OTS: Börsen-Zeitung / Börsen-Zeitung: Ende des Irrsinns, Kommentar zur ...

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18.06.2019 20:35:41

Börsen-Zeitung: Ende des Irrsinns, Kommentar zur Geldpolitik von Mark

Schrörs

Frankfurt (ots) - Das passiert wahrlich nicht alle Tage:

EZB-Präsident Mario Draghi spricht über den künftigen EZB-Kurs und

liebäugelt dabei überraschend klar mit einer weiteren Lockerung - und

US-Präsident Donald Trump reagiert noch in den US-Morgenstunden und

geißelt das via Twitter als unfair. Wenn das alles nicht so traurig

wäre, man könnte nur noch darüber lachen!

Keine Frage, Trumps Attacken auf die EZB und den aus seiner Sicht

zu billigen Euro sind nicht ganz neu. Und die Attacke auf Draghi

dürfte auch ein Angriff auf US-Notenbankchef Jerome Powell sein, nun

endlich die Zinsen zu senken. Zufall, Zufall: Die Fed entscheidet am

Mittwoch. Das aber richtet den Fokus schon auf das eigentliche

Problem: Man kann sich aktuell zumindest nicht ganz des Eindrucks

erwehren, dass sich die beiden wichtigsten Zentralbanken der Welt

einen Wettlauf nach dem Motto "Wer kann lockerer?" liefern. Der aber

droht am Ende nur Verlierer zu haben. Geradezu katastrophal wäre es

sogar, wenn die sich zunehmend zum Handelskrieg auswachsenden

Zollkonflikte noch in einen Währungskrieg mündeten. Trump mag denken,

auch ein solcher Krieg sei leicht zu gewinnen. Die Zentralbanker

sollten es aber besser wissen.

Sicher, die wirtschaftliche Lage rund um den Globus hat sich

deutlich eingetrübt und die Risiken sind immens. Für Schwarzmalerei

besteht aber kein Anlass - und damit für die Zentralbanken kein Grund

überzureagieren. Es ist richtig, dass sie sich im aktuellen Umfeld

mit der eingeleiteten, respektive: avisierten geldpolitischen

Normalisierung zurückhalten. Die Fed hat da mehr Spielraum als die

EZB, die einen früheren Exit verpasst hat. Viel mehr als das braucht

es aber zumindest aktuell noch nicht. Vor allem dürfen sich die

Zentralbanken auch nicht von den Finanzmärkten in immer neue

geldpolitische Abenteuer hineintreiben lassen.

Letztlich gilt es für die Zentralbanker auch, die eigenen Grenzen

anzuerkennen. Wenn Trump & Co. mit ihrer aberwitzigen Handels- und

Wirtschaftspolitik die Weltwirtschaft ins Chaos stürzen, wird es den

Währungshütern schwerlich möglich sein, das zu verhindern. Sie können

keine Wunderdinge vollbringen. Wichtiger als immer niedrigere Zinsen

und immer noch mehr billiges Geld ist jetzt eine Einigung in den

zentralen Handelskonflikten. Dem G20-Gipfel Ende des Monats in Osaka

kommt deshalb eine immense Bedeutung zu. Jetzt braucht es keine

neuerliche Kehrtwende der Geldpolitik Richtung noch expansiverer

Politik. Jetzt braucht es eine Abkehr der politisch Verantwortlichen

vom (Handels-)Irrsinn der vergangenen Wochen und Monate.

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