Während die Tui-Papiere an der Londoner Börse bis zur Mittagszeit ein halbes Prozent an Wert gewannen, setzten die Aktien der Container-Reederei ihre am Montag begonnene Rally fort und stiegen zwischenzeitlich um knapp 12 Prozent auf über 33 Euro, dem höchsten Stand seit dem Börsengang im Herbst 2015. Der Hapag-Kurs wurde dabei auch von der neuesten Milliardenfusion in der Schifffahrtsbranche getrieben: So will die chinesische Container-Reederei Cosco ihre Rivalin Orient Overseas International aus Hongkong übernehmen und so zur drittgrößten Containerlinie der Welt aufsteigen.

GROSSER UMBAU BEI TUI

Tui hatte am Montagabend mitgeteilt, dass der Konzern seine verbliebenen 8,5 Millionen Hapag-Aktien verkauft hat, was einem Anteil von 5,2 Prozent entspricht. Schon seit März hatte der Reisekonzern 6,0 Millionen Anteile veräußert - und zusammen mit dem jüngsten Deal netto rund 407 Millionen Euro eingestrichen. Der übrig bleibende Gewinn von 173 Millionen Euro soll in dem Ende September auslaufenden Geschäftsjahr verbucht werden, wie der Konzern am Dienstag ankündigte.

Der angekündigte Ausstieg aus der Reederei gehört zum Umbau bei der Tui, der bereits vor einigen Jahren eingeleitet wurde. "Mit dem Verkauf des restlichen Anteils an der Hapag-Lloyd AG haben wir die Veräußerungen aller nicht zum Kerngeschäft gehörenden Unternehmen und Beteiligungen erfolgreich beendet", sagte Finanzvorstand Horst Baier. So hat Tui im vergangenen Jahr bereits seine Tochter Hotelbeds und im laufenden Jahr die Spezialreisesparte Travelopia verkauft.

Das Geld aus dem Verkauf der Hapag-Aktien will Tui zum Ausbau des Hotel- und Kreuzfahrtgeschäfts nutzen oder zur Stärkung der Bilanz verwenden. Der Konzern konzentriert sich inzwischen komplett auf das Reisegeschäft.

FAST ZWEI JAHRZEHNTE GEMEINSAME GESCHICHTE

Die Geschichte von Hapag-Lloyd und Tui begann 1997, als der damalige Industriekonzern Preussag den damaligen Reiseanbieter Hapag-Lloyd samt dessen Containergeschäft kaufte. Ein Jahr später übernahm der Industriekonzern Preussag die Touristik Union International - kurz Tui - und benannte sich 2002 selbst in Tui um. Seine Industriebeteiligungen wie die heutige Salzgitter AG stieß der Konzern ab. Später trennte er das Container-Geschäft von Hapag-Lloyd von den Touristikbereichen der Marke.

Im Tui-Konzern verbleiben nun die Luxuslinie Hapag-Lloyd Kreuzfahrten und die Hapag-Lloyd Reisebüros. Der frühere Ferienflieger Hapag-Lloyd/Hapagfly tritt seit 2007 unter der Marke Tuifly auf.

Die Trennung des Konzerns von der Containersparte zog sich indes lange hin. Nach einem Teilausstieg zu Beginn der Finanzkrise 2008 musste der Reisekonzern der Reederei zeitweise mit frischem Geld unter die Arme greifen. Die ganze Branche leidet seit langem unter niedrigen Frachtraten.

HAPAG FUSIONIERT NUN SELBST

Inzwischen ist Hapag-Lloyd selbst an der Börse und hat nach der Fusion mit der chilenischen CSAV auch die Übernahme der arabischen Reederei UASC unter Dach und Fach gebracht. Die Hamburger wollen damit ihre Wettbewerbsposition in der krisengeschüttelten Schifffahrtsbranche stärken und mit UASC ihren fünften Platz in der internationalen Top-Liga absichern. Den Anstieg des Hapag-Aktienkurses seit Ende 2016 nutzte Tui nun zum Verkauf seiner Anteile./stw/nas/das