Deutschland ist bekannt für seinen Mittelstand, für findige Tüftler, für Unternehmen, die innovative Produkte herstellen. Und genau diese Firmen werden weltweit immer begehrter. In den vergangenen Wochen hat sich die Übernahmetätigkeit hierzulande deutlich beschleunigt.

Beispiele gefällig? Die erst vor wenigen Jahren gegründete Godewind wird an den französischen Immobilienkonzern Covivio verkauft. Sixt Leasing geht an die Hyundai Capital Bank, beim Tec-DAX-Mitglied RIB Software kauft sich die französische Schneider Electric ein. Der Hightech-Anlagenbauer Isra Vision geht an Atlas Copco. In allen Fällen verdienten Anleger, die die Aktien der übernommenen Firmen in ihren Depots hatten, kräftig. Die Übernahmeangebote lagen teilweise um mehr als 40 Prozent über den Kursen, zu denen die Titel vor den Angeboten gehandelt wurden. Es lohnt sich also, die richtigen Aktien im Depot zu haben.

Natürlich ist die Stimmung im Moment eher auf dem Tiefpunkt. Firmen schauen eher auf ihre Lieferkette, Beteiligungsfirmen auf ihre Finanzstruktur. Aber einiges spricht dafür, dass die guten Ausgangsbedingungen für Übernahmen weiter Bestand haben. "Dabei spielen die Zinsen eine Rolle", erklärt Manfred Piontke, Fondsmanager bei der Vermögensverwaltung MPPM. "Es ist nicht davon auszugehen, dass die Zinsen steigen. Nach der Übernahme steigt der Gewinn des Käufers wegen der tiefen Kapitalkosten auch dann an, wenn die gekauften Gewinne nur halbwegs ordentlich sind."

So rechnen sich viele Deals, die vor wenigen Jahren komplett durchgefallen wären. Ein Beispiel ist das Übernahmeangebot für Isra Vision. Der Käufer bietet 50 Euro pro Aktie, das entspricht 1,1 Milliarden Euro für das gesamte Unternehmen. Isra erzielte 2018/19, dem letzten Geschäftsjahr, ein Betriebsergebnis von 34 Millionen Euro. Das heißt, der Gewinnmultiplikator ist 32. Bei Zinsen um null Prozent ist das kein Thema. Bei Zinsen von nur vier Prozent würde die Transaktion durchfallen. Wenn Konzerne wie Siemens Fremdkapital mit negativen Zinsen aufnehmen können, ist es logisch, dass sie die Unternehmenslandschaft nach Kandidaten durchforsten.

"Gerade unter mittelständischen Firmen findet sich eine Vielzahl von attraktiven Übernahmekandidaten", sagt Piontke. Der Kenner deutscher Unternehmen hebt einige Punkte hervor. So suche die Gründergeneration der 80er- und frühen 90er-Jahre Lösungen für die Nachfolgefrage. Das war bei Isra Vision und RIB Software der Fall. "Deutsche Firmen bieten zudem technologisches Wissen und haben hochwertige Produkte," sagt Piontke. Vieles davon lasse sich nicht kopieren. Oft sei auch die Produktivität hoch. Diese Kombination zieht Käufer an. Piontke glaubt, das Firmen aus China an der Technik interessiert seien, während westliche Käufer auf Märkte und Produkte schielten.

Darüber hinaus sind die Kassen von Beteiligungsfirmen gut gefüllt, nämlich mit rund 4000 Milliarden Dollar. Gerade Pensionskassen und Versicherungen, die aus regulatorischen Gründen Direktanlagen in Aktien scheuen, investieren ihre Gelder so indirekt. 2019 kam die Beteiligungsbranche laut Angaben von Boston Consulting Group auf 1500 Milliarden Dollar an nicht ausgegebenen Mitteln. Ein Teil des Geldes liegt in sogenannten Buy-out-Vehikeln. Zuletzt war etwa die US-Beteiligungsfirma KKR aktiv bei der Übernahme des Medienkonzerns Axel Springer.

BÖRSE ONLINE stellt auf den folgenden Seiten zwölf attraktive Übernahmeziele vor. Unsere Auswahl erfolgte in mehren Stufen. Ausgangspunkt ist immer ein Alleinstellungsmerkmal, das eine Firma für einen potenziellen Käufer interessant macht. Das können Produkte oder neue Entwicklungen sein, aber auch ein hoher Marktanteil in einem attraktiven Markt. Außerdem sollte die aktuelle Börsenbewertung Spielraum nach oben lassen.

Für den Experten Piontke spielt die Übernahmespekulation bei der Titelwahl indes erst einmal keine Rolle. "Allerdings können attraktive Firmen im aktuellen Umfeld immer gekauft werden", so der Experte. Sein Portfoliowert Formycon brächte vieles mit, was eine erfolgreiche Spekulation stützen könnte. Die Pipeline des Biogenerika-Entwicklers sei stark, die Finanzierung gesichert. In der Branche ist der Konsolidierungsdruck hoch und bei Übernahmen wurden Preise gezahlt, die beim Aktienkurs von Formycon einen dicken Aufschlag ermöglichen würden.

Übernahmezertifikate: Für Anleger, die nicht auf einzelne Werte setzen wollen, gibt es Alternativen. 2012 emittierte die Hypovereinsbank ein Zertifikat auf den German M & A Index zu zehn Euro. Der Finanzen Verlag entwickelte das Barometer und betreut es laufend. Es misst die Entwicklung von 20 deutschen Übernahmekandidaten. Seit dem vergangenen Jahr gibt es ein Pendant mit europäischen Werten.

 


Darauf müssen Anleger bei Übernahmen achten

¦ Übernahmen sind in Deutschland im Wertpapiererwerbs- und Übernahmegesetz geregelt. Das Gesetz gilt allerdings nur für Unternehmen, deren Aktien in einem geregelten Markt notierten. Vorsicht: Für Freiverkehrswerte gilt das nicht.

¦ Laut Gesetz ist ein sogenanntes freiwilliges Übernahmeangebot an Aktionäre verpflichtend, wenn ein Aktionär 30 Prozent der Stimmrechte kontrolliert. Agieren Aktionärsgruppen gemeinsam, werden die Stimmrechte addiert.

¦ Das Übernahmeangebot muss mindestens dem Gegenwert des gewichteten Durchschnittskurses der entsprechenden Aktie während der letzten drei Monate vor Veröffentlichung eines Angebots entsprechen. Hat ein Erwerber allerdings sechs Monate vor Veröffentlichung des Angebots einen höheren Durchschnittspreis gezahlt oder ist er bereit, diesen im Rahmen eines Kaufangebots an einen Aktionär zu zahlen, muss der Angebotspreis mindestens diesem Preis entsprechen.

¦ Ein öffentliches Angebot muss vom Aufsichtsamt genehmigt werden. Darin sind die Bedingungen und die Dauer des Gebots festgelegt. Dann können Anteilseigner ihre Aktien einreichen. Sie erhalten eine neue WKN. Das Geld fließt aber erst, wenn die Übernahme abgewickelt ist. Deshalb kann es sinnvoll sein, die Aktien nicht einzureichen, sondern sie über die Börse zu verkaufen.

¦ In den meisten Fällen wird bei einem Angebot eine Mindestannahmeschwelle genannt. Erreicht der Käufer diesen Anteil nicht, kann er sein Angebot komplett zurückziehen oder die Bedingungen anpassen. Ist Letzteres der Fall, könnte der potenzielle Erwerber die Annahmefrist verlängern.

¦ Unternehmensrechtlich gibt es wichtige Hürden. Bei der einfachen Mehrheit gehören dem Käufer mindestens 50 Prozent der Anteile. Sie ermöglicht es dem Käufer, das Unternehmen voll zu konsolidieren. Die Kontrolle über den Cash-flow hat er damit aber nicht. Will er an dieses Geld, muss er es über Dividenden auszahlen und mit dem Streubesitz teilen.

¦ Deshalb streben viele Käufer einen Anteil von mindestens 75 Prozent an. Ab dieser Grenze kann ein Gewinnabführungsvertrag beschlossen werden. Da dieser eine Abfindungsmöglichkeit für die freien Aktionäre vorsieht, muss der Unternehmenswert erneut bestimmt werden. In manchen Fällen gibt es hier besonders hohe Gebote.

Adva Optical Networking: Optische Netzwerke für 5G-Mobilfunk
Dank der guten Marktstellung im Bereich optischer Netzwerke ist Adva Optical Networking gut positioniert, um vom Aufbau des 5G-Mobilfunknetzwerks zu profitieren. Die Geschäfte entwickelten sich 2019 sehr dynamisch. Das Unternehmen ist mit einem Umsatz von 550 Millionen Euro kein Winzling. Allerdings liegt die Profitabilität mit einer Marge von unter fünf Prozent weit unter dem, was möglich sein könnte. Hier gibt es einen hohen Hebel für Beteiligungsfirmen, aber auch für einen strategischen Käufer. Größter Aktionär ist der Hedgefonds Teleios. Er hält knapp ein Fünftel der Anteile und würde sicherlich bei einem attraktiven Gebot verkaufen. Im Übernahmefall dürften zweistellige Kurse möglich sein. Das Fünfjahreshoch liegt bei zwölf Euro. Das Unternehmen wird 2020 von den Folgen des Coronavirus betroffen sein. Für das erste Quartal gab es eine Gewinn­war­nung. Deshalb gab die Aktie zuletzt nach.


Aixtron: Schlüsseltechnologie im Halbleiterbereich
Technologisch gehört Aixtron wohl zum Feinsten, was der deutsche Kurszettel zu bieten hat. Das Unternehmen entwickelt Anlagen und Maschinen für Technologie von morgen und übermorgen. Dabei geht es etwa um Produktionsanlagen zur Fertigung von neuen Halbleiterlösungen oder organischen Leuchtdioden. Die Herzogenrather haben ihr Geschäftsmodell in den vergangenen Jahren so verändert, dass sie Produkte künftig auch in Partnerschaften entwickeln können. Das tut der Profitabilität gut und macht das Unternehmen für einen potenziellen Käufer besser kalkulierbar. Dass Aixtron ein Übernahmekandidat ist, wurde schon 2016 bewiesen. Der fast schon eingetütete Deal mit einer chinesischen Investorengruppe scheiterte damals aber am Veto des damaligen US-Präsidenten Barack Obama. Auch aktuell dürfte es ein chinesischer Käufer wohl eher schwer haben, bei Aixtron zum Zug zu kommen. Zum Kreis potenzieller Käufer gehören Beteiligungsfirmen wie etwa der Vision Fund von Softbank, Halbleiterhersteller wie Samsung Electronics und die großen Halbleiterausrüster. Das Potenzial im Fall einer Übernahme liegt bei 100 Prozent.


Cancom: Nicht nur für Bechtle interessant
Die Aktie der IT-Firma Cancom konsolidierte zuletzt und fiel unter unseren Stoppkurs. Das Unternehmen wächst indes überproportional, die Marge bewegt sich Richtung zweistelliges Niveau. Das ist vor allem den Cloud-Angeboten geschuldet, die deutlich profitabler sind als das Dienstleistungsgeschäft. Die Ausgliederung der IT einer Firma in die Datenwolke ist ein Zukunftsthema, in dem Cancom sehr gut positioniert ist. Ein finanzkräftiger Käufer könnte dieses Geschäft deutlich ausbauen, indem es etwa internationalisiert wird. Cancom gilt zudem als idea­ler Fusionspartner für den größeren IT-Mittelständler Bechtle. Auf Aktionärsebene gab es schon einmal Annäherungen. Ein fusionierter Konzern könnte erhebliche Werte freisetzen, indem etwa hochprofitable Bereiche wie Cloud-Angebote in eine eigene Gesellschaft ausgegliedert werden könnten. Der Wert der Cancom- Aktie sollte im Fall einer Übernahme oder bei einer Fusion nicht unter 60 Euro liegen. Wir empfehlen die Aktie wieder zum Kauf.


Cenit: Gefragte Branche, niedrige Bewertung
Die Digitalisierung der Geschäftsprozesse ist eine große Herausforderung für viele Firmen. Die großen Beratungshäuser wie etwa Cap Gemini und Atos nutzen Übernahmen, um neue Lösungen und Kundenkontakte zu gewinnen. Ein interessanter Kandidat ist die Stuttgarter Firma Cenit. Das Unternehmen bietet Software und Dienstleistungen in den Themenbereichen Digitale Fabrik, Produkt-Management über den Lebenszyklus und effiziente Datenverwaltung an. Das liegt ganz klar im Trend. Auch der Kundenkreis kann sich sehen lassen. Neben mittelständischen Firmen wie Mahle stehen Großkonzerne wie etwa BMW, MTU Aero Engines oder Airbus auf der Kundenliste. Weil die Nachfrage der Kunden mit Nähe zum ­Autosektor etwas stottert, war die Ergebnisdynamik zuletzt niedrig. Deshalb hat die Aktie an Wert verloren. Die Bilanz ist aber sehr solide. Zudem ist die Bewertung von Cenit günstig. Der Börsenwert erreicht gerade einmal rund 98 Millionen Euro. Rechnet man die Liquidität und den Wert des eigenen Softwaregeschäfts ­heraus, zahlt ein Käufer für das Beratungsgeschäft im Moment einen geringen Multiplikator.


Dialog Semiconductor: Hier hat auch schon Apple eingekauft
Die Halbleiter von Dialog Semiconductor optimieren den Energieverbrauch von mobilen Geräten wie Smartphones und Tablets. Zu den Kunden gehört unter anderem Apple. Mit seinen Produkten besetzt Dialog ein wichtiges Segment mit hohen Wachstumsraten. Darauf aufbauend, erweitert der Konzern seine Marktstellung durch gezielte Zukäufe. Gerade hat Dialog ein Produkt auf den Markt gebracht, das die Digitalisierung der Indus­trie beschleunigen soll. Auf diesen Markt zielt der Kauf der US-Firma Adesto Technologies ab. Zum technischen Potenzial gesellt sich eine Bilanz, die vor Liquidität strotzt. Selbst nach dem Adesto-Kauf verfügt das Unternehmen über Barmittel in Höhe von mehr als 500 Millionen Dollar. Die Bewertung ist nicht nur für strategische Käufer attraktiv: Die Relation von Unternehmenswert zu Betriebsergebnis liegt bei unter zehn. Bei einer Übernahme sollte der Wert mehr als 50 Euro bringen.


Encavis: Hohes Interesse an erneuerbaren Energien
Das Thema Klimaschutz ist fest in der politischen Agenda verankert. Ein wichtiger Punkt ist dabei der Ausbau der erneuerbaren Energien rund um den Globus. Um die Klimaziele zu erfüllen, müssten bis 2050 rund 24 000 Gigawatt Erneuerbare-Energien-Kapazität errichtet werden, haben die Analysten von Morgan Stanley errechnet. Das ist mehr als zehnmal so viel, wie heute zur Verfügung steht. Die Experten sprechen vor allem der Solar­energie dank technologischer Entwicklung hohes Potenzial zu. Gerade Beteiligungsfirmen werden sich in diesem Bereich positionieren und Firmen übernehmen, die Kapazitäten und Know-how mitbringen. Ein heißer Kandidat könnte die deutsche Firma Encavis sein, einer der größten von Versorgern unabhängigen Produzenten von Strom aus erneuerbaren Energien. In den kommenden Jahren sollen die eigenen Kapazitäten von 1,7 auf 3,4 Gigawatt steigen. Das Leistungsspek­trum geht aber weiter. Encavis errichtet und betreibt auch Anlagen im Auftrag von Investoren. Hier liegt ein hoher Hebel. Neben Erträgen in der Errichtungsphase bringen diese Projekte nämlich laufende Verwaltungsgebühren. Dieses weniger kapitalintensive Geschäft kann rund um den Globus ausgebaut werden.


Formycon: Attraktive Pipeline in einem Zukunftsmarkt
In den kommenden Jahren werden viele Biotech-Präparate den Patentschutz verlieren. Anders als bei klassischen Medikamenten ist die Erzeugung von Nachahmerprodukten viel aufwendiger. Deshalb werden die sogenannten Biosimilars höhere Preise durchsetzen können. Die kleine Firma Formycon hat sich in diesem Bereich positioniert. Sie hat Nachahmer für drei Biotech-Blockbuster in der Pipeline. Der erste könnte schon im kommenden Jahr eine Zulassung erhalten. Spätestens dann dürfte das Unternehmen zu einem Übernahmekandidaten avancieren. Angesichts des Potenzials in der Pipeline, das Nettoergebnisse in dreistelliger Millionenhöhe nicht unwahrscheinlich erscheinen lässt, ist der Börsenwert von 250 Millionen Euro nicht hoch. Ein möglicher Käufer könnte Fresenius sein, das 2017 das Biosimilar-Geschäft von Merck gekauft hat. Wegen des Zulassungsrisikos ist die Aktie sehr spekulativ.


GK Software: Was macht der Produktpartner SAP?
Gefühlt war eine Übernahme von GK Software schon in trockenen Tüchern. Der Softwareriese SAP hatte sich vor einigen Jahren mit fünf Prozent eingekauft und verfügte zudem über eine Option auf 51 Prozent. Im vergangenen Oktober allerdings verkaufte SAP die Aktien wieder an GK-Gründer Rainer Gläß und gab auch die Option auf die Mehrheit zurück. Damit muss die Übernahmefantasie aber nicht erloschen sein, die operative Verbindung zwischen den Firmen ist nämlich enger geworden. GK Software hat sich auf Standardsoftware für den Einzelhandel spezialisiert. Hier hat das Unternehmen weltweit einen hohen Marktanteil. SAP hat Entwicklungen in diesem Bereich eingestellt und die Lösung von GK Software übernommen, die unter dem Label SAP by GK angeboten werden. Das ist weiterhin der Fall. Außerdem kommen nun auch Cloud-Angebote, Künstliche-Intelligenz- Systeme und mobile Kassen hinzu. Würde sich ein Wettbewerber für GK Software interessieren, dürfte SAP ­reagieren. GK Software wäre für die Walldorfer nur ein Micro-Deal. Der Börsenwert beträgt nur ein Promille der Marktkapitalisierung von SAP.


Jenoptik: Militärbereich ist ausgegliedert
Die Aktionärsstruktur von Jenoptik lässt eine Übernahme durchaus zu. Der Streubesitz liegt bei 89 Prozent. Die Thüringer Industriebeteiligung hält elf Prozent. Auch das Produktportfolio ist attraktiv. Photonik gilt als Zukunftstechnologie. Für die Umwandlung von analogen Informationen in digitale Daten, wie sie etwa Sensoren ermöglichen, werden immer breitere Anwendungsspektren erschlossen. Hier zählt Jenoptik zu den führenden Unternehmen. Allerdings werden einige Produkte von Jenoptik auch im Rüstungssektor genutzt, weshalb eine Übernahme in der Vergangenheit als kompliziert galt. Das Unternehmen hat den Bereich in die ausgegründete Firma Vincorion eingebracht. Die Verkaufsbemühungen dafür hat Jen­optik zwar eingestellt, weil der erwartete Preis nicht erzielt wurde. Hat aber ein potenzieller Jenoptik-Käufer für Vincorion eine Lösung, etwa durch eine Abspaltung, dürfte es für den Rest von Jenoptik keine regulatorischen Hürden geben. Die Bewertung ist inklusive Vincorion günstig.


Singulus: Top-Technologie, aber hohes Klumpenrisiko
Bekannt wurde Singulus durch Produk­tionsanlagen für optische Speicher. Der ehemals dominierende Bereich ist zusammengebrochen. Dass Singulus das überlebt hat, ist der breiten technologischen Aufstellung zu verdanken. Der Konzern baut Produkte für die Bereiche Solar, Halbleiter und Life Science. Aktuell dominiert aber das Geschäft im Solarbereich. Vom chinesischen Bauzulieferer China ­National Building Materials (CNBM) hat Singulus Aufträge zum Auf- und Ausbau von vier Fabriken zur Herstellung von Dünnschichtmodulen erhalten. Gerade wurde eine weitere Tranche in Höhe von 50 Millionen Euro geordert. Erfolgt der komplette Ausbau, geht es um ein Volumen von bis zu einer Milliarde Euro. Angesichts dessen ist der Börsenwert von nicht mal 40 Millionen Euro niedrig. Dass eine Tochter von CNBM mit 16,75 Prozent Anteil größter Aktionär ist, nährt die Spekulation. Erfolgt die komplette Ausbaustufe, wäre es für CNBM sinnvoll, die Wertschöpfungskette zu verlängern. Allerdings: Das Risiko ist sehr hoch. Unklar ist, wie sich Chinas Wirtschaft weiter entwickeln wird. Und ohne dei Aufträge aus China könnte Singulus wieder in ernste Schwierigkeiten geraten.


Software AG: Eine Übernahme ist nicht unmöglich
Eigentlich ist Software AG kein Übernahmekandidat, weil die Stiftung des Firmengründers Peter Schnell laut Firmenangaben 34 Prozent der Aktien hält. Aber mit einem Streubesitz von 66 Prozent sind die Darmstädter keine uneinnehmbare Festung. Und sicherlich würden sich viele Wettbewerber für die Darmstädter inte­ressieren. Die Bewertung der Aktie ist attraktiv, die Bilanz sehr solide. Dank der Produktpalette rund um die Steuerung und Analyse von Geschäftsprozessen und IT-Infrastrukturen kann der Konzern ein Gewinner der Digitalisierung der Industrie werden. Aktuell wird das Geschäft Richtung Cloud-Angebote umgebaut. Das führt zu Umsatzverschiebungen und Druck auf die Margen. Für 2020 hat das Unternehmen deshalb einen deutlichen Margenrückgang angekündigt. Es könnte sein, dass Software AG für den Umbau einen Partner benötigt. Im Fall einer Übernahme sind Kurse bis 50 Euro möglich.


Süss Microtec: Konsolidierung im Back-End anstoßen
Der Hersteller von Maschinen und Anlagen für die Halbleiterindustrie hat sich auf das Back-End, also den hinteren Teil der Halbleiterproduktion spezialisiert. Dieser Bereich ist anders als das Front-End von der Anbieterstruktur her noch sehr stark fragmentiert. Süss Microtec zählt dabei mit einem Umsatz von 215 Millionen Euro weltweit zu den führenden Anbietern. Es ist wahrscheinlich, dass große Anbieter der vorderen Produktionsstufen ihr Spektrum verbreitern wollen. Sinnvoll könnte es auch sein, wenn etwa ein finanzkräftiger Investor wie eine Beteiligungsfirma, eine Konsolidierung anstieße. Die Aktie von Süss wäre dann wohl erste Wahl. Das gilt umso mehr, als der Wert aktuell relativ preiswert ist. Das Unternehmen hat zwar gemessen an Umsatz und Auftragseingang gute Zahlen geliefert, der Bereich Laser und Scanner verursacht ­allerdings hohe Verluste. Er wird nun mit einem hohen zusätzlichen Aufwand abgewickelt. Das bringt Süss 2019 tief in die Verlustzone und wird auch 2020 noch belasten. Dafür fallen die operativen Verluste aber weg. Bisher konnte Süss nur selten die operative Stärke in eine ordentliche Marge ummünzen. Dieses Defizit ist aber auch eine Chance für einen Firmenkäufer.