APA ots news: Staatliche Kreditgarantien und geldpolitische Maßnahmen des...

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06.11.2020 10:07:38

APA ots news: Staatliche Kreditgarantien und geldpolitische Maßnahmen des Eurosystems unterstützen Kreditvergabe der Banken an Unternehmen

Österreich-Ergebnisse der euroraumweiten Umfrage über das

Kreditgeschäft vom Oktober 2020 (Bank Lending Survey)

Wien (APA-ots) - Die Geldpolitik des Eurosystems und staatliche

Kreditgarantien sichern die Liquidität und günstige

Finanzierungsbedingungen während der COVID-19-Pandemie. Trotzdem

passen die Banken ihre Kreditangebotspolitik an die geänderte

Risikosituation und die unsicheren Aussichten an. Unternehmen fragen

Kredite vor allem zur Aufrechterhaltung ihrer Zahlungsfähigkeit und

ihres Betriebs in der aktuellen Krise nach. Der Finanzierungsbedarf

für Anlageinvestitionen ist hingegen eingebrochen. Während die

Nachfrage nach Wohnbaukrediten wieder leicht steigt, ist jene nach

Konsumkrediten zurückgegangen. Das zeigen die Ergebnisse der

vierteljährlichen Umfrage über das Kreditgeschäft, in der führende

Banken im Euroraum und damit auch in Österreich nach ihren

Einschätzungen gefragt werden. Die Umfrage wurde in der zweiten

Septemberhälfte 2020 durchgeführt.

Geldpolitische Maßnahmen des Eurosystems unterstützen Kreditvergabe

und sichern günstige Finanzierungsbedingungen

In der aktuellen Umfragerunde über das Kreditgeschäft wurden die

Banken auch zu den Auswirkungen der geldpolitischen Maßnahmen des

Eurosystems befragt. Die gezielten längerfristigen

Refinanzierungsgeschäfte werden von den Banken hauptsächlich aufgrund

der attraktiven Bedingungen sehr gut angenommen und wirken sich

positiv auf ihre finanzielle Situation aus - vor allem über eine

Stärkung ihrer Liquidität und ihrer Profitabilität. Auch ihre

Refinanzierungsbedingungen am Markt und ihre Fähigkeit, Anforderungen

der Bankenaufsicht und -regulierung zu erfüllen, haben sich durch die

gezielten längerfristigen Refinanzierungsgeschäfte verbessert. Die

durch die Geschäfte verfügbaren Mittel werden auch für die

Kreditvergabe verwendet, was den Zielsetzungen dieses Maßnahmenpakets

entspricht.

Den Umfrageergebnissen zufolge haben die Wertpapier-Ankaufprogramme

des Eurosystems positive Auswirkungen auf Liquidität und

Finanzierungsbedingungen der österreichischen Banken, aber

nachteilige Effekte auf ihre Ertragslage. Auch der negative Zinssatz

der EZB-Einlagefazilität bringt eine Belastung der Ertragslage der

Banken mit sich. Das im Herbst 2019 eingeführte zweistufige System

für die Verzinsung von Überschussliquidität verringert diese

Belastung jedoch. Über gesunkene Kreditzinsen wirkt der negative

Zinssatz der EZB-Einlagefazilität vorteilhaft auf die

Finanzierungsbedingungen von Unternehmen und privaten Haushalten.

Staatliche Kreditgarantien federn Folgen der Krise wesentlich ab

Die Umfrage zeigt, dass staatliche Garantien für Unternehmenskredite

in der COVID-19-Krisenzeit eine wichtige Rolle spielten und spielen.

Die Garantien haben es den Banken ermöglicht, bei der Kreditvergabe

weniger restriktiv zu sein, als sie es ohne staatliche Garantien aus

wirtschaftlichen und regulatorischen Gründen hätten sein müssen. Das

nachgefragte Garantievolumen ist über den Sommer allerdings deutlich

zurückgegangen. Weiters betonen die Banken, dass auch bei einer

Vergabe mit Garantie die Rückzahlbarkeit des Kredits durch das

kreditnehmende Unternehmen gegeben sein muss.

Demzufolge haben die Banken bereits seit dem ersten Quartal 2020 die

Kreditbedingungen für neu vergebene Unternehmenskredite verschärft.

Kreditbedingungen sind die speziellen Konditionen des Kreditvertrags

(Margen, Nebenkosten, Erfordernisse für Sicherheiten usw.). Die

Margen wurden in den ersten drei Quartalen 2020 laufend erhöht,

besonders bei risikoreicheren Krediten. Neben den Margen wurden die

Banken zuletzt auch bei anderen Kreditbedingungen, wie den

Erfordernissen für Sicherheiten, strenger. Im dritten Quartal 2020

wurden zudem die Kreditrichtlinien für Unternehmenskredite

verschärft. Kreditrichtlinien sind interne Kriterien der Banken für

ihre Kreditvergabe. Die Verschärfungen ihrer Kreditangebotspolitik

begründeten die Banken vor allem mit einer geänderten

Risikoeinschätzung sowie mit ihrer Risikotoleranz.

Die Nachfrage nach Unternehmenskrediten ist im dritten Quartal 2020

nur mehr leicht gestiegen. In den ersten beiden Quartalen 2020 gab es

noch außergewöhnlich große Nachfragesteigerungen. Diese Anstiege sind

auf den Bedarf der Unternehmen zur Aufrechterhaltung ihrer

Zahlungsfähigkeit und ihres Betriebs in der aktuellen Krise

zurückzuführen. Der Finanzierungsbedarf für Anlageinvestitionen ist

hingegen eingebrochen.

Nachfrage nach Wohnbaukrediten leicht gestiegen

Anders als im Unternehmenskundengeschäft fallen die Auswirkungen der

COVID-19-Pandemie - gemäß den Umfrageergebnissen - im Kreditgeschäft

mit privaten Haushalten moderater aus. Die Banken haben aufgrund der

geänderten Risikosituation ihre Angebotspolitik hier hauptsächlich im

zweiten Quartal 2020 gestrafft.

Die Nachfrage nach Wohnbaukrediten ist im dritten Quartal 2020 wieder

etwas gestiegen (im Vergleich zum zweiten Quartal 2020). Damit setzte

sich ein seit 2019 bestehender, mit dem niedrigen Zinsniveau

begründeter Trend fort. Die Nachfrage nach Konsum- und sonstigen

Krediten blieb im dritten Quartal 2020 weitgehend unverändert,

nachdem sie im zweiten Quartal 2020 deutlich zurückgegangen war.

Dieser Einschnitt wurde mit gesunkenem Konsumentenvertrauen und

geringeren Ausgaben für langlebige Wirtschaftsgüter begründet. Davor

hatte sich die Nachfrage nach Konsum- und sonstigen Krediten von

Mitte 2017 bis zum ersten Quartal 2020 kaum verändert.

Die Zentralbanken des Euroraums - in Österreich die Oesterreichische

Nationalbank (OeNB) - führen gemeinsam mit der Europäischen

Zentralbank (EZB) seit Anfang 2003 viermal jährlich eine Umfrage über

das Kreditgeschäft im Euroraum durch, um ihren Informationsstand über

das Kreditvergabeverhalten der Banken, die Kreditnachfrage von

Unternehmen und privaten Haushalten, sowie sonstige die Geldpolitik

betreffende Themen zu verbessern. Dabei wurden zuletzt 143 führende

Banken aus allen Ländern des Euroraums befragt, darunter acht

Institute aus Österreich.

Eine ausführliche Darstellung der österreichischen Ergebnisse wird in

Statistiken - Daten & Analysen Q4/2020 und vorab auf der OeNB-Website

veröffentlicht. Dort finden sich auch weitere Informationen und Daten

zu den Österreich-Ergebnissen der Umfrage:

www.oenb.at/Geldpolitik/Erhebungen/umfrage-ueber-das-kreditgeschaeft

Die Resultate für den Euroraum werden von der EZB auf ihrer Website

publiziert:

www.ecb.europa.eu/stats/money/surveys/lend/html/index.en

Rückfragehinweis:

Oesterreichische Nationalbank

Dr. Christian Gutlederer

Pressesprecher

(+43-1) 404 20-6900

christian.gutlederer@oenb.at

www.oenb.at

Digitale Pressemappe: http://www.ots.at/pressemappe/156/aom

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OTS0054 2020-11-06/10:02

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