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Der Aufschwung steht auf der Kippe - was Anleger jetzt tun sollten

Der Aufschwung steht auf der Kippe - was Anleger jetzt tun sollten

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13.06.2019 04:30:00

Zehn Jahre nach dem Ende der letzten großen Wirtschaftskrise häufen sich die Alarmsignale. Frühindikatoren zeigen, dass der Aufschwung auf der Kippe steht. Welche Branchen Anlegern jetzt die besten Chancen bieten. Von Sven Parplies und Klaus Schachinger, Euro am Sonntag

Ziemlich genau zehn Jahre ist es her: Die große Finanzkrise peitschte um den Globus. US-Präsident Barack Obama, erst wenige Monate im Amt, traf drastische Entscheidungen, bewahrte unter anderem die Autoindustrie des Landes durch Staatshilfen vor dem Zusammenbruch. Dennoch verloren 467.000 Amerikaner allein im Juni 2009 ihren Arbeitsplatz. Von Jobverlusten "weit ausgebreitet über die großen Industriesektoren" berichtete das Arbeitsministerium.

Heute weiß man: Der Juni 2009 war, nach volkswirtschaftlichen Kriterien, der Wendepunkt in der schlimmsten Wirtschaftskrise seit der großen Depression der 30er-Jahre - und der Start in einen historischen Aufschwung.

Jetzt stößt die US-Wirtschaft in un­erreichte Dimensionen vor. Seit 1854 hat es nach Berechnungen des National ­Bureau of Economic Research, eines ­renommierten Forschungsinstituts, 33 Aufschwungphasen gegeben. Die bisher längste Serie riss im März 2001 nach genau zehn Jahren. Hält der aktuelle Aufschwung noch über den Juni 2019 hinaus, so wird er für die USA der längste der modernen Wirtschaftsgeschichte.

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Wie weit also kann der Boom Wirtschaft und Aktienmärkte noch tragen? Australiens Wirtschaft zeigt seit 27 Jahren keine Ermüdungserscheinungen. Die letzte Krise der Eurozone liegt immerhin sechs Jahre zurück. Irgendwann aber geht jeder Boom einmal zu Ende. Schaut man sich Konjunkturdaten an, ist das Risiko einer Rezession spürbar gestiegen. Wieder spielt der amerikanische Präsident eine wichtige Rolle. Der von Donald Trump angefeuerte Handelskrieg der USA bremst schon jetzt die Weltwirtschaft. Dem Showdown mit China könnte eine Attacke auf die europäische Autoindustrie folgen. Fondsmanager sehen laut Umfrage der Bank of America Merrill Lynch einen Handelskrieg als die größte Gefahr für die Aktienmärkte, gefolgt von einer Abschwächung der chinesischen Wirtschaft und Turbulenzen in der US-Innenpolitik.

Für Europa ist die Lage kritischer als für die USA. Die große Finanzkrise hat in der Wirtschaft der Alten Welt tiefere Spuren hinterlassen. Zudem ist Europa stärker vom Welthandel abhängig als die USA mit ihrem gigantischen Binnenmarkt. Eine stärkere Abkühlung der chinesischen Konjunktur würde insbesondere Deutschland mit seinen stark auf den Export ausgerichteten Unternehmen zu spüren bekommen.

Börsianer versuchen stets, einen Schritt schneller zu sein als die Realwirtschaft. Manchmal gelingt das auch: Der Aufschwung der Aktienmärkte begann 2009 bereits im März, also gut drei Monate vor der Konjunkturwende. Hilfestellung bei der Suche nach dem richtigen Zeitpunkt geben Frühindikatoren. Die Privatbank M.M. Warburg hat einen Indikator entwickelt, in den rund 30 globale Frühindikatoren eingehen. Aus Deutschland ist unter anderem der Ifo-Geschäftsklima-Index vertreten, aus den USA wird etwa der Einkaufsmanagerindex ISM berücksichtigt. Das Bild ist eingetrübt. "Die Stimmungslage verschlechtert sich bereits sei einigen Monaten. Unser Konjunkturmodell steht an der Schwelle vom Abschwungmodus zur Rezession", berichtet Carsten Klude, Chefvolkswirt von M.M. Warburg.

Welche Konsequenzen hat das für ­Investoren? Warburg hat errechnet, wie gut sich Aktien aus den verschiedenen Branchen innerhalb eines Zyklus in der Vergangenheit geschlagen haben. Am besten laufen demnach in einer Rezessionsphase Nahrungsmittelhersteller. Der Mechanismus dahinter ist klar: Gegessen und getrunken wird schließlich immer. Darum schwankt das Geschäft von Unternehmen wie Nestlé nicht so stark wie die Gesamtwirtschaft. Das Gleiche gilt für die Produzenten von Konsumgütern.

Relativ gelassen können auch die ­Assekuranzen bleiben: Versicherungen zur Haftpflicht, gegen Unfallschäden oder auch für die Absicherung im Alter gehören zur Grundversorgung. Zwei andere klassisch defensive Sektoren - Pharma/Gesundheit und Telekom - zeigen ihre Stärken insbesondere in der Abschwungphase.

Eine Sonderstellung nehmen Technologiekonzerne ein. Seit der Jahrtausendwende haben sie ihre Macht massiv ausgebaut. Vor allem die amerikanischen Riesen wie Microsoft und Amazon sind zu Versorgern des digitalen Zeitalters geworden. Darum sollten sich die Aktien vieler Techfirmen nach Einschätzung der Redaktion im nächsten Abschwung deutlich besser schlagen als etwa in der großen Krise nach der Jahrtausendwende.

Wellblech-Konjunktur


Schwache Frühindikatoren bedeuten nicht zwingend, dass die Welt in eine Rezession stürzt. Gerade an der Börse können Stimmungen schnell drehen. Eine Entspannung im Handelsstreit etwa wäre ein klar positives Signal. Ein strukturell wichtiger Einflussfaktor bleiben die Notenbanken: Die Währungshüter in der westlichen Welt, insbesondere in Europa, halten die Zinsen niedrig und stützen damit die Wirtschaft: "Frühere Rezessionen sind oft durch ein Übersteuern der Geldpolitik ausgelöst worden. Diese Gefahr besteht aktuell nicht", erklärt Warburg-Experte Klude. Noch andere Faktoren zähmen den Zyklus: "Neben der expansiven Geldpolitik spielen auch die Digitalisierung, die Globalisierung und die Fiskalpolitik eine wichtige Rolle."

Einige Volkswirte vergleichen die Bewegungen der Wirtschaft in Zeiten niedriger Zinsen mit der Form eines Well­blechs: Phasen mit einem leicht schwächeren Wachstum wechseln sich ab mit Phasen, in denen die Wirtschaft leicht überdurchschnittlich expandiert. Für Aktionäre dürfte das auch weiterhin ein angenehmes Szenario sein, weil das Risiko extremer Einbrüche nicht groß ist.

Die jüngsten Signale der Frühindikatoren sprechen dennoch insgesamt dafür, ein Depot stärker auf defensive Branchen auszurichten. Die Redaktion stellt auf den kommenden Seiten aussichtsreiche Investments vor.



Investor-Info

Stimmung
Im Abwärtstrend


Das Ifo-Institut befragt monatlich rund 9.000 Unternehmen. Diese sollen ihre gegenwärtige Lage beurteilen und ihre Erwartungen für die nächsten sechs Monate einschätzen. Der Gesamtindex und die Teilkomponenten zeigen seit einigen Monaten nach unten. Die Erwartung hat sich im Mai zumindest stabilisiert.

Gewinne
Hoher Sockel


US-Unternehmen haben ihre Gewinne seit dem Wendejahr 2009 kräftig gesteigert. Nur 2015 gab es einen kleinen Rückgang. 2018 stiegen die Gewinne, angetrieben von Steuersenkungen, besonders deutlich. In diesem Jahr erwarten Analysten nur noch einen leichten Anstieg, aber keine Gewinnrezession.

Preisfrage
Moderat bewertet


Die Unternehmensgewinne sind auf lange Sicht der wichtigste Kurstreiber der Aktienmärkte. Nimmt man die von Analysten für die kommenden zwölf Monate erwarteten Gewinne, kommt der DAX aktuell auf ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von knapp über zwölf. Das entspricht ziemlich genau dem ­Median der vergangenen zehn Jahre.

Auf Seite 2: Gesundheitsbranche unter der Lupe


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