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21.11.2019 19:07:40

Börsen-Zeitung: Das Fell des Bären / Kommentar zur Strategie des

Reisekonzerns TUI von Lisa Schmelzer

Frankfurt (ots) - Tuifly, die deutsche Fluglinie des Reisekonzerns Tui, wird

Ende nächsten Jahres ins Langstreckengeschäft einsteigen. Zunächst mit zwei

Flugzeugen am Start soll die Flotte schnell auf bis zu fünf Flieger wachsen.

Geliebäugelt hat die Führung der Airline schon länger mit diesem Schritt, indes

galt es, die Konzerngremien und allen voran Tui-Chef Friedrich Joussen zu

überzeugen. Der wollte in der Vergangenheit die Airline eher los werden als

ausbauen.

Die Airline-Pleiten der vergangenen Jahre, von Air Berlin, Small Planet Airlines

und Germania, hatten den Druck auf Tui erhöht, den Transport der Kunden selbst

sicher zu stellen. Die unsichere Situation beim Konkurrenten Condor, der nach

der Pleite des Mutterkonzerns Thomas Cook einen Käufer sucht, tat ein übriges,

um auch Joussen von der Notwendigkeit, das Fluggeschäft auszuweiten, zu

überzeugen. Zumal Tui Deutschland nach der Pleite von Thomas Cook mit deutlich

mehr Reisenden bei den eigenen Veranstaltern rechnet - die Rede ist von

zusätzlichen 500.000, das wäre ein Plus von fast 10%.

Bisher schickt Tui viele Kunden mit der Condor auf Reisen, die ein starkes

Standbein im Langstreckengeschäft hat. Nun wird das Fell des Bären verteilt,

bevor der Bär erlegt ist. Allerdings könnte es durchaus sein, dass Tuifly mit

dem gestern verkündeten Schritt dafür sorgt, dass es mit der Condor schneller zu

Ende geht. Denn ein möglicher Interessent muss die Wettbewerbssituation neu

bewerten und kommt nun vielleicht eher zu dem Schluss, dass sich ein - hohes -

Investment in Condor nicht lohnt.

Für die Airlinebranche insgesamt verschärft der Auftritt des neuen Mitspielers

die sowieso schon angespannte Wettbewerbssituation. Die Pleiten der

Vergangenheit haben nichts daran geändert, dass die Branche nach wie vor unter

Überkapazitäten ächzt. Die durch das Aus von Air Berlin gerissene Lücke ist

längst geschlossen, zudem haben Unternehmen wie Lufthansa das touristische

Langstreckengeschäft für sich entdeckt. Das hat längst einen ruinösen Preiskampf

zur Folge.

Tuifly ist allerdings dennoch in einer guten Startposition. Denn die

Tui-Fluglinien bekommen eine gute Auslastung alleine schon durch die Reisenden

der konzerneigenen Veranstalter zusammen, denen sie nun dank

Langstreckenfliegern ein umfängliches Angebot machen können. Im Regen stehen die

Airlines, die bisher mit Tui-Urlaubern unterwegs waren. Sie müssen sich noch

mehr Geschäft im Einzelplatzverkauf erkämpfen, das geht in der Regel nur über

den Preis und zu Lasten der Rentabilität.

(Börsen-Zeitung, 22.11.2019)

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