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Griechenland: Neue Sorgen, alte Probleme

Griechenland: Neue Sorgen, alte Probleme

WKN: 934398 ISIN: GRS393503008 Mytilineos Holdings S.A.

09.02.2019 02:10:00

Premier Tsipras muss bis zur Wahl im Herbst mit einer Minderheitsregierung klarkommen. Zum Verdruss der EU - und der Börsianer - hält er sich auch nicht an alle Auflagen. Wie es weitergeht. Von Martin Blümel

Er ist mit einem blauen Auge davongekommen: Der griechische Premier Alexis Tsipras hat vor Kurzem das von ihm initiierte Vertrauensvotum im Parlament mit 151 gegen 148 Stimmen für sich entschieden - dank einiger Oppositionspolitiker. Nötig war das Votum geworden, weil die Regierungskoalition wegen des Namensstreits um Mazedonien geplatzt war.



Bis zum Ende der Legislaturperiode im September will Tsipras als Chef einer Minderheitsregierung durchhalten. Seine Wiederwahl im Herbst ist - Stand jetzt - eher unwahrscheinlich. In Umfragen hinkt er hinterher, die größte Oppositionspartei, die konservative Nea Dimokratia, hat deutlich mehr Zuspruch.


Um die Wähler günstiger zu stimmen, verteilt der Premier daher "Geschenke". So wurde eine Art Weihnachtsgeld an Bedürftige ausbezahlt, und die eigentlich geplanten Rentenkürzungen sowie die partielle Erhöhung der Mehrwertsteuer abgesagt. Außerdem soll der Mindestlohn steigen und Tausende Stellen im Staatsdienst neu besetzt werden.

Es ist nicht das erste Mal, dass Tsipras Reformen zurückgedreht hat, die ihm die EU aufgetragen hatte. Manch einer meint, Griechenland befinde sich deswegen bereits wieder auf dem Weg ins nächste Hilfspaket. Am Kapitalmarkt scheint das noch keine große Rolle zu spielen. Um eine fünfjährige Anleihe mit einer Rendite von rund 3,6 Prozent, die das Land Anfang dieser Woche auflegte, balgten sich die Investoren regelrecht. Allerdings war das nur ein Testballon, größere Volumina stehen noch aus. Die Rendite für zehnjährige Griechenland-Anleihen liegt bei über vier Prozent, deutlich mehr als in allen anderen Euroländern. Optimisten halten sich daran fest, dass es im November mit 4,6 Prozent noch viel schlimmer war.

Am Aktienmarkt ist die Unsicherheit eher greifbar. Nachdem der Index der 25 größten Unternehmen, der Athex Large Cap, im Januar des vergangenen Jahres noch auf den höchsten Stand seit 2016 geklettert war, ging es bergab. Hauptgrund waren - erneut - die erschreckend schwachen Banken. Piräus Bank verlor seither über 80 Prozent, National Bank of Greece über 70 Prozent und Alpha Bank mehr als 50 Prozent.



Auf Seite 2: Das Positive am Trauerspiel






Das Positive am Trauerspiel:

Der lange extrem dominante Finanzdienstleistungssektor ist im Athex-Index mit einer Gewichtung von jetzt nur noch 17,7 Prozent auf ein vernünftiges Maß zurechtgestutzt - vor einem Jahr machten Banken noch ein Drittel des Index aus, früher noch mehr.

Andere Unternehmen und Sektoren haben jetzt mehr Gewicht, etwa Motor Oil. Der Konzern betreibt die Erdölraffinerie Korinth und ein Netz mit gut 2000 Tankstellen. Die Aktie glänzt mit einer Dividendenrendite von über 6,2 Prozent. Ebenfalls interessant ist Mytilineos Holdings. Der Mischkonzern ist im Bereich Metallurgie und in diversen Technologiefeldern tätig, die Dividendenrendite liegt bei fast 4,0 Prozent. Ähnlich sieht es bei OTE aus (Hellenic Telecommunications), das zu 40 Prozent zur Deutschen Telekom gehört. Hier liegt die Dividendenrendite bei 4,2 Prozent. Alle drei sind sehr solide Unternehmen. Allerdings muss man wegen der volkswirtschaftlichen Probleme des Landes auch hier mit großen Schwankungen rechnen.

Immerhin: Laut aktuellem Monatsbericht der Bundesbank hat Griechenland, wie auch andere Peripherieländer der EU, in den vergangenen zehn Jahren seine Wettbewerbsposition im Euroraum verbessert. Hauptgrund waren geringere Preissteigerungen, die wiederum auf die Reformen am Arbeitsmarkt zurückzuführen sind. Dies drückt tendenziell das Lohnniveau und verbessert so die preisliche Wettbewerbsfähigkeit.

Streikende Lehrer



Aber deswegen brodelt es auch immer wieder in der Bevölkerung: Zuletzt streikten die Lehrer und mit ihnen - aus Solidarität - auch zahlreiche Beamte. "Mir ist bewusst, dass die letzten Jahre für viele Menschen in Griechenland sehr schwierig waren", befand Bundeskanzlerin Angela Merkel während ihres Besuchs in Athen.

Dabei sollte doch langsam fruchten, was gesät wurde. Doch noch immer stehen zu viele faule Kredite in den Bankbilanzen. Noch ist das Wachstum schwach und die kumulierte Staatsverschuldung mit 180 Prozent des Bruttoinlandsprodukts bedenklich hoch. Und sollte Griechenland bis 2022 nicht die versprochenen Überschüsse erzielen, ist es kaum vorstellbar, dass auch die nächsten Anleiheemissionen wieder weggehen wie warme Semmeln. Fraglich, ob es dann einen weiteren EU-Rettungsschirm geben wird.



Auf Seite 3: Auf einen Blick: Griechenland



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