"Es tut uns Deutschen gut, wenn ein deutsches Unternehmen es einmal schafft, in einer Schlüsselindustrie, in einer Hightech-Industrie, in den USA eine führende Rolle einzunehmen", sagte Telekom-Chef Höttges bei der Vorlage der Telekom-Jahreszahlen im Februar. Und tatsächlich schickt sich das einstige Sorgenkind der Bonner an, die Nummer Eins in den USA zu werden. Knapp zwei Jahre hat es gedauert, grünes Licht für den Zusammenschluss von T-Mobile US und Sprint zu erhalten. Nun kann der Angriff auf die beiden Branchenführer Verizon und AT&T beginnen.

Rund 140 Millionen Kunden sind nach eigenen Angaben bereits beim fusionierten Unternehmen, der Börsenwert von T-Mobile US kletterte zuletzt auf 120 Mrd. Dollar. Seit Jahresbeginn kletterte der Kurs um 25 Prozent, die Mitte Februar erreichte Rekordmarke bei gut 100 Dollar liegt in Reichweite. Gut für die Telekom, denn die Bonner halten 67 Prozent der Stimmrechte und 43 Prozent am fusionierten Unternehmen. Sprint-Großaktionär Softbank kommt auf 24 Prozent, der Rest geht an freie Aktionäre.

Hohe Kosten und Synergien


Operativ läuft es in Amerika ebenfalls rund. Zwar stagnierten im ersten Quartal die Erlöse, der Überschuss kletterte bei T-Mobile US aber um etwa fünf Prozent auf 951 Mio. Dollar. Nach Abzug von Kündigungen kamen 452.000 neue Telefonverträge hinzu, der Vorsprung von Verizon und AT&T schmilzt. Die Quartalszahlen lagen über den Erwartungen, eine Jahresprognose gab es allerdings nicht. Mit der Fusion trat auch der sehr erfolgreiche Chef der US-Mobilfunktochter, John Legere, zurück. Ab sofort wird Mike Sievert, der bisher für das Tagesgeschäft verantwortliche Geschäftsführer, die Marschroute vorgeben. Als Ziel für das zweite Quartal wurde ein bereinigtes Betriebsergebnis zwischen 6,2 bis 6,5 Mrd. Dollar ausgegeben. Fraglich bleibt dennoch, ob Sievert ähnlich gut wie der schillernde Legere neue Kunden begeistern wird.

Grundsätzlich läuft in den USA aber alles nach Plan. Zunächst stehen umfangreiche Investitionen für die Umrüstung der Sprint-Mobilfunkstationen an. Die Zusammenlegung des Netzes mit demjenigen von Sprint kostet früheren Angaben zufolge rund 15 Milliarden Dollar, weil die Telekom für die Dauer von anderthalb Jahren jede Woche 1000 Mobilfunkstationen umrüsten muss.

Am Ende sollen die jährlichen Kosten dafür aber um sechs Milliarden Dollar niedriger liegen als derzeit und "New T-Mobile" das beste 5G-Netz in den Staaten anbieten. Damit dürfte die US-Tochter als Wachstumsmotor des Gesamtkonzerns weiter an Dynamik gewinnen, zumal der 5G-Ausbau weltweit an Bedeutung gewinnt.

Barriere rückt näher


Angesichts der Schulden von satten 76 Mrd. Euro könnte so mancher Aktionär einen unruhigen Schlaf haben. Trotzdem besteht bisher kein Grund zur Sorge: Ähnlich wie bei der US-Tochter dürfte sich auch das Geschäft der Telekom trotz der Corona-Krise zuletzt solide entwickelt haben. Die Ergebnisse zum ersten Quartal berichtet der Konzern am Donnerstag. Auf dem Heimatmarkt wird die TV-Plattform Magenta fit gemacht für die Zukunft. Nachdem bereits Inhalte von Netflix und Sky im Paket sind, ist nun auch Disney+ am Start. Zudem sicherte sich die Telekom die Rechte an der Fußballeuropameisterschaft 2024 in Deutschland. Die Mindestdividende von 60 Cent je Aktie steht aber auch für 2019 nicht zur Diskussion. Am 19 Juni soll die virtuelle Hauptversammlung stattfinden, aktuell liegt die Rendite bei überdurchschnittlichen 4,2 Prozent.

Gut 30 Prozent hat die Aktie ausgehend vom Jahrestief im März wieder aufgeholt und zeigte somit eine ähnlich kräftige Gegenbewegung wie der DAX. Bis zum Vorkrisenniveau fehlen gut 20 Prozent. Aus technischer Sicht wird der Weg aber schwieriger, zwischen 14 bis 14,50 Euro verlaufen einige Verkaufsbereiche sowie die fallende 200-Tage-Linie (violett). Ein direkter Durchmarsch ist auch wegen der Überhitzung im kurzfristigen Bereich kaum zu erwarten. Im Aktien-Rating von Index Radar lautet die Einschätzung daher "Halten". Rücksetzer in den Bereich um 12 bis 12,80 Euro bieten sich aber als Nachkaufgelegenheit an.

Franz-Georg Wenner ist Chefredakteur des börsentäglichen Anlegermagazins "Index-Radar". Der Spezialist für Technische Analyse ist regelmäßiger Gast bei n-tv und dem Verein Technischer Analysten Deutschlands (VTAD). Bei BÖRSE ONLINE war er sechs Jahre Online-Koordinator und Redakteur mit den Schwerpunkten Nebenwerte Deutschland, Zertifikate und Technische Analyse.
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