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Die Scheinriesen: Welche DAX-Konzerne die größten Risiken in den Büchern haben

Die Scheinriesen: Welche DAX-Konzerne die größten Risiken in den Büchern haben

WKN: 750000 ISIN: DE0007500001 thyssenkrupp AG

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11.08.2020 - 19:51
31.08.2019 05:10:00

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Goodwill-Blase. Eine Schuldenfalle, die oft unterschätzt wird, ist die Abschreibung von vermeintlichen Vermögenswerten wie dem Goodwill oder Geschäfts- und Firmenwert. Sie verringern das Eigenkapital. "Das kann leicht zur bilanziellen Überschuldung führen, wenn die Eigenkapitaldecke dünn ist", erklärt Thorsten Sellhorn das Problem. Wann Abschreibungen auf den Goodwill anfallen, lässt sich schwer voraussagen, weil Unternehmen hier einen gewissen Spielraum ­haben.

Goodwill entsteht, wenn Unternehmen bei einer Übernahme mehr bezahlen als den Substanzwert der zugekauften Firma. Der Mehrwert lässt sich etwa durch potenzielle Synergien oder den Zugang zu einem vielversprechenden Markt begründen. In der Bilanz wird er auf der Habenseite als Vermögen verbucht. Ob sich der erhoffte Mehrwert ­tatsächlich realisieren lässt oder nicht, zeigt sich oft erst Jahre später. Denn anders als früher muss der Goodwill nicht mehr innerhalb von zehn bis 15 Jahren abgeschrieben werden.

Die meisten Konzerne nutzen den Spielraum und haben Geschäfts- und Firmenwerte in Milliardenhöhe angehäuft. Bei den 30 DAX-Unternehmen summiert sich der Goodwill nach €uro-Berech­nungen auf 278 Milliarden Euro. Die Vermögensverwaltung Flossbach von Storch warnte deshalb bereits 2015 vor einer "Goodwill-Blase". Auch €uro hat schon mehrfach auf das Milliardenrisiko hin­gewiesen.

Denn die niedrigen Zinsen der vergangenen Jahre haben viele Unternehmen dazu verleitet, Schulden aufzunehmen und teure Übernahmen einzufädeln. Dies gilt insbesondere für den Chemie- und Pharmakonzern Bayer, der für fast 60 Milliarden Euro den US-Saatgutspezialisten Monsanto gekauft hat (siehe Kasten Seite 28). In seiner Bilanz weist der Konzern einen Goodwill von 38,1 Milliarden aus. Fast zwei Drittel davon stammen aus der Monsanto-Übernahme.

Auch Fresenius, Linde, SAP, Siemens und Volkswagen bilanzieren Geschäfts- und Firmenwerte von mehr als 20 Milliarden Euro. Besonders heikel ist dabei, wenn der Goodwill im Vergleich zum Eigenkapital besonders hoch ausfällt. Denn Abschreibungen auf den Vermögenswert fressen die Kapitalpuffer auf. Auffällig ist hier neben den bereits genannten Unternehmen die Deutsche Post, HeidelbergCement, Henkel und Merck. Bei dem Chemiekonzern nehmen die Risiken zudem durch den geplanten Kauf des US-Unternehmens Versum für 6,5 Milliarden US-Dollar noch einmal beträchtlich zu. Beim Gesundheitskonzern Fresenius übersteigt der Goodwill sogar das Eigenkapital. Hier schlägt sich nieder, dass der Konzern in den vergangenen Jahren vor allem durch (teure) Übernahmen gewachsen ist. Aus Anlegersicht ist Skepsis dabei durchaus angebracht.

Dass sich selbst professionelle Investoren manchmal blenden lassen, musste Warren Buffett im Februar schmerzlich erfahren: Eines seiner Lieblingsunternehmen, der US-Konsumgüterkonzern Kraft Heinz, hatte im vergangenen ­Geschäftsjahr sage und schreibe 7,3 Milliarden US-Dollar Goodwill abgeschrieben. Der Kurs der Aktie brach ein und bescherte Buffetts Investmentgesellschaft Berkshire Hathaway einen (zeitweiligen) Buchverlust von 4,3 Milliarden US-Dollar. Dabei stammt von Buffett die Börsenweisheit, die auch beim Thema Goodwill zutrifft: "Erst wenn die Ebbe kommt, sieht man, wer ohne Badehose schwimmen war."

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Bildquelle: Pawel Kopczynski/Reuters

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