Die Allianz erhöht den Druck auf ihren gebeutelten US-Vermögensverwalter Pimco. Europas größter Versicherer erwartet von der Tochter, dass deren Kunden im zweiten Halbjahr unter dem Strich endlich kein Geld mehr aus Pimco-Fonds abziehen. "Das ist Wunsch, Anspruch und Forderung an das Management, aber auch eine realistische Erwartung", sagte Allianz-Finanzchef Dieter Wemmer am Mittwoch in München. Im ersten Quartal verlangsamten sich die Mittelabflüsse zwar auf zehn Milliarden Euro von 68 Milliarden ein Jahr zuvor, ganz stoppen konnte sie die Fondsgesellschaft aber nicht. Vor allem Privatanleger zogen Gelder ab. Pimco kann die schwindenden Erträge nur zum Teil mit Kostensenkungen auffangen.

Im Konzern fängt das Sachversicherungsgeschäft die Einbußen in der Vermögensverwaltung und der Lebensversicherung ab. Mit 1,4 Milliarden Euro - ein Plus von zwölf Prozent - steuerte es im ersten Quartal mehr als die Hälfte zum operativen Gewinn bei. Dieser lag mit 2,8 Milliarden Euro 3,5 Prozent unter Vorjahr, wie die Allianz bereits in der vergangenen Woche berichtet hatte. Wemmer bekräftigte das Ziel, zum Jahresende auf einen operativen Gewinn von zehn bis elf (2015: 10,7) Milliarden Euro zu kommen. Die Allianz sei auf gutem Weg dahin. "Wir hoffen, weiter positiv überraschen zu können."

Die Asset-Management-Sparte, zu der auch die kleinere Pimco-Schwester Allianz Global Investors (AGI) gehört, erwirtschaftete im ersten Quartal mit 463 Millionen Euro 16,5 Prozent weniger Gewinn. Im April zogen die Anleger aus dem einstigen Aushängeschild von Pimco, dem Total Return Fund, eine weitere Milliarde Dollar ab. Mit 87 Milliarden Dollar hat er nun weniger als ein Drittel seines einstigen Volumens. Der von Chefinvestor Dan Ivascyn geführte "Pimco Income Fund" kommt inzwischen auf 58 Milliarden Dollar. Seit Jahresbeginn flossen 19,7 Milliarden in den Fonds.

SÜDKOREA, TAIWAN - UND DANN?



In der Lebens- und Krankenversicherung ging es beim Gewinn um 16 Prozent abwärts, die Beitragseinnahmen sanken um gut elf Prozent. Trotzdem verlieh Wemmer der mitten im Umbau stehenden Sparte operativ die Note "sehr gut". Wachstum sei angesichts der niedrigen Zinsen kurzfristig nicht das Ziel. Das Umsteuern von traditionellen Lebensversicherungen mit teilweise lebenslangen Zinsgarantien auf Produkte ohne oder mit kürzeren Garantien laufe gut. Die althergebrachten Policen verschlingen nach den neuen EU-Vorschriften viel Kapital, was sie zunehmend unattraktiv für die Allianz macht. "Das erste Quartal 2016 ist das dritte Quartal in Folge mit gesunden und stabilen Neugeschäftsmargen", sagte Wemmer.

Dennoch setzt Allianz-Chef Oliver Bäte die Lebensversicherer in den einzelnen Ländern unter Druck. Bis 2018 sollen sie alle auf eine Eigenkapitalrendite von mindestens zehn Prozent kommen. Sonst haben sie im Konzern keine Zukunft. Bisher schafft nur die Hälfte die zehn Prozent. "Ob Verkäufe - klein oder groß - nötig sind, wird sich zeigen", sagte Wemmer. In Südkorea hat Bäte durchgegriffen und das Geschäft verkauft, mit einem Verlust von 350 Millionen Euro, wie die Allianz am Mittwoch berichtete. Der Verkauf sei die einzige Lösung gewesen, weil die Tochter zu weit von den geforderten zehn Prozent entfernt gewesen sei. Auch in Taiwan trennt sich die Allianz von den traditionellen Policen mit einem kleinen dreistelligen Millionenverlust.

Reuters