Die zwei Hauptkriterien sind demnach zusätzliche Wachstumsmöglichkeiten für AMS und die Vergrößerung des Produktportfolios. Die Österreicher sind in einigen Bereichen direkter Konkurrent von Osram, so bei optischen Sensoren.

AMS hatte bereits in der vergangenen Woche Interesse an dem zum Verkauf stehenden Münchner Traditionsunternehmen erklärt und etwa 3,7 Milliarden Euro geboten - das aber innerhalb weniger Stunden zurückgezogen, nachdem die Osram-Chefetage ihren Widerstand öffentlich gemacht hatte. Nun haben sich laut AMS-Mitteilung aber potenzielle Geldgeber bei dem in Premstätten in der Steiermark ansässigen Sensorhersteller gemeldet.

AMS sei kürzlich von "möglichen finanziellen Partnern" angesprochen worden und habe mit diesen "Ansichten ausgetauscht", hieß es in einer Mitteilung. Diese Gespräche haben demnach bestätigt, "dass AMS eine umsichtig strukturierte Finanzierungszusage für eine derartige potenzielle Transaktion" arrangieren könne.

Denn AMS wächst zwar schnell, ist aber wesentlich kleiner als Osram und außerdem hoch verschuldet. Eine Osram-Übernahme wäre deshalb nur auf Pump möglich. Ende Juni hatte das Unternehmen nach Angaben von Finanzchef Wachsler-Markowitsch knapp 1,6 Milliarden Dollar langfristige Kredite in den Büchern stehen, offene Rechnungen und andere kurzfristige Verbindlichkeiten nicht eingerechnet.

Nicht nur Analysten fragten sich deshalb, wie AMS eine Übernahme überhaupt finanzieren wollte. Im ersten Halbjahr machte AMS lediglich 25 Millionen Dollar Nettogewinn. Vor einer Woche hatte AMS noch erklärt, die Übernahme mit Krediten finanzieren zu wollen. Eigentlich will das Unternehmen seine Schulden kräftig reduzieren, wie es im Halbjahresbericht heißt.

Wer die potenziellen Geldgeber für eine feindliche Osram-Übernahme sein könnten, machte AMS nicht öffentlich. Bei der Produktentwicklung kooperiert das Unternehmen mit mehreren chinesischen Firmen. Es galt einst selbst als potenzieller Übernahmekandidat für einen Käufer aus der Volksrepublik.

Osram-Vorstand und -Aufsichtsrat machen kein Geheimnis aus ihrer Ablehnung einer Übernahme durch AMS. Die Osram-Chefetage wirbt bei den Aktionären dafür, das über 110 Jahre alte Unternehmen an die US-Finanzinvestoren Bain Capital und Carlyle zu verkaufen. Sie bieten 35 Euro je Aktie, insgesamt knapp 3,4 Milliarden Euro. Das Angebot an die Aktionäre ist seit Montag öffentlich und läuft noch bis zum 5. September. Das Angebot der Amerikaner gilt aber nur, wenn die Besitzer von mindestens siebzig Prozent der Osram-Aktien zustimmen.

An der Frankfurter Börse jedenfalls beflügelte das steirische Interesse die Hoffnung auf eine noch lukrativere Übernahmeofferte. Die Osram-Aktie legte zwischenzeitlich kräftig zu und stieg auf rund 34 Euro. Damit liegt sie aber immer noch rund einen Euro unter der Offerte der US-Finanzinvestoren. Unter den Anlegern herrscht mit Blick auf einen erfolgreichen Osram-Verkauf offenbar zumindest ein wenig Skepsis

dpa-AFX