Von ICBC war zunächst keine Stellungnahme zu erhalten, die Deutsche Bank lehnte eine Stellungnahme ab.

Wegen einer Serie schlechter Nachrichten sind die Aktien der Deutschen Bank in den vergangenen Monaten schwer gebeutelt worden. Ende Juni fielen sie auf ein Rekordtief von 8,76 Euro, bevor sie sich etwas berappelten. Der Bericht über das vermeintliche Interesse der Konkurrenten beflügelte die Deutsche-Bank-Aktien, die um bis zu 6,3 Prozent auf ein Fünfeinhalb-Wochen-Hoch von 10,12 Euro stiegen. Auch nach dem Dementi von JP Morgan notierten die Titel noch fünf Prozent im Plus.

Die "Wirtschaftswoche" hatte berichtet, der unter 20 Milliarden Euro gesunkene Marktwert der Deutschen Bank habe die Konkurrenz auf den Plan gerufen. Da Frankfurt nach dem Brexit an Bedeutung gewinne, gäbe es bei der US-Investmentbank JPMorgan Gedankenspiele, womöglich bei der Deutschen Bank einzusteigen. Auch die ICBC habe Interesse. Die Konkurrenten aus den USA und China sind an der Börse deutlich mehr wert als die Deutsche Bank: JP Morgan bringt umgerechnet gut 300 Milliarden Euro auf die Waage, ICBC 280 Milliarden Euro.

REGIERUNGSSPRECHER - BERICHT ZU DEUTSCHER BANK SPEKULATIV



Die Bundesregierung wies den Bericht der "Wirtschaftswoche" über ein angebliches Gespräch von Kanzlerin Angela Merkel mit UBS-Verwaltungsratspräsident Axel Weber über die Deutsche Bank als spekulativ zurück. "Die Berichterstattung zu angeblichen Inhalten eines Gesprächs der Bundeskanzlerin mit Herrn Weber haben wir mit Erstaunen zur Kenntnis genommen", sagte Merkels Sprecher Steffen Seibert am Freitag in Berlin. "Das ist rein spekulativ und kann nicht bestätigt werden."

Die "Wirtschaftswoche" hatte in ihrem Artikel neben dem angeblichen Interesse von JP Morgan und ICBC auch berichtet, Merkel sorge sich um die Deutsche Bank und habe den Ex-Bundesbankpräsidenten Weber bei einem Treffen um eine Einschätzung zur Lage der Bank gebeten. Das Magazin berief sich auf Kreise der CDU-Landesregierung Nordrhein-Westfalens. Die UBS lehnte eine Stellungnahme ab.

Die Deutsche Bank hat in den vergangenen Monaten eine Serie von Rückschlägen einstecken müssen. Nach drei Jahren mit Verlusten in Folge im April tauschte das Geldhaus hastig den Chef aus. Der neue Chef Christian Sewing hat dem Institut eine Rosskur verordnet. Er will sich künftig stärker auf Deutschland und Europa konzentrieren und hat insbesondere in den USA und am Standort London zahlreiche Stellen im zuletzt schwächelnden Investmentbanking gestrichen. Doch viele Investoren sind skeptisch, ob der Strategieschwenk die Bank zurück in die Erfolgsspur bringen kann. Die Bank hat bereits erklärt, dass auch das zweite Quartal nicht gut gelaufen ist.

Rätselraten herrscht auch über die künftige Strategie des hochverschuldeten Deutsche-Bank-Großaktionärs HNA. Der Co-Verwaltungsratschef des chinesischen Mischkonzerns, Wang Jian, verunglückte am Dienstag tödlich. Wang galt als treibende Kraft hinter der 50 Milliarden Dollar schweren Einkaufstour, bei der HNA auch zum Großaktionär der Deutschen Bank aufstieg. Den Anteil an der Deutschen Bank verringerten die Chinesen kürzlich auf 7,6 Prozent.

rtr