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Kristalina Georgieva: Nachfolgerin von Christine Lagarde an der IWF-Spitze

Kristalina Georgieva: Nachfolgerin von Christine Lagarde an der IWF-Spitze

WKN: 565235 ISIN: JP3336100007 Sunday Co Ltd

17.11.2019 04:00:00

In der breiten Öffentlichkeit kaum bekannt, ist Kristalina Georgieva die Nachfolgerin der eloquenten Christine Lagarde an der IWF-Spitze werden. Von Martin Blümel

Der 13. August schien ein Problem zu werden. Kristalina Georgieva feierte ihren 66. Geburtstag und war damit eigentlich ein Jahr zu alt, um für den Vorsitz des Internationalen Währungsfonds IWF zu kandidieren. Doch tadaa!, die Altersgrenze wurde aufgehoben.

Schwierigkeiten kennt die Bulgarin von klein auf. Sie wuchs während des Kommunismus in einem Dorf auf und musste oft um vier Uhr morgens aufstehen, um Milch zu ergattern. Nach Anfängen an der Universität Sofia ging es aber bergauf: London School of Economics, Harvard, Promotion in Ökonomie.

Dann Brüssel: Haushaltskommissarin. "In der Geschichte der EU bin ich die Erste, der es gelungen ist, einen Haushalt bereits eine Woche vor Ablauf der Deadline zu verabschieden", sagte sie der "Sunday Times". Und schließlich die Weltbank. Spezialisiert auf Umweltwirtschaft war sie Vizepräsidentin und für kurze Zeit sogar Interims-Chefin.

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Georgieva gilt als energisch, hartnäckig und als geschickte Verhandlerin. Sie spricht exzellent Russisch, hat dadurch einen Draht zum Kreml und ganz Ost­europa. Fähigkeiten als Mittlerin wird sie brauchen: Es gilt die Handelskonflikte und Bedrohungen des Devisensystems einzudämmen. Gleichzeitig hakt es intern. Viele Schwellenländer fühlen sich im 189 Mitglieder starken IWF unterrepräsentiert. Aber Schwierigkeiten kennt Georgieva ja von klein auf.

Ihre Vorgängerin
Christine Lagarde übernahm 2011 als erste Frau den Direktorenposten des IWF und löste den skandalgeplagten Dominique Strauss-Kahn ab. Dank ihres Verhandlungsgeschicks und Charmes läuft dort jetzt vieles besser. Nicht nur der Ton gegenüber Kreditnehmern hat sich verändert, auch die Auflagen für ­Darlehen fallen nicht mehr so streng aus wie früher. Absurd, dass etliche Kritiker ihr einst fehlenden Sachverstand vorwarfen.

Ihr "Kollege"
Dafür, dass Georgieva für so viele ein unbeschriebenes Blatt ist, war sie für erstaunlich zahlreiche und bedeutende Jobs im Gespräch. 2016 etwa kam sie in die engere Wahl für die Nach­folge des damaligen UN-General­sekretärs Ban Ki-moon. Nicht zuletzt, weil Moskau auf einen Kandidaten aus Osteuropa beharrt hatte. Letztlich ging der Posten aber dann an den ­Portugiesen António Guterres.

Ihr Förderer
Emmanuel Macron hat es allen mal wieder gezeigt. Frankreichs Präsident setzte sich vehement für Georgieva als neue IWF-Chefin ein und gewann. Zuvor hatte er schon seine Favoritinnen Ursula von der Leyen (Kommissionspräsidentin in spe) sowie Christine Lagarde als künftige EZB-Chefin durchgesetzt.

Ihre Herkunft
Dass sie aus einfachen Verhältnissen stammt, daraus macht Georgieva keinen Hehl. Auf Twitter hat sie an erster Stelle ein vergilbtes Foto angeheftet, das ihre Familie zeigt. Ihr Kommentar dazu: "Vom Dorf in Bulgarien an die Spitze der Weltbank, man sieht, was möglich ist!" Sie war die Erste der Familie, die es an eine Universität schaffte. Die Eltern hatten zumindest die Möglichkeit, zur Schule zu gehen, den Großeltern war dies noch verwehrt.

Ihr Ex-Boss
Für nur kurze Zeit war er Georgievas Chef bei der Weltbank: David Malpass, im April von US-Präsident Donald Trump ins Amt manö­vriert. Trotz fraglicher Reputation. Als Chef­ökonom der Investmentbank Bear Stearns leistete er sich eklatante Fehlprognosen. Zudem war er einer der schärfsten Kritiker der Weltbank. Seine Vorgänger waren indes auch nicht immer unumstritten: etwa Irak-Kriegsarchitekt Paul Wolfowitz oder Malpass’ direkter Vorgänger, der Mediziner Jim Kim.

Ihre Konkurrenten
Er war der Top-Gegner um den IWF- Posten: Jeroen Dijsselbloem, einst Eurogruppen-Chef Der finnische Zentralbankchef Olli Rehn, der aktuelle Eurogruppen-­Chef Mário Centeno und Spaniens ­Finanzministerin Nadia Calvino hat­ten davor schon aufgegeben.

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Bildquelle: Ellis Grant/The World Bank Group

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