DAS IST LOS BEI LINDE

Linde und sein US-Konkurrent Praxair kommen bei der geplanten Fusion zum weltgrößten Anbieter gut voran. Um die Kartellbehörden in Europa, USA und Brasilien zur Genehmigung des Deals zu bewegen, kündigten beide Unternehmen milliardenschwere Verkäufe an. Denn während die Aktionäre bereits dem Zusammengehen zugestimmt haben, kann die Fusion noch an zu hohen Auflagen oder dem Veto der Kartellbehörden scheitern.

In Europa gibt Praxair einen Großteil seines Geschäfts ab. Dabei gehen Firmenteile mit einem Umsatz von insgesamt rund 1,3 Milliarden Euro für 5 Milliarden Euro an den japanischen Rivalen Taiyo Nippon Sanso. In Nord- und Südamerika trennt sich hingegen Linde von einem Großteil seines Gasegeschäfts. Dort kaufen der Wettbewerber Messer Group und der Finanzinvestor CVC Unternehmensteile mit einem Jahresumsatz von zuletzt in Höhe von 1,4 Milliarden Euro für 2,8 Milliarden Euro.

Insgesamt bleiben Linde und Praxair mit dem Umfang der bisher geplanten Verkäufe deutlich unter der von ihnen gesetzten Schmerzgrenze. Denn beide Unternehmen haben sich einen Rückzieher von der Fusion vorbehalten für den Fall, dass sie Geschäftsteile mit mehr als 3,7 Milliarden Euro Umsatz oder 1,1 Milliarden Euro an operativem Gewinn (Ebitda) abgeben müssten. Sollten aber nicht alle Genehmigungen der Kartellbehörden bis zum 24. Oktober vorliegen, platzt der seit vergangenem Jahr geplante Zusammenschluss.

Linde und Praxair wollen sich zum größten Industriegasehersteller der Welt zusammenschließen, mit 80 000 Mitarbeitern und 28 Milliarden Euro Jahresumsatz würden sie ein Viertel des Weltmarkts beherrschen. Die neue Linde plc soll von Praxair-Chef Steve Angel aus den USA heraus geführt werden. Die Gewerkschaft IG Metall befürchtet den Verlust von Arbeitsplätzen und Mitbestimmungsrechten. Die Fusion soll bis Ende 2018 besiegelt werden.

DAS SAGEN DIE ANALYSTEN

Bei den von dpa-AFX beobachteten Analysten halten sich Kaufempfehlungen und neutrale Einschätzungen für die im Dax notierten Linde-Aktien, die im Zuge der geplanten Praxair-Transaktion bereits zum Umtausch in Anteile der neuen Holdinggesellschaft Linde plc eingereicht wurden, in etwa die Waage. Zum Verkauf rät hingegen kein einziger Experte.

Die jüngst angekündigten Anteilsverkäufe von Linde und Praxair dürften nach Ansicht von Analyst Chetan Udeshi von der US-Bank JPMorgan ausreichen, um die kartellrechtlichen Genehmigungen für die Fusion zu erhalten. Commerzbank-Analyst Michael Schäfer hält hingegen weitere Veräußerungen für möglich, um die Anforderungen der Wettbewerbshüter zu erfüllen.

DAS IST DIE KURSENTWICKLUNG

Die zum Umtausch eingereichten Linde-Papiere, die seit Ende August dem Dax angehören, haben sich seit ihrem ersten Kurs um gut 30 Prozent verteuert. Im bisherigen Jahresverlauf gehören sie mit einem Anstieg von mehr als 12 Prozent zur Spitzengruppe im Leitindex Dax, der gut 1 Prozent unter seinem Stand zum Jahreswechsel liegt./mne/tih/jha/