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Milliardenübernahmen: Worauf Anleger achten sollten

Milliardenübernahmen: Worauf Anleger achten sollten

WKN: BAY001 ISIN: DE000BAY0017 Bayer

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19.11.2019 - 19:46
16.06.2017 07:00:00

Milliardenübernahmen haben die Bilanzen der DAX-Konzerne stark aufgebläht. Bei welchen Unternehmen Aktionäre ganz genau hinsehen sollten, was Anleger wissen müssen. Von Sabine Gusbeth



Die DAX-Konzerne sind im Übernahmefieber. 82 Milliarden Euro haben sie allein im vergangenen Jahr für Zukäufe ausgegeben, ergab eine Untersuchung der Wirtschaftsberatung EY. Das ist so viel wie seit 2007 nicht mehr, kurz bevor die Finanzkrise ausbrach. Damals wie heute zahlen Firmen teil immense Preisaufschläge, um sich im Übernahmepoker gegen die Konkurrenz durchzusetzen. Beispiel Monsanto: Der Pharmakonzern Bayer zahlt für den US-Saatgutriesen 44 Prozent mehr, als dieser bei Bekanntgabe der geplanten Übernahme an der Börse wert war, insgesamt 59 Milliarden Euro.



Preisaufschläge in Milliardenhöhe wie diese haben die Bilanzen der DAX-Konzerne regelrecht aufgeblasen. Denn sie werden unter dem Bilanzposten Firmenwert (englisch: Goodwill) verbucht. Dieser hat nach unseren Berechnungen 2016 einen Rekordwert von 254,3 Milliarden Euro erreicht. Bei acht DAX-Konzernen übersteigt der Goodwill sogar das Eigenkapital. Doch wie schnell sich vermeintliche Firmenwerte in Milliardenhöhe in nichts auflösen und zu Milliardenabschreibungen führen können, mussten vor allem die Aktionäre der Banken und Versorger zuletzt leidvoll erfahren. Investoren sollten deshalb bei Unternehmen mit besonders hohem Goodwill ganz genau hinsehen (vgl. Tabelle Seite 3).


Geschäfts- oder Firmenwerte werden in den Bilanzen als Vermögen, also auf der Haben-Seite, verbucht. Sie entstehen, wenn sich nach einer Übernahme herausstellt, dass der Kaufpreis höher war als der Substanzwert. Der Mehrwert lässt sich etwa durch potenzielle Synergien oder den Zugang zu einem vielversprechenden neuen Markt begründen. Früher musste der Goodwill innerhalb von zehn bis 15 Jahren abgeschrieben werden. Das ist seit einer Änderung der Bilanzregeln seit 2004 nicht mehr notwendig. Stattdessen müssen die Firmen jedes Jahr in einem komplexen Wertminderungstest nachweisen, ob der Firmenwert noch korrekt in der Bilanz steht. Dabei bestehen jedoch erhebliche Ermessensspielräume. Die Folge: Die meisten Unternehmen schreiben Zukäufe kaum noch ab. Die Vermögensverwaltung Flossbach von Storch warnte deshalb bereits 2015 vor einer "Goodwill-Blase".

Verluste in Milliardenhöhe



Denn wenn sich die wirtschaftliche Lage verschlechtert, Unternehmensteile verkauft werden oder der Vorstandsvorsitzende wechselt, werden die vermeintlichen Geschäftswerte oft mit einem Federstrich nach unten korrigiert. Diese Abschreibungen verursachen teilweise Verluste in Milliardenhöhe und machen zum Teil sogar Kapitalerhöhungen notwendig.

Am schmerzhaftesten zu spüren bekamen das die Aktionäre des Energieversorgers Eon. In den fünf Jahren vor der Aufspaltung des Konzerns lösten sich Firmenwerte von mehr als 7,6 Milliarden Euro aus der Eon-Bilanz in Luft auf und verringerten das Eigenkapital des einst größten deutschen Versorgers stark (siehe Seite 4). Die Folgen waren Milliardenverluste, Dividendenkürzungen und zuletzt, im März, eine Kapitalerhöhung.

Grund für die notwendigen Wertkorrekturen auf den Goodwill war aber nicht die Energiewende in Deutschland (und die damit verbundenen Milliardenabschreibungen auf Atomkraftwerke). Vielmehr stellte sich heraus, dass Tochterfirmen in Spanien und Italien, die Ex-Eon-Chef Wulf Bernotat im Jahr 2008 bei seiner 11,5-Milliarden-Euro-Einkaufstour in Südeuropa gekauft hatte, viel weniger wert waren als bis dato bilanziert. Erst als Eon durch die Energiewende 2011 in die Krise rutschte, räumte sein Nachfolger Johannes Teyssen die Bilanz auf.

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Bildquelle: Tony Gentile/Reuters, BÖRSE ONLINE, BÖRSE ONLINE

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