OTS: Börsen-Zeitung / Börsen-Zeitung: Im Sinkflug, Kommentar zur Lufthansa ...

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17.06.2019 20:30:40

Börsen-Zeitung: Im Sinkflug, Kommentar zur Lufthansa von Heidi Rohde

Frankfurt (ots) - Nachdem es Lufthansa trotz Abstrichen durch die

Brüsseler Wettbewerbshüter gelungen war, signifikante Anteile der

Pleite gegangenen Konkurrentin Air Berlin zu übernehmen und damit den

Marktanteil der eigenen Low-Cost-Tochter Eurowings im deutschen und

europäischen Geschäft auszuweiten, kannte der Jubel der Investoren

keine Grenzen. Nach einem steilen Kursanstieg 2017 überflog die

Lufthansa-Aktie um die Jahreswende die 30-Euro-Marke. Der

Marktaustritt von Air Berlin nährte vor allem Hoffnungen auf eine

Preisberuhigung in den umkämpften Marktsegmenten der Kurz- und

Mittelstrecke.

Indes hatten sich die Anleger zu früh gefreut. Die ertragsstarke

Billigkonkurrenz zeigt sich entschlossen, ihr jeweiliges Stück aus

dem Air-Berlin-Kuchen mit Zähnen und Klauen zu verteidigen. Ryanair,

der letztlich die Konzernperle Niki zugefallen ist, kämpft mit

Niedrigstpreisen um Marktanteile im europäischen Kurztrip- und

Ferienverkehr und nimmt dafür im laufenden Geschäftsjahr auch einen

Gewinnrückgang in Kauf; Easyjet ist ebenfalls sehr preisaggressiv auf

den innerdeutschen Routen von und nach Berlin.

Die Lufthansa tut sich in diesem Gefecht schwer, denn die

Kostenschere zwischen Eurowings und den Wettbewerbern ist noch immer

groß, zumal die Sparmaßnahmen nicht im erhofften Tempo vorankommen.

Eine tragfähige Mischkalkulation aus höheren Erträgen im

geschäftlichen Vielfliegerverkehr und niedrigeren Einnahmen aus dem

preisbewussten Urlaubersegment hat die Tochter bisher offenbar nicht

gefunden. In der Folge muss Eurowings nicht nur den für dieses Jahr

avisierten Turnaround aufgeben, sondern traut sich auch keine

Prognose zu, wann dieser stattdessen erreicht werden soll.

Der Vertrauensverlust bei den Anlegern ist gravierend, zumal die

Auswirkungen des widrigen Preisumfelds im Konzern immerhin durch

geringere als zunächst kalkulierte Treibstoffkosten abgefedert

werden. In dieser Lage wird es nicht genügen, auf das langfristig

intakte Wachstumsprofil der Luftverkehrsbranche hinzuweisen, um der

Aktie neues Leben einzuhauchen. Denn kurzfristig drohen jenseits des

Erlösdrucks noch weitere Belastungsfaktoren, falls die diesjährige

Sommersaison in organisatorischer Hinsicht nicht wesentlich besser

läuft als letztes Jahr - und danach sieht es zumindest aus Sicht von

Experten nicht unbedingt aus.

Am Kapitalmarkttag in einer Woche muss der Lufthansa-Vorstand ein

überzeugendes Konzept vorlegen, wie Wachstum und Profitabilität

gesichert werden sollen, sonst wird sich der Sinkflug der Aktie

fortsetzen.

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