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Milliardenübernahmen: Worauf Anleger achten sollten

Milliardenübernahmen: Worauf Anleger achten sollten

WKN: BAY001 ISIN: DE000BAY0017 Bayer

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06.12.2019 - 19:17
16.06.2017 07:00:00

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Vorsicht bei Chefwechsel



Häufig ist es ein Wechsel des Vorstandsvorsitzenden oder Finanzvorstands, der zu Korrekturen beim Goodwill führt. Denn die Neuen wollen reinen Tisch machen und Fehlinvestitionen der Vergangenheit dem Vorgänger in die Schuhe schieben.

So hat die Deutsche Bank seit dem Abgang von Josef Ackermann, der das Finanzinstitut von 2006 bis 2012 geführt hatte, mehr als die Hälfte ihres Goodwills abgeschrieben. Über fünf Milliarden Euro verflüchtigten sich, weil die Nachfolger Anshu Jain und Jürgen Fitschen sowie der heutige Chef John Cryan die Bilanz von Altlasten befreiten.

Auch die Commerzbank radierte im vergangenen Jahr, nach dem Abschied des langjährigen Firmenchefs Martin Blessing, fast 30 Prozent ihrer Firmenwerte oder 600 Millionen Euro einfach aus. Dabei handelte es sich größtenteils um Abschreibungen auf das Investmentbanking der ehemaligen Dresdner Bank, die Blessing 2009 für 5,5 Milliarden Euro übernommen hatte. Nachfolger Martin Zielke dagegen will das Investmentbanking eindampfen und misst dem Zukauf nun deutlich weniger Wert bei.

Vor allem bei teuren Übernahmen ist also Vorsicht angesagt. Und die finden derzeit vor allem in den Branchen Chemie, Pharma und Medizin statt. Das bekannteste Beispiel ist der erwähnte Kauf des US-Saatgutkonzerns Monsanto durch das Chemie- und Pharmaunternehmen Bayer. Gelingt die Übernahme, wird sich der Goodwill bei den Leverkusenern deutlich erhöhen. Das bestätigt das Unternehmen auf Nachfrage. Schon jetzt hat Bayer mehr als 16 Milliarden Euro an Firmenwerten angesammelt. Das entspricht mehr als der Hälfte des Eigenkapitals.

Noch ungünstiger ist das Verhältnis von Goodwill zu Eigenkapital bei dem Gesundheitsunternehmen Fresenius. Beim DAX-Konzern aus Bad Homburg ist der Firmenwert im ersten Quartal sogar noch einmal deutlich gestiegen. Hauptgrund dafür ist der Erwerb des spanischen Klinikbetreiber Quirónsalud für 5,8 Milliarden Euro, der größte Zukauf in der Firmengeschichte. Inzwischen beträgt das Verhältnis von Goodwill zu Eigenkapital 120 Prozent - Tendenz weiter steigend. Denn im April hat Vorstandschef Stephan Sturm die Übernahme des US-Konkurrenten Akorn für 4,4 Milliarden Euro verkündet.

Auch beim Chemie- und Pharmakonzern Merck spiegelt sich der Kauf des US-Chemikalienhändlers Sigma-Aldrich für 13,1 Milliarden Euro aus dem Jahr 2015 im Goodwill wider. Dieser steht seit 2016 mit 8,8 Milliarden Euro in der Bilanz, so ein Merck-Sprecher. Ein Risiko kann er darin nicht erkennen: "Goodwill ist nur dann ein Bilanzrisiko, wenn sich herausstellt, dass bei der Akquisition getroffene Annahmen über die zukünftige Entwicklung des Geschäfts wesentlich zu optimistisch waren", sagt er. Davon könne bei Sigma-Aldrich keine Rede sein.

Ähnlich argumentiert man bei der Deutschen Post, bei der der Firmenwert ebenfalls das Eigenkapital übersteigt. Zwar könne eine negative operative Entwicklung des Konzerns den Goodwill -negativ beeinflussen. "Aufgrund der sehr positiven Entwicklung der vergangenen Jahre gehen wir davon allerdings nicht aus", teilte das Unternehmen mit.

Deutliche Zuwächse zum Firmenwert verzeichnet auch der TV-Konzern ProSiebenSat.1. Das sei ein Abbild der Zukäufe im Digitalbereich in den vergangenen Jahren, erläutert eine Sprecherin. Dass der Goodwill inzwischen das Eigenkapital deutlich übersteigt, sieht man auch in Unterföhring nicht als Bilanzrisiko.

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Bildquelle: Tony Gentile/Reuters, BÖRSE ONLINE, BÖRSE ONLINE

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