Wenn der Flugzeugbauer aus Toulouse an diesem Donnerstag seine Geschäftszahlen zum abgelaufenen Jahr vorlegt, wird von Rekorden noch nicht viel zu sehen sein. Mit 611 ausgelieferten Verkehrsflugzeugen hat Airbus sein eigenes Ziel von etwa 600 Stück zwar übertroffen. Bis zum Rekordniveau von 2019 fehlen aber noch gut 250 Maschinen.

Allerdings hat Airbus seinen Konkurrenten Boeing bei den Auslieferungen 2021 erneut weit hinter sich gelassen. Damit verteidigte der Konzern seine Position als weltgrößter Flugzeughersteller, die er Boeing 2019 abgejagt hatte.

Airbus überraschte seine Aktionäre im vergangenen Jahr gleich mehrfach positiv. So legte das Management die Latte für den operativen Gewinn vor Sondereffekten (bereinigtes Ebit) gleich zweimal höher - erst von mindestens 2 Milliarden auf etwa 4 Milliarden und schließlich noch einmal auf 4,5 Milliarden Euro.

Airbus findet weiteren Kunden für A350-Frachter


So meldete Airbus am Mittwoch, einen weiteren Käufer für den geplanten Frachtjet A350F gefunden zu haben. Die arabische Fluggesellschaft Etihad habe eine Absichtserklärung zum Kauf von sieben Maschinen des Typs unterzeichnet, kündigte der Dax-Konzern an. Airbus hatte die Entwicklung der A350F vergangenen Sommer angekündigt. Mit dem Jet will der europäische Konzern auf dem Markt für Großraumfrachter punkten, der bisher fast komplett vom US-Hersteller Boeing beherrscht wird. Die Auslieferung des ersten Exemplars ist für das Jahr 2025 angepeilt.

Zudem möchte Airbus ein erstes Passagierflugzeug mit Wasserstoffantrieb auf den Markt bringen. Derzeit gehe es dabei um viel Kopfarbeit und noch nicht um hohe Kosten, hatte Airbus-Chef Guillaume Faury im September erklärt. Die teure Entwicklung des Flugzeugs selbst müsse aber 2027 oder 2028 beginnen, damit der Einsatz ab 2035 gelingen könne.

Das erwarten Analysten für das abgelaufene Geschäftsjahr


Branchenexperten zufolge dürfte der Konzern seine im Herbst angehobenen Ziele für 2021 noch einmal klar übertroffen haben. Von der Nachrichtenagentur Bloomberg befragte Analysten rechnen im Schnitt mit einem Umsatz von gut 52,3 Milliarden Euro - das wären gut vier Prozent mehr als im ersten Corona-Jahr 2020. Der bereinigte operative Gewinn (Ebit) dürfte mit gut 4,7 Milliarden Euro sogar fast dreimal so hoch wie im Jahr zuvor ausfallen.

Unterm Strich rechnen die Analysten mit 3,3 Milliarden Euro. Im Vorjahr hatte hier vor allem wegen Rückstellungen für den Abbau tausender Arbeitsplätze ein Verlust von 1,1 Milliarden Euro gestanden.

Im Fokus des Interesses dürften bei der Vorlage der Jahreszahlen die Ziele des Managements für 2022 stehen. Von der Nachrichtenagentur Bloomberg befragte Analysten rechnen im Schnitt mit einem Umsatzanstieg auf 60,2 Milliarden Euro. Beim bereinigten operativen Gewinn erwarten sie eine weitere Steigerung auf 5,7 Milliarden Euro.

Unterdessen können die Aktionäre für 2021 wieder auf eine Dividende hoffen, nachdem sie wegen der Branchenkrise zwei Jahre lang leer ausgegangen waren. Analysten rechnen im Schnitt mit einer Ausschüttung von 1,14 Euro je Aktie.

Unsere Einschätzung zur Airbus-Aktie


Wie die Papiere anderer Luftfahrt-Unternehmen war die Airbus-Aktie während der Pandemie zeitweise schwer unter die Räder gekommen. Hatte ihr Kurs im Januar 2020 an der Frankfurter Börse bei 139,40 Euro ein Rekordhoch erreicht, ging es bis Mitte März auf 47,70 Euro nach unten. Erst mit den Meldungen über die ersten wirksamen Impfstoffe und damit der Aussicht auf Auftrieb für den Flugverkehr ging die Aktie ab November 2020 vorerst auf Erholungskurs. Im September 2021 stieg Airbus im Zuge der Index-Erweiterung zudem in den Dax auf.

Nach Aufkommen der neuen Virus-Variante Omikron sackte der Kurs zeitweise auf unter 97 Euro ein. Der Airbus-Kurs erholte sich von dem Schlag und stieg bis Anfang Januar wieder auf gut 121 Euro. Das Spitzenniveau aus der Zeit vor der Krise bleibt aber immer noch ein gutes Stück entfernt. Zuletzt wurde das Papier zu rund 118 Euro gehandelt.

Im Vergleich zum Konkurrenten Boeing zeigt sich die Airbus-Aktie deutlich profitabler. Seit Ende 2016 hat die Airbus-Aktie inzwischen um 89 Prozent zugelegt, das Boeing-Papier nur um rund 40 Prozent. Dennoch wird Boeing mit einer Marktkapitalisierung von umgerechnet rund 112 Milliarden Euro immer noch höher bewertet als sein europäischer Rivale, der lediglich auf rund 93 Milliarden kommt.

Wir empfehlen die Airbus-Aktie zum Kauf.

ak/dpa-AFX