"Skin Care ist eine Branche, die ist teuer und ziemlich profitabel. Es gibt niemanden, der ein gut gehendes Skin Care-Unternehmen verkaufen muss", fügte Pöllath hinzu.

Der Dax-Konzern sitzt seit Jahren auf einer hohen Liquidität, die auf mehr als vier Milliarden Euro angeschwollen ist. De Loeckers Vorgänger Stefan Heidenreich hatte wiederholt die Fühler ausgestreckt, aber kein geeignetes Übernahmeziel gefunden. Analysten und Kleinaktionäre verlangen deshalb, Beiersdorf solle die Dividende erhöhen oder das Geld anderweitig an die Aktionäre verteilen, statt es zu horten. "Es ist ein grundsolides, erfolgreiches Unternehmen mit wenig Kursausschlägen", beschrieb Steffen Kraus von der Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) Beiersdorf. "Aber es ist auch ein Unternehmen mit einem riesen Cash-Berg von 4,4 Milliarden Euro - keinen Akquisitionen, rein organischem Wachstum und einer dürftigen Dividende." Beiersdorf zahlt seinen Anteilseignern - darunter als größter die Familie Herz, die über die Tchibo-Mutter Maxingvest die Mehrheit hält - seit Jahren eine unveränderte Dividende von 70 Cent je Aktie.

"DAS GELD AUS DEM GESCHÄFT GEHÖRT INS GESCHÄFT"
Pöllath betonte, der Konzern halte lieber sein Pulver trocken: "Das Geld aus dem Geschäft gehört ins Geschäft." Damit machte er klar, dass Gewinne weiterhin vor allem ins Unternehmen investiert werden sollen. Dass Beiersdorf bei Zukäufen bisher nicht zum Zuge kam, liege nicht daran, dass der Aufsichtsrat Vorschläge zurückgewiesen habe. Grund sei auch nicht, dass der vorzeitig ausgeschiedene Firmenchef Heidenreich sich nicht bemüht habe: "Er hat sich Objekte angeschaut. Und da, wo wir vielleicht gewollt hätten, da kamen wir nicht zum Zuge - und bei anderen wollten wir nicht."

Sorgen, dass die hohe Liquidität aktivistische Aktionäre anlocken könnte, macht sich Pöllath nach eigener Darstellung nicht. Er verwies dazu auf die Aktionärsstruktur mit der Familie Herz im Hintergrund. "Es ist total uninteressant, sich bei uns als sogenannter feindlicher Aktionär zu investieren." Aktivistische Aktionäre wie Hedgefonds beteiligen sich an börsennotierten Unternehmen oft mit der Absicht, die Strategie eines Unternehmens zu beeinflussen. Ziel ist eine Wertsteigerung der Beteiligung durch Aktienrückkäufe, höhere Dividenden oder eine Aufspaltung des Unternehmens.

Der neue Vorstandschef De Loecker hatte unlängst angekündigt, er wolle sich "aktiv" nach Übernahmegelegenheiten umsehen. Zukäufe und Kooperationen seien vor allem im Bereich der Naturkosmetik denkbar, wo Beiersdorf bisher kaum präsent ist. Auch andere Kosmetikunternehmen haben dieses Wachstumsfeld für sich entdeckt. Der Belgier De Loecker, der Heidenreich zu Jahresanfang abgelöst hat, will den Konzern neu ausrichten und setzt dabei auf die Digitalisierung. Die Konsumgüterindustrie stehe vor einem Umbruch, sagte er vor den Aktionären. Die Verbraucher erwarteten durch das Internet personalisierte Produkte und Dienstleistungen. "Unser existierendes Geschäft gerät dadurch zunehmend unter Druck." Vor allem in Europa, wo Beiersdorf trotz der Ausweitung in Wachstumsmärkte immer noch die Hälfte seines Geschäfts macht.

Um den die Firma für die Zukunft fit zu machen, will der Vorstand 70 bis 80 Millionen Euro im Jahr investieren. Zur Neuausrichtung gehört auch, dass sich Beiersdorf von Verlustbringern trennen will. Für das vor zehn Jahren übernommene Haarpflegegeschäft der Marke Slek in China will De Loecker strategische Optionen prüfen, wohinter meist der Wunsch nach einem Verkauf steckt.

rtr