Anstatt mit Hubraum und Chrom zu protzen, setzten die Autokonzerne auf den jüngsten Messen in Las Vegas und Detroit auf Vernetzung, Elektrifizierung und autonomes Fahren. Laut dem "Digital Auto Report 2017" werden ab 2025 58 Prozent aller Neuwagen in Europa, den USA und China elektrisch oder hybrid angetrieben sein. Elektrofahrzeuge sollen zu diesem Zeitpunkt bereits günstiger als Verbrennermodelle sein.

Und auch der Weg zum "Robo"-Auto ist nicht mehr weit. Den Schätzungen zufolge werden 2030 die Wege auf Europas Straßen zu 42 Prozent in selbststeuernden Autos zurückgelegt werden. Dass die deutschen Hersteller bei diesen Trends vorn mitspielen, stellen sie derzeit unter Beweis. BMW zeigte unter anderem die Modellpflege des Sportwagens i8, Daimler präsentierte das sprachbasierte Cockpit der Zukunft und VW malte ein positives Bild zur Elektromobilität in den USA. "Wir gehen fest davon aus, dass vor allem in den Ballungsräumen an Ost- und Westküste die Elektrifizierung schnell vorankommt," sagte Vertriebschef Jürgen Stackmann. Die Amerikaner überlassen das Feld aber nicht den Deutschen. Ford kündigte Investitionen in E-Fahrzeuge in Höhe von mehr als elf Milliarden Dollar bis 2022 an.

Die Hersteller nutzten die Automesse in Detroit auch, um ihre Absatzzahlen zu präsentieren. Ungeachtet der Dieselkrise verkaufte VW 2017 weltweit mit 10,7 Millionen Fahrzeugen so viele Autos wie nie zuvor. Erzrivale Toyota rechnet dagegen nur mit einem weltweiten Absatz von 10,35 Millionen Pkws. Doch Größe ist längst nicht alles. Es kommt auf die künftige Ausrichtung an. Mit modularen Baukästen, einer erweiterten Modellpalette, hohen Investitionen in neue Technologien sowie aussichtsreichen Partnerschaften wie jüngst die mit dem Chiphersteller Nvidia ist VW aber auch hier auf einen guten Weg. Angesichts des zuletzt dynamischen Aufwärtstrends der Aktie - 44 Prozent in fünf Monaten - belassen wir den Titel vorerst auf "Halten". Für die BMW-Stammaktien heben wir dagegen den Daumen. Die Münchner haben sich nicht nur 2017 gut geschlagen, der Ausblick auf das laufende Jahr fällt ebenso positiv aus. Von den drei Marken BMW, Mini und Rolls-Royce wurden 2017 knapp 2,5 Millionen Fahrzeuge ausgeliefert. Das entspricht einem Plus von 4,1 Prozent und ist der siebte Rekordabsatz in Folge. Der Absatz soll sich sogar beschleunigen. Finanzvorstand Nicolas Peter kündigt ein Wachstum 2018 um bis zu fünf Prozent an - mit Blick auf das anstehende Modellfeuerwerk ein durchaus realistisches Ziel: Unter anderem kommen BMW X5, X7, Z4 sowie aufgefrischte Versionen der Elektroflitzer i3 und i8 auf den Markt. In Sachen Elektromobilität drückt der Konzern weiter aufs Gaspedal. 2019 gibt es den neuen Elektro-Mini, 2020 folgt der BMW X3 und 2021 der iNext. Die Bayern haben sich zudem die Rechte an i1 bis i9 sowie iX1 bis iX9 gesichert. Zahlenjongleur Peter verliert den Gewinn aber nicht aus den Augen: "Unser Fokus liegt weiterhin fest auf der Profitabilität."



Beim Rennen um den Spitzenplatz in der Premiumklasse konnte Daimler den ersten Platz aus dem Vorjahr verteidigen. Die Führungsposition und die Aussicht auf weitere Zuwächse sollten die Aktie glänzen lassen. Für den Titel sprechen zudem die günstigen Bewertungsrelationen. Das KGV beträgt niedrige 8,8, die Dividendenrendite dafür hohe 3,7 Prozent. Grünes Licht gibt es von der Charttechnik: Soeben ist der Titel auf ein neues Jahreshoch ausgebrochen.

Auf Seite 2: Gemischte Vorzeichen in Asien





Gemischte Vorzeichen in Asien



Außerhalb der heimischen Landesgrenzen finden sich ebenfalls interessante Autoaktien. Im asiatischen Raum sticht Hyundai hervor. Die Südkoreaner sorgen derzeit mit dem frech designten Crossover Kona für Schlagzeilen, der noch 2018 als Elektrovariante über die Straßen rollen soll. In den kommenden fünf Jahren werden knapp 18 Milliarden Euro in Zukunftsfelder fließen. 38 neue "grüne" Autos will der Autobauer mit seinem Schwesterkonzern Kia bis 2025 auf den Markt bringen. Trotz guter Aussichten fährt Hyundai im operativen Geschäft aber hinterher. Vor allem die starken Absatzrückgänge in China drücken auf den Gewinn. Anleger sollten daher mit einem Einstieg abwarten, bis diese Probleme beseitigt sind.

Aufgrund der Top-Positionierung bei E-Fahrzeugen drängt sich ein Engagement in die chinesische BYD-Aktie geradezu auf. Der Konsens geht von einem Gewinnwachstum von 50 Prozent in diesem Jahr aus, das KGV ist nicht halb so hoch. Zudem streckt die größte Elektroautomarke der Welt ihre Fühler ins Ausland aus. Die E-Taxis der Chinesen breiten sich rund um den Globus aus. Darüber hinaus testet der Konzern aktuell sein im Reich der Mitte erfolgreiches E-Bus-Konzept in Oslo. Spätestens 2020 will BYD seine Fahrzeuge in den USA verkaufen. Die Voraussetzungen für einen erfolgreichen Markteintritt sind gut. Die relativ günstigen Preise der chinesischen Modelle dürften BYD einen klaren Marktvorteil gegenüber der Konkurrenz verschaffen.



Auf Seite 3: Automobilindustrie auf einen Blick