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BÖRSENGANG

Bastei-Lübbe-Chef: Wir wollen 20 Prozent Rendite

Bastei-Lübbe-Chef: Wir wollen 20 Prozent Rendite
27.09.2013 22:50:18

Den Groschenroman hat Stefan Lübbe längst ins digitale Zeitalter gerettet. Nun will er dem Bastei Lübbe Verlag zu frischem Geld verhelfen - via Börsengang. Von Klaus Schachinger

Den Vorwurf, Bastei Lübbe sei mit Heften wie „Jerry Cotton“ und „Der Bergdoktor“ ein Groschenroman-Verlag schmetterte der Inhaber auf der 60-Jahr-Feier seines Hauses ganz besonders scharfsinnig ab: „Völliger Schwachsinn; es gibt keine Groschen mehr.“ Ach! Dass Bastei Lübbe auch dank solcher Vorwürfe unterschätzt wird, nimmt der Verleger gern in Kauf. Vorstandschef Thomas Schierack soll das Kölner Familienunternehmen jetzt aufs Börsenparkett führen. Der schnell wachsende Umsatzanteil digitaler Produkte soll die Profitabilität des Verlags stark verbessern. Zudem soll 40 bis 50 Prozent des Nettogewinns als Dividende ausgeschüttet werden.

Herr Schierack, will Bastei Lübbe mit der Offensive bei digitalen Produkten sein Groschenroman-Image los werden?

Thomas Schierack: Keineswegs. Unsere Heftromane sind ein Kernbestandteil unseres Hauses. Wir wollen auch in diesem Bereich wachsen. So gibt es alle neuen "Jerry Cotton" Romane auch als digitale Ausgaben und mit Jerry Cotton reloaded eine Serie, deren Schreibstil der heutigen Zeit angepasst wurde. "Jerry Cotton" und "Der Bergdoktor" haben den Sprung in die digitale Welt gut gemeistert. Wir haben "Jerry Cotton" Romane seit dem ersten Heft über eine Milliarde mal verkauft.

Bastei Lübbe war der erste Verlag, der in den digitalen Markt eingestiegen ist. Wie äußern sich zwei bis drei Jahre Vorsprung auf die Konkurrenz?

Wir haben für jede gedruckte Ausgabe eine digitale Version und passen die Inhalte den Möglichkeiten auf der jeweiligen digitalen Plattform an. Die Inhalte sind kürzer und wo es möglich ist, ergänzen wir die Story durch Bilder, Animationen, Kurzfilme und sogar Spiele. Das Lesen steht zwar weiterhin im Vordergrund, wir denken jedoch, dass die Nutzer von Tablets zusätzliche Unterhaltung wollen. Im Vergleich zu anderen Verlagen sind wir mit den notwendigen Strukturen dafür sehr vertraut.

Was ist der nächste Schritt in der Entwicklung des digitalen Geschäfts?

Derzeit verhandeln wir mit Airlines und mit den Autokonzernen, die internetfähige Server in Flugzeuge und Autos einbauen wollen. Darüber sollen die Passagiere die eigenen Inhalte auf Smartphones oder Tablets laden können. Wir sind der einzige Verlag, der die Inhalte dafür anbieten kann.

Bücher wie der Kinderbuch-Bestseller "Gregs Tagebuch" sind auch als Film erfolgreich. Wollen sie künftig stärker ins Filmgeschäft einsteigen?

Nein. Alles was über den Verkauf von Lizenzen für Filme geht, ist nicht unser Metier.

Der Verlag macht bisher zehn Prozent des Umsatzes mit digitalen Medien. Im laufenden Geschäftsjahr (bis Ende März) soll es mit 17 bis 18 Prozent Anteil fast doppelt so viel sein. Was sind die Treiber?

Ganz einfach, die größere Nachfrage nach digitalen Inhalten und wachsende Popularität von E-Readern und Tablets. Wir wollen auch die Internationalisierung unserer Stoffe durch digitale Produkte vorantreiben.

Bis wann soll der Verlag die angestrebten 40 Prozent Umsatz mit digitalen Medien erreichen?

Spätestens in drei bis vier Jahren wollen wir soweit sein, also bis Ende des Geschäftsjahres 2016/17.

Wie hoch ist die operative Rendite mit digitalen Inhalten im Vergleich zum herkömmlichen Büchergeschäft?

Plattformbetreiber berechnen weniger als Buchhändler, die Kosten für Druck, Lagerung und Remittenten fallen weg – unter dem Strich bleiben uns damit zehn bis 15 Prozentpunkte mehr.

Aktuell liegt die operative Rendite (EBIT) des Verlags bei etwa 13 Prozent. Wie stark wird sich die Profitabilität durch einen höheren digitalen Anteil am Umsatz verbessern?

Wir gehen davon aus, dass wir durch steigende digitale Umsätze, die weit überdurchschnittliche EBIT-Marge generieren, eine deutliche höhere Profitabilität erreichen können. Langfristig ist unsere Zielrichtung 20 Prozent operative Rendite.

Und beim jährlichen Umsatzwachstum?

Das ist schwer zu schätzen. Im digitalen Bereich sollte die Steigerung aber in jedem Fall jährlich eine zweistellige Millionenhöhe erreichen. Und mit einem höheren digitalen Anteil sollte sich auch das Tempo beim Umsatzwachstum weiter erhöhen.

Mit Ken Follett und Dan Brown hat der Verlag zwei sehr populäre internationale Autoren. Wie viele ähnlich starke Autoren wollen Sie nach dem Börsengang aufbauen?

Das sind Top-Autoren im In- und Ausland. Es wäre vermessen zu sagen, dass wir einen oder zwei zusätzliche Autoren von ähnlichem Format aufbauen wollten. Wünschenswert ist es.

Wird der Börsengang das Verhältnis mit Top Autoren, die bewusst mit familiengeführtes Verlagen arbeiten, ändern?

Wir trauen uns diesen Spagat zu. Die Familie bleibt Mehrheitsaktionär und wird ihren bisherigen Stil nicht ändern.

Werden Bastei-Lübbe-Aktien eine zusätzliche Option für Autoren sein?

Wir haben das erwogen. Bisher ist die Option hierzulande rechtlich aber noch nicht möglich. Wir behalten das Modell aber in der Schublade.

Drei bis fünf von den knapp 60 Millionen Euro aus dem Börsengang sollen in den Aufbau des Spielegeschäfts fließen. Was wollen Sie damit erreichen?

Wir sehen elektronische Spiele als festen Bestanteil der digitalen Inhalte, die wir für Tablets und Smartphones anbieten. Das heißt aber nicht, dass wir auch Spiele für Konsolen entwickeln wollen. Es ist jedoch denkbar, dass wir uns hier mit geeigneten Akquisitionszielen verstärken. Auch dann, wenn Spiele kein eigener Geschäftsbereich werden.

In welchen anderen Bereichen sehen Sie Bedarf für Zukäufe?

Eigentlich in keiner weiteren Sparte. Wir haben ausreichend Möglichkeiten aus eigener Kraft zu wachsen. Am wahrscheinlichsten sind aber Zukäufe digitaler Technologie oder Minderheitsbeteiligungen an Verlagen in Brasilien oder in China, wo wir gute Wachstumsperspektiven sehen.

Bastei Lübbe hat vor zwei Jahren erfolgreich eine 30 Millionen Euro Mittelstandsanleihe platziert, die bei Privatanlegern weiter begehrt ist. Erwarten Sie beim Börsengang ein ähnlich starkes Echo bei Privatanlegern?

Wir haben für den Börsengang keinen konkreten Anteil von Privatanlegern im Kopf. Die Anleihe wurde zu einem Fünftel von Privatanlegern gezeichnet. Das ist ein sehr hoher Wert. Wir hoffen natürlich, dass der große Erfolg und die gute Performance der Anleihe bei Privatanlegern einen bleibenden Eindruck hinterlassen hat und sie sich auch für unsere Aktien interessieren.

Die Aktie

Der Börsengang (IPO) soll bis zu 58 Millionen Euro einspielen. Im Handel per Erscheinen, also während der laufenden Zeichnungsfrist, werden die Papiere aktuell in der Mitte der Preisspanne von neun bis elf Euro gehandelt. Der Börsenwert liegt zwischen 90 und 110 Millionen Euro, das entspricht 90 bis 110 Prozent des Verlagsumsatzes im Geschäftsjahr 2012/2013. Kleines Handicap: Bei IPO-Volumen bis 100 Millionen Euro halten sich viele Großinvestoren zurück. Bewertung und Story des Verlags bieten Potenzial.

WKN: A1X 3YY Emissionsvolumen: 5,3 Mio. Aktien Zeichnungsfrist: bis 1. Oktober IPO-Preisspanne: 9,00 € – 11,00 € Börsenwert: 101 Mio. €

UPDATE: Die befürchtete Zurückhaltung großer Investoren bei Börsengängen (IPOs) unter 100 Millionen Euro Emissionsvolumen hat sich bestätigt. Der Kölner Verlag reagiert mit einer Senkung der IPO-Preisspanne auf 7,50 bis 9 Euro von ursprünglich 9 bis 11 Euro und verlängert die Zeichnungsfrist bis morgen, Mittwoch 2. Oktober 14 Uhr.

Mit der neuen Preisspanne sinkt der mögliche IPO-Erlös für Bastei Lübbe von knapp 58 Millionen auf gut 47,7 Millionen Euro. "Die Senkung erfolgte, weil das Buch zwar ganz gut gefüllt war, am Donnerstag vergangener Woche jedoch nicht auszuschließen war, dass wir nicht alles verkauft bekommen", sagte Bastei-Lübbe-Chef Thomas Schierack. Ziel sei "ganz klar", bei der Erstnotierung einen Kursgewinn zu erzielen. "Das sollte mit der Senkung der Spanne zu erreichen sein", so Schierack. Der anhand der neuen Preisspanne berechnete Börsenwert des Verlags liegt zwischen 75 und 90 Millionen Euro. Wir bleiben bei unser Empfehlung die Aktie zu zeichnen.

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