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Optimismus für die Luftfahrt - Personalmangel bremst Lufthansa-Geschäft

Optimismus für die Luftfahrt - Personalmangel bremst Lufthansa-Geschäft
21.06.2022 12:46:52

An vielen Flughäfen in Europa droht in den kommenden Monaten Chaos mit langen Wartezeiten bei Sicherheitskontrollen und an Gepäckbändern, weil großer Personalmangel am Boden herrscht. Flugstreichungen und Verspätungen mehren sich. Auch die Lufthansa streicht Hunderte Flüge. Der Luftfahrt-Branchenverband IATA ist jedoch zuversichtlich - für 2023.

Der Generaldirektor des Weltluftfahrtverbands IATA, Willie Walsh, kündigte am Montag an, für 2023 sollten branchenweit wieder schwarze Zahlen am Horizont sein. Die Zuversicht des Luftfahrt-Branchenverbands treibt einige Anleger daraufhin wieder in den Flug- und Reisesektor.

Während Walsh den Fluggesellschaften in Nordamerika schon für dieses Jahr einen Milliardengewinn zutraut, dürfte dies der Branche in Europa nach seiner Schätzung im kommenden Jahr gelingen. Den weltweiten Branchenverlust schätzt der Verband in diesem Jahr auf nun 9,7 Milliarden US-Dollar und damit zwei Milliarden weniger als im Oktober vorhergesagt. Gemäß den Schätzungen dürften die Fluggesellschaften in Europa ihren Verlust 2022 im Jahresvergleich um rund zwei Drittel auf 3,9 Milliarden Dollar eindämmen.

In Deutschland hemmt derzeit Personalmangel an den Flughäfen das Flugangebot und das Geschäft der Airlines. An den deutschen Airports sind laut Flughafenverband ADV derzeit rund 20 Prozent der Stellen unbesetzt. Die Lufthansa strich deshalb allein für den Juli 900 Flüge an den Drehkreuzen Frankfurt und München, um für Entlastung an den Flughäfen zu Spitzenzeiten zu sorgen. Die Branche arbeitet mit der Bundesregierung an Lösungen, ein Chaos bei der lang erhofften starken Erholung des Luftverkehrs vom Einbruch der Corona-Pandemie zu verhindern.

Große Personalnot


In Europa gingen durch die Corona-Krise in der Luftfahrt 600.000 Arbeitsplätze verloren, weltweit wurden 2,3 Millionen Jobs abgebaut. Die Bodendienste sind am stärksten davon betroffen, erklärte der Industrieverband Air Transport Action Group. Viele Arbeitnehmer haben sich Alternativen zu den Jobs gesucht, die mit Schichtdienst verbunden sind und körperlich harte Arbeit etwa in der Gepäckabfertigung bedeuten.

Junge Kollegen kämen und gingen schon am nächsten Tag wieder, erzählte Marie Marivel, die an einem Pariser Flughafen an der Sicherheitskontrolle arbeitet für ein Nettogehalt von 1.800 Euro im Monat. "Die sagen uns: Wir verdienen gerade so viel wie Supermarkt-Kassierer für einen so verantwortungsvollen Job."

Auch über den Sommer hinaus könne der Engpass anhalten, da ältere Beschäftigte in Rente gehen und weniger junge Leute sich für einen Arbeitsplatz am Flughafen interessierten, erklärte Rico Luman, Analyst von der Bank ING. "Selbst wenn es zu einer Rezession kommen sollte, bleibt der Arbeitsmarkt mindestens in diesem Jahr noch angespannt", ergänzte er.

Luftverkehr erholt sich schnell


Laut der Expertin Chloe Lemarie von Jefferies Research bestätigten die IATA-Aussagen jedoch eine "beschleunigte Wiederherstellung des Luftverkehrs". Lemarie sieht dies auch positiv für die von ihr beobachteten Aktien im Bereich des zivilen Flugzeugbaus, darunter Airbus und MTU. Die beiden DAX-Aktien heimsten am Montag bereits kräftige Kursgewinne von 2,9 respektive 5,4 Prozent ein und setzen ihren Aufschwung am Dienstag zeitweise noch fort.

"Weil die neue Prognose so viel höher als die letzte offizielle Prognose vom Oktober 2021 ist, haben wir uns zuerst bei der IATA vergewissert, dass die neue Prognose kein Tippfehler war", kommentierte der Experte David Perry von der US-Bank JPMorgan die IATA-Erwartung, dass sich der Luftverkehr 2022 im Vorjahresvergleich fast verdoppeln sollte. Auch wenn sich die Einschätzung der IATA als zu optimistisch erweisen könnte, sei es doch klar, dass die Erholung des weltweiten Luftverkehrs deutlich stärker ausfalle als erwartet.

Einschätzung zur Lufthansa-Aktie


In der Folge griffen auch die Anleger bei den zuletzt schwach gelaufenen Branchenwerten vor allem von großen Netzwerk-Airlines wieder zu. Die Titel der Lufthansa erholten sich im MDax von 5,97 Euro (Freitags-Schlusskurs) auf 6,58 Euro am Dienstag-Vormittag.

Die Perspektiven hellen sich für die Lufthansa allmählich auf, doch die Konkurrenz bleibt hart und die Altlasten aus zwei äußerst schwierigen Jahren sind groß. Zudem hemmt der Personalmangel größere Geschäftszuwächse. Für BÖRSE ONLINE ist die Lufthansa-Aktie derzeit eine Halteposition, das Kursziel liegt bei 8,80 Euro. Interessant wird es, wenn die 50-Tage-Linie bei 6,77 Euro überwunden wird. Wer dabei ist, sollte bei 5,50 Euro eine Stopp-Loss-Order platzieren.

mmr mit rtr und dpa


Bildquelle: BÖRSE ONLINE

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