KONSUMGÜTER

Milliardendeal und Treueschwur zwischen Nestle und L'Oreal

Milliardendeal und Treueschwur zwischen Nestle und L'Oreal
11.02.2014 17:21:00

Nestle und der französische Kosmetikriese L'Oreal tauschen milliardenschwere Firmenanteile.

Nestle und L'Oreal lockern ihre 40 Jahre alte Beziehung: Der Schweizer Konzern verkauft einen Teil seiner L'Oreal-Beteiligung für 6,5 Milliarden Euro an den französischen Kosmetikriesen. Nestle bekommt Anteile an einer Tochterfirma und Barmittel, mit denen die Schweizer eigene Aktien kaufen wollen. Bei L'Oreal wiederum stärkt die Gründerfamilie Bettencourt im Zuge des Deals ihren Einfluss. Zu einer vollständigen Trennung, die Analysten erwartet hatten, kommt es aber nicht. Der weltgrößte Nahrungsmittelkonzern bleibt mit 23 Prozent hinter der Gründerfamilie Bettencourt mit 33 Prozent größter L'Oreal-Aktionär. "Ich sehe das nicht als den ersten Schritt der Trennung von L'Oreal - überhaupt nicht" sagte Nestle-Präsident Peter Brabeck am Dienstag. "Wir sind hier für die lange Frist".

Nestle erhält 3,4 Milliarden Euro in bar, die in ein Aktienrückkaufprogramm fließen sollen. Parallel dazu übernimmt Nestle die restlichen 50 Prozent an der bisher gemeinsam geführte Schweizer Dermatologie-Firma Galderma im Wert von 3,1 Milliarden Euro. Die acht Prozent der eigenen Aktien, die L'Oreal Nestle abkauft, will der weltgrößte Kosmetikkonzern danach entwerten. Die Verknappung soll dem Aktienkurs Schub geben. Der Anteil der Bettencourt-Familie steigt auf knapp unter 33,33 Prozent - das ist die Schwelle, ab der sie den restlichen Aktionären ein Übernahmeangebot machen müsste. Zusammen mit dem Nestle-Konzern, der auf einen seiner drei Aufsichtsratssitze verzichtet, kontrollieren die Franzosen den Konzern weiterhin.

Anleger, die darauf gesetzt hatten, dass Nestle ganz bei den Franzosen aussteigen und dann mit dem Erlös von mehr als 20 Milliarden Euro ein riesiges Aktienrückkaufprogramm auflegen könnte, reagierten enttäuscht. Die Nestle-Aktie verlor knapp ein Prozent. Die L'Oreal-Aktie sank um vier Prozent auf 123,85 Euro und lag damit unter den 124,48 Euro pro Aktie, die der Transaktion mit Nestle zugrunde liegen.

LUKRATIVE BETEILIGUNG

Nestle ist seit 1974 L'Oreal-Aktionär. Damals verkaufte die von der reichsten Frau der Welt, Liliane Bettencourt, geführte Gründerfamilie knapp 30 Prozent ihrer Firma an die Schweizer. Bettencourt hatte Angst vor einer Verstaatlichung, sollten die Sozialisten an die Macht kommen. Für Nestle erwies sich L'Oreal als hervorragende Anlage; der Hersteller von Lancome-Lippenstift oder Garnier-Schampoo warf jährlich eine Rendite von 15 Prozent ab. 2004 sicherten Bettencourt und Nestle ihren Pakt mit einem Vertrag ab, der beiden ein gegenseitiges Vorkaufsrecht einräumt. Dieser Vertrag läuft am 29. April aus. Die beiden Parteien schwören sich aber wieder Treue und verlängern die Vereinbarung auf der neuen Basis.

Brabeck und Konzernchef Paul Bulcke sind dabei, Nestle von einem reinen Anbieter von Nahrungsmitteln wie Suppen, Kaffee und Schokolade zu einem Hersteller umbauen, der auch Produkte mit einem gesundheitlichen Zusatznutzen in Programm hat. Zu dieser Strategie passt der Ausbau der Beteiligung an Galderma, die auf medizinische Hautbehandlung spezialisiert ist. Mit einem Umsatz von zwei Milliarden Franken dürfte Galderma im rund 92 Milliarden Franken großen Nestle-Konzern aber keine entscheidende Rolle spielen. Im vergangenen Herbst kündigte Konzernchef Bulcke eine Überprüfung der Konzernbereiche an. Solche, die nicht gut laufen, sollen saniert oder abgestoßen werden. Zuletzt verkaufte Bulcke das Sportnahrungsgeschäft und Insidern zufolge wird auch der Verkauf des Tiefkühlgeschäftes ausgelotet.

ANALYSTEN WÜNSCHEN SICH BEI NESTLE AKTIVE AKTIONÄRE

Während ZKB-Analyst Patrik Schwendimann den Deal als Beleg dafür sah, dass Nestle Ernst macht mit der Bereinigung seines Geschäftsportfolios, blieben andere Analysten kritisch: Die Transaktion ändere wenig am Status Quo, sagte Kepler-Cheuvreux-Analyst Jon Cox.

Nestle hätte sich ganz von L'Oreal trennen sollen, forderte Liberum-Analyst Pablo Zuanic. Was jetzt passiere, sei eine halbe Sache und lasse Zweifel an der strategischen Richtung von Nestle aufkommen. "Wir glauben, dass einigen der großen europäischen Konsumgüterfirmen wie Nestle eine Dosis Disziplin gut tun würde, die amerikanische Aktionärsaktivisten auf der anderen Seite des Atlantiks in die Firmen gebracht haben", erklärte der Liberum-Analyst. Vielleicht brauche Nestle einen Aktionär wie Carl Icahn. Zuletzt hatte der Milliardär Icahn den Computerhersteller Apple im Visier. Seine Forderung für ein großes Aktienrückaufprogramm musste er aber vor einigen Tagen zurückziehen, da ihn einflussreiche Aktionärsberatungsfirmen wie ISS nicht unterstützten.

Am Donnerstag legt Nestle seine Bilanz vor. Analysten rechnen mit einem Gewinn von knapp elf Milliarden Franken (8,7 Milliarden Euro).

Reuters

Aktien in diesem Artikel

L'Oréal S.A. (L'Oreal, L Oreal) 389,30 0,19% L'Oréal S.A. (L'Oreal, L Oreal)
Nestle S.A. (spons. ADRs) 103,50 -0,96% Nestle S.A. (spons. ADRs)
Nestlé SA (Nestle) 0,00 0,00% Nestlé SA (Nestle)
Sanofi S.A. 88,87 -0,22% Sanofi S.A.

Aktienempfehlungen zu Sanofi S.A.

  • Alle
  • Buy
  • Hold
  • Sell
15.06.21 Sanofi Hold Joh. Berenberg, Gossler & Co. KG (Berenberg Bank)
10.06.21 Sanofi buy Goldman Sachs Group Inc.
08.06.21 Sanofi Outperform Credit Suisse Group
04.06.21 Sanofi buy Jefferies & Company Inc.
02.06.21 Sanofi add Baader Bank
mehr Aktienempfehlungen

Nachrichten

  • Nachrichten zu Aktien
  • Alle Nachrichten
pagehit