Die Société Générale hat ihr neues Strategie-Papier veröffentlicht. Darin heißt es als zentrale Annahme, dass es danach aussehe, als ob sich Europa innerhalb von nur wenigen Monaten von bisherigen wichtigen Glaubensgrundsätzen verabschiedet habe. Demnach haben sich die politisch Verantwortlichen offenbar von der bisher dogmatischen Denkweise verabschiedet, wonach die Einhaltung von Verschuldungs- und Defizit-Niveaus die einzigen von den Regierungen zu überwachenden Messgrößen waren. Stattdessen sehe die Politik jetzt ihre Aufgabe offensichtlich darin, Europa mit fiskalischen Mitteln unter die Arme zu greifen, zudem habe man die (teilweise) gegenseitige Schuldenaufnahme vereinbart und verfolge einen langfristigen Strategieplan zur Rettung des Planeten vor der globalen Erwärmung.

Auch auf der Ebene der Sektoren habe sich zuletzt einiges getan. So gebe es innerhalb der Branchen mehr Unternehmen mit Wachstum und mehr Gesellschaft mit qualitativ hochwertigen Namen. Etwas abgenommen hätten auch die strukturell herausgeforderten Branchen wie Energie, Banken und Telekommunikation. Diese neue Version des europäischen Aktienmarktes dürfte in den Augen globaler Anleger viel attraktiver sein als die bisherige Version. Aus der Sicht der Strategen der Société Générale führt das zu einem perfekten Timing, weil die Anleger über viel Barmittel verfügten, die sie investieren könnten.

Wie es weiter heißt, dürfte die Neugewichtung der Sektoren innerhalb des europäischen Aktienmarktes die Rentabilitäts- und Wachstumserwartungen strukturell erhöhen und die Dividendenrenditen niedriger als im letzten Jahrzehnt ausfallen lassen. Das habe auch damit zu tun, dass Wachstumsunternehmen tendenziell mehr Cash in ihr zukünftiges Wachstum (F&E, Investitionen, Übernahmen, Aktienrückkäufe usw.) reinvestieren, während nicht wachsende Unternehmen tendenziell hohe Dividendenrenditen bieten würden.

Der Kreditzyklus dürfte einige Unternehmen auch dazu zwingen, ihre Aktionärsrenditen zu senken, um ihre Bilanzen zu stärken. Die Société Générale geht davon aus, dass die Kreditausfallrate Mitte 2021 ansteigen wird, insbesondere in den USA, sofern die fiskalische Unterstützung auslaufen sollte und dann sollten sich auch die Anleihe-Spreads ausweiten.

Die Umsetzung des europäischen "Green Deals" werde nun für Investoren konkret, indem die Regierungen ihre Haushalte bekannt geben (siehe zum Beispiel Frankreich). Dies könnte den bereits deutlich gestiegenen hauseigenen europäischen Green-Deal-Aktienkorb weiter anschieben. Als ein weiterer wichtiger Kurstreiber könnte sich ein Erfolg der klinischen Forschung an einem COVID-19-Impfstoff erweisen. Die Analysten raten den Kunden dazu, das damit verbundene Potenzial mit dem so genannten "Fallen Angels"-Aktienkorb zu spielen, der sich aus hochwertigen Namen zusammensetzt, die von den durch das Coronavirus ausgelösten Marktturbulenzen besonders in Mitleidenschaft gezogen wurden.

Schließlich sind die Analysten auch noch der Meinung, dass die US-Präsidentschaftswahlen die Stimmung in der europäischen Pharmaindustrie möglicherweise beeinträchtigen, aber auch infrastrukturbezogenen Sektoren wie dem Bau- und Materialsektor Auftrieb geben könnten. Losgelöst davon traut man dem derzeit bei 373 Punkten handelnden STOXX 600 Index bis Ende 2022 einen Anstieg auf 430 Zähler zu. Mit dem DAX soll es geleichzeitig von derzeit 13,255 Punkten bis auf 15.000 Zähler nach oben gehen.

Auch basierend auf den zuvor skizzierten Überlegungen kam es ansonsten noch zu einigen Veränderungen bei der Zusammensetzung der Premium-Liste. Nicht mehr enthalten darin sind nunmehr die Aktien von DNB, Heineken, RWE und Thales, die aber allesamt weiter mit Kaufen eingestuft sind. Neu aufgenommen in die Auswahlliste mit den europäischen Top-Empfehlungen hat man dagegen fünf Titel, die wir nachfolgend näher vorstellen.

Saint Gobain-Aktie



Einer von wie erwähnt fünf Neuzugängen in der Premium-Liste der Société Générale heißt Saint Gobain. Bei dem französischen Industriekonzern geht eine aktuelle Notiz von 36,52 Euro mit einem Kursziel von 41,00 Euro einher. Das heißt, man traut dem im französischen Leitindex CAC 40 enthaltenen Wert einen Anstieg von 12,3 Prozent zu.

Nachdem es für das Geschäftsjahr 2019 keine Dividende gab, soll laut dem zuständigen Analysten Xavier Marchand für 2020 wieder eine Ausschüttung von 0,80 Euro je Aktie an die Anteilseigner fließen. Zu den erwarteten Kursgewinnen käme somit auch noch eine Rendite von 2,19 Prozent hinzu. Für 2021 und 2022 rechnet der Analyst außerdem mit steigenden Zahlungen von 1,10 Euro bzw. von 1,30 Euro je Aktie.

Die Einstufung für den Titel hat man übrigens erst jüngst am 07. September von zuvor Halten auf nunmehr Kaufen erhöht. Gleichzeitig ging es mit dem Kursziel von 35,00 Euro auf die zuvor erwähnte 41,00 Euro nach oben.

Ergänzend zu dem neuen Anlageurteil hieß es, die hauseigenen Prognosen für das EBIT im zweiten Halbjahr lägen um 13 Prozent über der Konsensvorhersage- Zu erklären sei das mit erwarteten stabilen Volumina und anhaltenden Vorteilen aus Kosteneinsparungen.

Mit Blick auf das Geschäftsjahr 2021 betrachten man Saint Gobain als die einzige "Value"-Aktie, die man in dem Bereich abdecke, wobei es ein nur begrenztes Risiko mit Blick auf die Erfüllung der aktuellen Konsens-Gewinnprognosen gebe. Zudem kommt man in der Analyse des Titels zu der Ansicht, dass das Potenzial, das der "Green Deal" der Europäischen Union beinhaltet, im Aktienkurs noch nicht richtig eingepreist ist.

Den Gewinn je Aktie sieht man in diesem Jahr von 3,53 Euro auf 2,45 Euro fallen. 2021 sollen daraus dann wieder höhere 3,03 Euro werden und 2022 sogar 3,51 Euro. Auf Basis der Schätzungen für das kommende Jahr ergebe sich ein KGV, das unter dem früheren Durchschnittsniveau liege.

Ergänzend zum Green Deal führt man noch folgendes aus: Während die Gebäuderenovierung in der EU rund 25 Prozent des Gruppenumsatzes ausmachten, schätzt Marchand, dass rund zehn Prozent des Gruppenumsatzes spezifischer dem Segment der Energieeffizienz ausgesetzt seien, was zwar weniger ist als bei darauf fokussierten Akteuren sei. Weil das Wachstum im Vertriebssegment jedoch nur sehr geringe zusätzliche Investitionen und Fixkosten erfordere, dürfte das Wertschöpfungspotenzial durch den "Green Deal" bei Saint Gobain aber ähnlich groß ausfallen.

Charttechnik



Außer Spesen nichts gewesen - so lautet bei Saint Gobain zumindest beim reinen Blick auf die langfristige Kursentwicklung (unter Ausklammerung der Dividenden) das Fazit. Denn der Titel kostet derzeit nicht mehr als bereits m Jahr 1997. Und das, obwohl sich der Titel nach dem Absturz im Zuge der allgemeinen Coronavirus-Baisse bis auf 17,94 Euro seit März mehr als verdoppelt hat. Immerhin: Der seitdem aufgebaute Aufwärtstrend ist angesichts von frisch markierter Zwischenhochs intakt, was zunächst die Chance auf weiter steigende Notierungen eröffnet. Das früher typische Kursverhalten macht es bei einer Wiederholung der Geschichte aber Wahrscheinlichkeit, dass es früher oder später wieder zu einem Rücksetzer kommt.



Profil



Compagnie de Saint-Gobain SA ist ein internationaler Materialproduzent für die Bau- und Renovierungsindustrie sowie den Automobil- und Haushaltsmarkt. Zu dem umfangreichen Produktangebot des Unternehmens gehören Flachglas, Gips, Isolationsprodukte, Rohrleitungen, Baumaterialien wie Ziegel und Schindel sowie Glasverpackungen. Das Unternehmen bedient Großkunden, mittlere und Kleinunternehmen, Spezialisten und Endkunden mit einem Netzwerk von über mehreren Tausend Verkaufsstandorten und ist weltweit in über 60 Ländern vertreten.

Nokia-Aktie



Den Aufstieg in die Premium-Liste der Société Générale ebenfalls geschafft haben die Aktien von Nokia. Bei dem finnischen Telekommunikationskonzern geht eine Kaufempfehlung mit einem Kursziel von 4,80 Euro einher. Das heißt, bei einer aktuellen Notiz von 3,514 Euro besteht hier theoretisch die Chance auf einen Anstieg von 36,6 Prozent.

Aus der Sicht des verantwortlichen Analysten Aleksander Peterc hat Nokia Ende Juli bei der Vorlage von Geschäftszahlen an den meisten Fronten für eine positive Überraschung beim Ergebnis für das zweite Quartal gesorgt. Damit habe es das Unternehmen zum dritten Mal in Folge beim Quartalsbericht geschafft, die Konsenserwartungen zu schlagen.

Zurückzuführen sei das auf eine Erholung der Gewinnspannen im Netzbereich, was letztlich eine saubere Abkehr von den erratischen Gewinntrends der beiden Vorjahre zu sein scheine, die im dritten Quartal 2019 in einer hässlichen Gewinnwarnung gipfelten. Während sich einige der zuletzt positiven Effekte im Geschäfts-Mix in den kommenden Quartalen teilweise umkehren könnten, scheine die geschäftliche Erholung bei Nokia insgesamt Wurzeln zu schlagen.

Dafür spreche auch die vorsichtige Anhebung der Prognosen für 2020 durch das Management, einschließlich einer Anhebung der Margenprognose um 50 Basispunkte, die auf Konzernebene nun bei 9,5 Prozent liege. Vor diesem Hintergrund habe man den auf Basis einer abgezinsten Cashflow-Berechnungsmethode ermittelte Zielkurs von 4,10 Euro auf 4,8 Euro erhöht, hieß es am 31. Juli. Neben einer verbesserten operativen Leistung habe das auch mit einer niedrigeren Aktienrisikoprämie zu tun.

Den Schätzungen zufolge soll sich der Gewinn je Aktie in diesem Jahr von 0,22 Euro auf 0,24 Euro verbessern. Die Vorhersagen für die beiden kommenden Jahre betragen 0,29 Euro bzw. 0,33 Euro. Auf letztgenannter Basis ergibt sich ein geschätztes KGV von 10,65. Für Peterc ist Nokia sowohl im relativen Branchenvergleich als auch gemessen an der eigenen früheren Historie zu niedrige bewertet.

Bei der Dividende geht die Société Générale für 2020 von einer Wiederaufnahme der Zahlung in Höhe von 0,13 Euro je Anteilsschein aus. Für 2021 und 2022 sollen dann 0,16 Euro bzw. 0,8 Euro fließen. Damit würde der Titel auch als Dividendenbringer im Niedrigzinsumfeld wieder interessant.

Charttechnik



Die Aktien von Nokia waren von Oktober 1992 bis Mai 2000 ein echter Star an der Börse. Das erklärt sich damit, dass die Notiz damals von 0,06 Euro auf 65,20 Euro nach oben geschossen ist. Anschließend ging es allerdings jahrelang immer weiter nach unten und für die vergangenen Jahre ist maximal ein Seitwärtstrend zu konstatieren. Streng genommen bewegt sich der Titel aber seit April 2015 sogar wieder in einem flachen Abwärtstrend und noch ist daraus kein Ausbruch nach oben in Sicht.



Profil



Die Nokia Corporation ist ein finnischer Telekommunikationskonzern und einer der führenden Anbieter von Systemen und Produkten in der globalen Kommunikationsindustrie. Das Unternehmen verfügt über eine breite Produktpalette und bietet eine Vielfalt unterschiedlicher Anwenderprodukte für die Bereiche Musik, Navigation, Video, TV, Games, Fotografie und Telekommunikation an. Hinzu kommen verschiedene Produkte aus dem Bereich Netzwerktechnologie, die in Fertigungsstätten in China, Finnland, Deutschland und Indien hergestellt werden.

Neben unterschiedlichsten Mobiltelefonen und Smartphones vertreibt der Konzern Originalzubehör und bietet über einen eigenen Online-Shop Inhalte und Apps zum Download. 2014 wurde die gesamte Handysparte an Micorosft verkauft, da sich der Konzern zukünftig mehr auf das Netzwerkgeschäft konzentrieren will. 2013 wurde bereits das ehemalige Joint Venture Nokia Siemens Networks komplett von Nokia übernommen. Dort wird für internationalen Kunden Telekommunikationsinfrastruktur sowie die entsprechende Hardware, Software und Dienstleistungen entwickelt. Außerdem will Nokia den französischen Telekommunikationsausrüster Alcatel-Lucent übernehmen.

ASML-Aktie



Zu den in der Premium-Liste erhaltenen europäischen Topfavoriten der Société Générale gehören neuerdings auch die Anteilsscheine von ASML. Die Kaufempfehlung für den Anbieter von Lithographie-Systemen für die Halbleiterindustrie ist mit einem Kursziel von 405,00 Euro versehen. Eine Vorgabe, die gemessen am aktuellen Kurs von 312,40 Euro ein Aufwärtspotenzial von fast 30 Prozent birgt. .

Für den zuständigen Ansalysten Aleksander Peterc verzeichneten die Verkäufe von ASML im zweiten Quartal einen starken Aufwärtstrend gegenüber dem schwachen ersten Quartal. Aber mit plus 36 % erreichte das Umsatzwachstum nicht die Rate von 50 Prozent, die das Unternehmen nach eigenen Angaben hätte erreichen können, wenn alles gut gelaufen wäre.

Wie im 1. Quartal mussten aber zwei EUV-Systeme ohne abschließende Abnahmetests ausgeliefert werden, wobei die damit verbundene Umsatzrealisierung auf das zweite Halbjahr 220 verschoben wurde. Die Brutto- und EBIT-Margen von ASML seien stark ausgefallen und hätten leicht über den Erwartungen gelegen.

Mit verbesserter Sichtbarkeit und gelösten COVID-bezogenen Logistikproblemen habe der Vorstand für das dritte Quartal mit 3,6 bis 3,8 Milliarden Euro eine Umsatzprognose abgegeben, die den Fehlschlag im zweiten Quartal vollständig ausgleichen würde und 13 Prozent über dem Mittelwert des Analystenkonsenses gelegen habe.

Auch habe das Unternehmen die Prognose für das Gesamtjahr wieder in Kraft gesetzt. Diese gehen von Umsätzen von rund 13,1-13,2 Milliarden Euro aus, wobei das Wachstum 2021 anhalten sollte. Der Auftragseingang sei nach zwei starken Quartalen zuletzt etwas geringer ausgefallen, dürfte sich aber im zweiten Halbjahr wieder erholen, so das Urteil. Dabei dürften die EUV-Kapazitäten von ASML bis zum Jahresende voraussichtlich voll ausgebucht sein.

In Reaktion auf das Zahlenwerk zum zweiten Quartal erhöhte Peterc sein Kursziel um 35 Prozent, da die stark verbesserten Bedingungen auf dem Aktienmarkt (die gewichteten durchschnittlichen Kapitalkosten fielen von 8,5 Prozent auf 7,1 Prozent) die moderat gekürzten Ergebniskürzungen praktisch ausgeglichen hätten.

Die Prognosereihe zum Gewinn je Aktie von 2020 bis 2022 gestaltet sich folgendermaßen: 7,27 Euro, 10,60 Euro und 12,90 Euro, nach 6,15 Euro im Vorjahr. Auf letztgenannter Basis ergibt sich damit ein geschätztes KGV von 24,2. In Sachen Dividende rechnet man für 2020 mit einer Zahlung von 2,55 Euro je Aktie nach 2,40 Euro für das Vorjahr. Den Vorhersagen zufolge sollen den Aktionären für die beiden kommenden Geschäftsjahre dann 3,70 Euro bzw. 4,52 Euro je Anteilsschein zukommen.

Charttechnik



Der Langfrist-Chart von ASML kein sich sehen lassen. Denn letztlich geht es hier schon seit September 1996 nach oben mit den Notierungen. Konkret reicht es in der Spitze zu einem Anstieg bis auf 353,50 Euro, wobei dieses letztgenannte Schlussrekordhoch vom 13. Juli 2000 stammt. Zuletzt hat der Titel zwar etwas korrigiert, der langfristige Aufwärtstrend ist aber völlig intakt, so dass sich eine weiterhin günstige charttechnische Ausgangslage ergibt.



Profil



ASML Holding N.V. ist in der Herstellung von Hightech-Systemen für die Halbleiterindustrie international tätig. Angeboten werden Lithographie-Systeme, die vor allem für die Fertigung von komplexen integrierten Schaltkreisen (ICs oder Chips) eingesetzt werden. Als einer der weltweit führenden Hersteller von Halbleiter-Equipments ist der Konzern im Entwurf, der Entwicklung, der Produktion und der Vermarktung aktiv und bietet ergänzend die dazugehörigen Dienstleistungen an.

Der Kundenkreis umfasst die weltweit größten Halbleiterhersteller. Darüber hinaus werden optische Bauteile und Systeme gefertigt für die Anwendung bei der Herstellung asphärischer Produkte wie Linsen und Spiegel sowie bei präzisen Messinstrumenten. Produktionsbetriebe sowie Forschungs- und Entwicklungseinrichtungen befinden sich in den USA, Taiwan, Korea, China und in den Niederlanden. Weltweit ist der Konzern an über 60 Standorten in 16 Ländern präsent. ASML Holding N.V. wurde 1984 gegründet und hat seinen Hauptsitz in Veldhoven, Holland.

EON-Aktie



Ein Bestandteil der Premium-Liste der Société Générale sind neuerdings auch die Aktien von EON. Die Aktien des deutschen Versorgers können laut der französischen Großbank bis auf 12,60 Euro steigen. Das heißt, gemessen an der aktuellen Notiz von 9,85 Euro hätte der DAX-Vertreter im Falle einer Zielerreichung rund 28 Prozent Luft nach oben.

Dieser Mitfavorit profitierte im ersten Halbjahr wie erwartet deutlich vom Vollzug der Innogy-Transaktion. Dabei verbuchte der Energiekonzern bei einer Umsatzsteigerung von 90 Prozent auf 30,503 Milliarden Euro eine Verbesserung beim bereinigten EBIT gegenüber dem Vorjahr von 26 Prozent auf 2,162 Milliarden Euro.

Die leichte Herabsenkung der Jahresergebnisprognosen um 200 Millionen Euro begründete der Vorstand mit der COVID-19-Pandemie. Am Markt konnte man mit dieser Anpassung leben, zumal die Verantwortlichen gleichzeitig die bestehenden Mittelfrist- und Dividendenziele bis 2022 bestätigten.

Bei der Société Générale hat der zuständige Analyst Lüder Schumacher das oben genannte Kursziel nach der jüngsten Zahlenvorlage unverändert gelassen. Beim Umsatz geht er von 2019 bis 2022 von einem Anstieg von 51,496 Milliarden Euro auf 55,011 Milliarden Euro aus.

Den Gewinn je Aktie sieht er in diesem Jahr von 0,63 Euro auf 0,65 Euro je Aktie steigen. Die Prognosen für 2021 und 2022 sehen beim Ergebnis je Anteilsschein dann weitere Verbesserungen auf 0,73 Euro bzw. auf 0,86 Euro vor. Auf letztgenannter Basis ergibt sich ein geschätztes KGV von 11,45.

Bei der Dividende setzt Schumacher darauf, dass der Ausschüttungssatz von zuletzt 0,46 Euro je Aktie in den drei Geschäftsjahren bis 2022 um jeweils 0,02 Euro bis auf 0,52 Euro am Ende des genannten Zeitraums erhöht wird. Auf dieser Basis winken Renditen von 4,87 Prozent bis 5,28 Prozent.

Charttechnik



Im Zuge einer ausgeprägten Baisse verlor der Aktienkurs von EON von Januar 2008 bis November 2016 sogar mehr, als er zuvor seit 2003 zugelegt hatte. Der langfristige Abwärtstrend ist zwar gestoppt, dafür hat sich aber in den vergangenen gut drei Jahren ein Seitwärtstrend herausgebildet, der sich hartnäckig hält. Wirklich nachhaltig aufhellen würde sich das Chartbild erst bei einem Sprung über das Zwischenhoch von 11,48 Euro vom Februar 2020.



Profil



Die E.ON SE ist eines der weltweit größten privaten Energieunternehmen. Zur Stromerzeugung werden regenerative und konventionelle Ressourcen genutzt. Daneben ist E.ON auch in der Erdgasförderung, im Strom- und Gashandel sowie im Netzausbau und Vertrieb tätig. Im Bereich erneuerbare Energien gehört E.ON zu einem der weltweit führenden Unternehmen und nutzt Wasser- und Windkraft, Biomasse und Solarenergie. Eine sichere und zuverlässige Stromübertragung ist über die jeweiligen Regionalversorger gewährleistet. Im Bereich Erdgas wird durch E.ON die gesamte Wertschöpfungskette abgedeckt. Die Gasförderung sowie die internationale Beschaffung, der Großhandel und der Vertrieb an industrielle Großkunden laufen über E.ON Ruhrgas, der Vertrieb an Endkunden wird von konzerneigenen Market Units übernommen.

Insgesamt hat das Unternehmen Produktionsstandorte in Europa, Nordamerika und Russland und führt zusätzlich zusammen mit Partnern Geschäfte in Brasilien und der Türkei. Seit Herbst 2016 konzentriert sich E.ON auf die Bereiche Erneuerbare Energien, Energienetze und Kundenlösungen. Das Kerngeschäft der konventionellen Ennergieerzeugung wird seither vom abgespaltenen Unternehmen Uniper durchgeführt. 2018 wurden die Anteile an der abgespaltenen Uniper an den finnischen Versorger Fortum verkauft. E.ON steht vor der Übernahme des Versorgers innogy. Dabei sollen die Verteilnetze des Versorgers an E.ON übergehen; im Tausch dafür erhält der Konkurrent RWE, Haupt-Anteilseigner der innogy, das Geschäft um Erneuerbare Energien beider Unternehmen. Im Juni 2020 wurde die Verschmelzung von innogy mit E.ON abgeshlossen.

Siemens Gamesa-Aktie



Beim fünften und letzten Aufsteiger in die Premium-Liste der Société Générale handelt es sich um Siemens Gamesa. Die Kaufempfehlung für den Hersteller von Windkraftanlagen mit Sitz in Spanien ist mit einem Kursziel von 28,00 Euro versehen. Eine Vorgabe, die um 21,5 Prozent über der aktuellen Notiz von 23,04 Euro liegt.

Seine Zielvorgabe hatte der zuständige Analyst Rajesh Singla am 20. August kräftig von zuvor 15,00 Euro erhöht und dabei gleichzeitig das Anlageurteil von bisher Halten angehoben. Er begründete diese Schritte mit der besseren Sichtbarkeit des langfristigen Wachstumspotenzials.

In die neuen Vorgaben seien der voraussichtliche Green Deal der EU eingeflossen, die vorgeschlagene Verlängerung der Steuervergünstigungen für die Branche in den USA eingeflossen sowie die Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit der Offshore-Windenergie. Als Ergebnis ergebe sich so für den Zeitraum 2020 bis 2030 eine durchschnittliche jährliche Wachstumsraten bei den globalen Offshore-Installationen außerhalb Chinas von 22 Prozent.

Mit dem erneuten Fokus der Gesellschaft auf die Wiederbelebung der Onshore-Windenergie und die Stärkung der Dominanz im Offshore- und Dienstleistungssegment gehe man beim EBITA für die Jahre 2021-2025 von einem Anstieg von im Schnitt 30 Prozent p.a. aus. Wegen des stärkeren Offshore-Potenzials sei der Titel gegenüber dem Konkurrenten Vestas derzeit vorzuziehen.

Mit der abgegebenen EBITA-Prognose für 2021 habe das Unternehmen jüngst zwar enttäuscht, aber Singla zeigte sich bereits dazu, das zu tolerieren und sich stattdessen auf die aus seiner Sicht nach wie vor intakten guten langfristigen Wachstumsaussichten zu fokussieren.

Seine Gewinnschätzung für 2021 beträgt 0,529 Euro je Aktie und für 2022 dann 0,863 Euro je Anteilsschein. Auf letztgenannter Basis ergibt sich ein geschätztes KGV von 26,7. Bei der Dividende kalkuliert er für 2021 wieder mit einer Zahlung von 0,04 Euro je Aktie und für 2022 mit einer Ausschüttung von 0,13 Euro je Anteilsschein.

Charttechnik



Die Aktien von Siemens Gamesa haben schon alle Höhen und Tiefen eines Börsen-Daseins mitgemacht. So fiel die Notiz etwa von November 2007 bis Juli 2012 von 1,01 Euro auf 36,30 Euro, nur um dann bis April 2017 wieder auf über 22,00 Euro zu steigen. Danach folgte dann wieder eine Korrektur. Diese fiel aber weniger ausgeprägt aus und am 26. August 2020 ist es dem Titel sogar gelungen, it 23,26 Euro ein neues Zwischenhoch zu markieren. Das damit verbundene Ausbruchssignal nach oben gilt es jetzt zu bestätigen und wenn das gelingt, würde sich das Chartbild viel versprechend gestalten.



Profil



Siemens Gamesa Renewable Energy S.A. (ehemals Gamesa Corporación Tecnológica S.A.) ist im Bereich nachhaltiger Energielösungen mit Fokus auf Windenergie international tätig. Die Geschäftsaktivitäten untergliedern sich in Windkraftanlagen, Betrieb und Wartung und Technologische Diversifizierung. Mit Produktionsstätten in Europa, Indien, Brasilien und China ist das Unternehmen einer der größten Hersteller von Windkraftanlagen weltweit mit über 35.000 MW installierter Leistung. Darüber hinaus wurden bereits Windparks mit einer Leistung von über 7.000 MW fertiggestellt.

Im Weiteren bietet die Gesellschaft mit ihrem O& M Service umfangreiche Dienstleistungen und Einrichtungen wie beispielsweise weltweite Operating-Center für den Betrieb, die Instandhaltung und die Optimierung der Verfügbarkeit und die Maximierung der Energieproduktion der Windkraftanlagen, Web-Portal für die Kunden, Logistiknetzwerk für Ersatzteile, Wartungsdienstleistungen wie auch die CCS Schule (Commercial, Construction, Services) an. Ausserdem ist die Gruppe in der Entwicklung elektrischer und mechanischer Anlagen für die Energieerzeugung tätig. Die Gesellschaft wurde 1976 gegründet und hat seinen Hauptsitz in Zamudio, Spanien. Im April 2017 fusionierte Gamesa mit dem Bereich Windenergie von Siemens.