Der Vermögensverwalter DWS, mit fast fünf Prozent einer der größten Osram-Aktionäre, hatte angekündigt, Berlien und Bauer das Misstrauen auszusprechen. DWS-Analyst Hendrik Schmidt kritisierte die mehrfach nach unten korrigierten Prognosen der früheren Siemens-Tochter. "Neben Ergebnissen erwarten wir aber auch realistische Einschätzungen von Ihnen, sonst wird aus der Lichtgestalt eine Energiesparlampe oder eine Wunderkerze", sagte er, an Berlien gerichtet. Bauer wurde mit 92 Prozent entlastet.

Auch Berliens Haltung zu einer möglichen Übernahme von Osram durch Finanzinvestoren sei undurchsichtig, sagte der DWS-Experte für gute Unternehmensführung. Erst habe der Vorstandschef einen Ankerinvestor gutgeheißen, dann aber signalisiert, dass Osram nicht zum Verkauf stehe - um wenig später "vertiefte Gespräche" mit den Finanzinvestoren Bain und Carlyle zu bestätigen. "Ja, was denn nun?" fragte Schmidt. Berlien hielt sich vor den Aktionären bedeckt: "Eine weitere öffentliche Diskussion dieses Themas wäre für die Verhandlungsposition von Osram nachteilig." Osram sei in den Gesprächen mit den Finanzinvestoren aber nicht in einer schwachen Position: "Wir tun dies mit Rückgrat." Ob Bain und Carlyle tatsächlich ein Übernahmeangebot abgäben, sei weiterhin offen.

HAIE RUND UMS OSRAM-HOCHHAUS

Die Aussicht auf ein Übernahmeangebot ließ die gebeutelte Osram-Aktie kräftig auf mehr als 40 Euro steigen. An der Börse ist das Unternehmen rund vier Milliarden Euro wert. Osram hatte angesichts der bröckelnden Nachfrage aus der Autoindustrie die Ziele mehrfach gesenkt. Berlien räumte Fehler ein: "Die Kritik an unsere Prognosequalität ist berechtigt." Die Strategie, Osram auf High-tech-Produkte auszurichten, sei aber richtig. Derzeit ist der Vorstand dabei, das Leuchtengeschäft (Siteco) zu verkaufen. Es gebe konkrete Gespräche mit mehreren potenziellen Käufern. "Die Euphorieblase bei Osram ist geplatzt", sagte Aktionärsvertreterin Daniela Bergdolt von der DSW. Bei Osram seien viele Hedgefonds eingestiegen. "Ich kann schon ein paar Haie rund um das Osram-Hochhaus schwimmen sehen."

Im zuletzt stark gewachsenen Halbleiter-Geschäft reduziert Osram die Belegschaft in Regensburg um rund 500 Mitarbeiter. Aufsichtsratschef Bauer stellte sich hinter Berlien: Der Vorstand habe "die angemessenen Maßnahmen getroffen: er hat die Investitionsplanung zurückgenommen, er passt die Kapazitäten in der Fertigung an, er reduziert Funktionskosten." Mittelfristig werde das die Wettbewerbsfähigkeit von Osram stärken. Auf die auf 1,11 Euro erhöhte Dividende wollten die Aktionäre aber nicht verzichten: 99,7 Prozent stimmten dafür und lehnten damit den Antrag eines Betriebsrats ab, der die Ausschüttung auf einen Cent senken wollte: "Um die zukünftige Wettbewerbsfähigkeit der Osram Opto Semiconductors zu gewährleisten, fordere ich, diese Mittel zum Erhalt der Stellen in der Entwicklung einzusetzen."

rtr