Bereits am Donnerstag hatte die Aktie ihre Kursverluste seit Jahresbeginn wieder wettgemacht. Im Fahrwasser von Henkel stieg zudem die Beiersdorf-Aktie um 0,7 Prozent auf 97,62 Euro. Sie ist damit allerdings noch ein ganzes Stück weit von ihrem Vorjahresschlusskurs von 106,65 Euro entfernt.

Händler und Analysten fanden Henkels überraschend vorgelegte Zahlen zum dritten Quartal unisono "besser als erwartet". Zudem seien die Erwartungen an das gesamte Geschäftsjahr am Markt bislang vorsichtiger gewesen als die nun ausgegebenen Ziele des Managements.

Allerdings, so gab Molly Wylenzek vom Analysehaus Jefferies zu bedenken, ließen die Ziele auch eine "kurioserweise große Bandbreite" an Möglichkeiten im vierten Quartal zu. An ihnen lasse sich mit Blick auf den Geschäftsverlauf im Rest des Jahres auch eine gewisse Vorsicht ablesen. Die Analystin hat deshalb den Eindruck, dass das Management nur bedingtes Vertrauen in die Nachhaltigkeit der jüngsten, überraschend guten Wachstumszahlen habe.

Die Jefferies-Expertin erwartet, dass die Analysten im Schnitt an der Erwartung eines organischen Umsatzrückgangs von 0,9 Prozent für das vierte Quartal wohl festhalten. Denn Henkel erwartet für 2020 jetzt selbst einen Rückgang von 1 bis 2 Prozent. Bevor im April die Jahresziele coronabedingt ausgesetzt wurden, hatte Henkel noch ein ein Wachstum aus eigener Kraft von 0 bis zu 2 Prozent angepeilt.

Mit Blick auf die einzelnen Sparten beinhaltet Henkels Ziel für das Klebstoff-Geschäft laut Wylenzek eine Wende zurück in eine negative Geschäftsentwicklung im vierten Quartal. "Und das mit einer hohen Bandbreite zwischen minus 1 bis minus 5 Prozent", schrieb sie. Für das Geschäft mit Kosmetik sowie Haar- und Körperpflege werde im Schlussviertel 2020 im Quartalsvergleich mit einer erneut positiven Entwicklung gerechnet. Hier reiche die Bandbreite von plus 1 bis plus 5 Prozent. Für die Wasch-, Spülmittel- und Reinigungssparte werde im vierten Quartal nach Henkels Aussagen nun mit einem Plus zwischen 1 und 4 Prozent kalkuliert, was wiederum schwächer wäre als in den vorangegangenen drei Quartalen.

Analystin Celine Pannuti von JPMorgan schrieb indes nicht nur von "erfreulichen Quartalszahlen", sondern auch von einem "konstruktivem Ausblick". Dieser entspreche ihren Erwartungen weitgehend in allen Bereichen. Oliver Nicolai von Goldman Sachs rechnet nach den nun ausgegebenen Jahreszielen hingegen mit leicht steigenden Schätzungen am Markt. Dies betreffe vor allem die Jahresprognose für das den operativen Gewinn.

Er erinnerte zugleich daran, dass er erst in der vergangenen Woche sein "Hold"-Urteil für die Henkel-Aktie revidiert und sie zum Kauf empfohlen hatte. Seine Erwartung für das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) für 2020 derzeit 2 Prozent über der durchschnittlichen Analystenerwartung liegt und für das kommende Jahr 4 Prozent darüber.

dpa-AFX