managern gelangten immer wieder Interna an die Öffentlichkeit. Und eine Entlassung Stadlers könnte nicht zuletzt Wasser auf die Mühlen der klagenden Investoren sein, was für den Konzern ein erhebliches Risiko wäre.

STADLER MUSS GEHEN - FAMILIE ZIEHT UNTERSTÜTZUNG ZURÜCK

Über Stadlers unmittelbar bevorstehende Ablösung wird seit Bekanntwerden des Dieselskandals immer wieder öffentlich spekuliert. Das belastet nicht nur den Manager, sondern macht auch die Belegschaft nervös, die trotz aller Vorwürfe lange fest hinter dem Chef-"Audianer" stand. Der mächtige Betriebsrat äußerte mehrfach öffentlich Kritik am Vorstand.

Sollten jetzt neue Erkenntnisse oder Belege ans Licht kommen, die gegen Stadler sprechen, "wird es für ihn eng", sagen mehrere Insider. Dann müsse der Aufsichtsrat handeln. Nicht alle Kontrolleure hatten in den vergangenen zweieinhalb Jahren ein gutes Gefühl dabei, dass der Audi-Chef trotz aller Stürme an Bord blieb. Im vergangenen Sommer wurde etwa auf einen Schlag der halbe Vorstand ausgetauscht, weil den vier Managern unterschiedliche Versäumnisse oder Fehlentwicklungen vorgeworfen worden waren. Der Rückhalt der Eigentümerfamilien sei Stadler "nicht auf alle Ewigkeit sicher", sagt einer der Insider. Er könne dem Manager entzogen werden, sollten jetzt schwerwiegende Vorwürfe bekannt werden. Es gebe "keine Nibelungentreue".

STADLER NIMMT SEINEN HUT - ER TRITT AB ODER LÄSST AMT RUHEN

Dass Stadler hinwirft oder sein Amt ruhen lässt, erwartete bis zuletzt niemand aus seinem näheren Umfeld. Kritiker wünschen sich seit langem, dass der Manager die "politische Verantwortung" übernimmt, die ihm viele zuschreiben. Doch das passt nicht zu Stadlers Denke: Er habe sich selbst nichts vorzuwerfen, sagt jemand, der ihn gut kennt. Der als bodenständig geltende Oberbayer, der in einem früheren Kloster nahe dem katholischen Eichstätt aufs Internat gegangen ist, nimmt es zudem mit Versprechen und Ankündigungen genau. Er hat versprochen, in der Abgasaffäre "für volle Transparenz" zu sorgen. "Wir bringen das in Ordnung."

Stadler hat sich mehrfach öffentlich für den Dieselskandal entschuldigt und angekündigt, dass die Aufarbeitung lange und zäh wird. "Ich selbst habe größtes Interesse an der Aufklärung des Sachverhalts", betont er. Fragen nach persönlichen Konsequenzen ließ der Manager in der Vergangenheit offen und verwies auf den Aufsichtsrat - der seinen Vertrag als Audi-Chef erst im vergangenen Jahr bis 2022 verlängert hat.

rtr