OTS: Börsen-Zeitung / Börsen-Zeitung: Bewährungsprobe, Kommentar zur ...

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19.11.2019 20:31:42

Börsen-Zeitung: Bewährungsprobe, Kommentar zur Windenergiebranche von

Carsten Steevens

Frankfurt (ots) - Am Ende eines Jahres, in dem über Klimaschutz wohl so viel

diskutiert wurde wie nie zuvor, produzieren Windkraftanlagenbauer mit Sitz,

Geschäft oder maßgeblichen Gesellschaftern in Deutschland reihenweise

Schlagzeilen: Senvion ist insolvent und wird zerschlagen, Nordex könnte bald

komplett unter dem Dach des spanischen Großaktionärs Acciona stehen, Siemens

Gamesa streicht 600 Stellen, Enercon gar 3000. Die Ursachen für die Miseren

liegen in der Umstellung von staatlicher Förderung auf Auktionsverfahren, die

sich weltweit in vielen Märkten etabliert haben, in Problemen mit der

Wettbewerbsfähigkeit, aber auch in einem seit 2018 fast kollabierten deutschen

Kernmarkt.

Deutschland galt einst als größter Markt für Windkraftanlagen in Europa.

Inzwischen erreichen die Zubauzahlen die niedrigsten Werte seit Einführung des

Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) im Jahr 2000. Zugleich werden weltweit 2019

und in den Folgejahren in einem großenteils subventionsfreien Umfeld

Neuinstallationen in Rekordhöhe erwartet - bei scharfem Wettbewerb und

geringeren Margen als in der Vergangenheit. Befindet sich die deutsche

Windbranche vor diesem Hintergrund auf dem gleichen Weg wie vor rund einer

Dekade die Solarindustrie?

Für die Politik in Deutschland, die das Ziel verfolgt, dass 65 Prozent des

Strombedarfs bis 2030 aus erneuerbaren Quellen gedeckt werden sollen, ist die

Krise der Windbranche nach dem beschlossenen Ausstieg aus der Atomenergie und

der Kohleförderung eine elementare Bewährungsprobe. Nicht zuletzt sind

Großkonzerne wie Volkswagen, die sich auf neue Technologien wie Elektromobilität

ausrichten, darauf angewiesen, dass der von ihnen genutzte Strom künftig aus

erneuerbaren Energiequellen und damit auch von Windkraftanlagen stammt. Dafür

braucht es stringente Rahmenbedingungen, die im Einklang stehen mit Aspekten der

Versorgungssicherheit und der Akzeptanz in der Bevölkerung.

Auf dem Spiel steht die Glaubwürdigkeit der Klimaschutzpolitik. Wenn sich aber

die politischen Akteure über die Pläne für Abstandsregelungen beim Bau von

Windrädern nicht einigen, wenn Genehmigungsverfahren für Windparks nicht

beschleunigt werden, wenn das Verhältnis von Klima- und Artenschutz ungeklärt

bleibt, wenn es keine Anreize zum Windenergieausbau gibt, dann wird auch der

Wirtschafts- und Industriestandort Schaden nehmen. Wenn die Energiewende ernst

gemeint ist, dann braucht es nun den politischen Willen auf allen Ebenen.

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