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09.10.2019 19:40:40

Börsen-Zeitung: Masse und Klasse / Kommentar zur Geldwäscheprävention

von Jan Schrader

Frankfurt (ots) - Folgt man der Darstellung des Bankenverbands, so

liegen die Nerven der Verantwortlichen für Geldwäscheprävention in

den Kreditinstituten blank. Nicht nur eine verschärfte Bußgeldpraxis,

sondern auch ein Urteil zum Umgang mit einer Altkanzlerwitwe -

Medienberichten zufolge Maike Kohl-Richter - hat demnach den Druck

erhöht. Denn nachdem die Witwe laut gerichtlicher Feststellung erst

ein Schließfach aufgesucht hatte und anschließend sage und schreibe

500.000 Euro in bar auf Konten einzahlte, die für eine Überweisung an

andere Banken bestimmt waren, hätte die Geldwäschebeauftragte des

Kreditinstituts die Transaktion direkt melden müssen, wie das

Oberlandesgericht Frankfurt am Main vor einem Jahr bestätigte. Die

Botschaft schien klar: Nicht private Geldhäuser müssen über den

Hintergrund einer Transaktion befinden, sondern die Behörden und

Staatsanwaltschaften. Also: Melden, bitte!

Melden, melden, melden - genauso gehen Banken mittlerweile vor.

Andere Berufszweige wie Immobilienmakler, Notare, Güterhändler und

Glückspielfirmen geben kaum Verdachtsfälle weiter, fast

ausschließlich die Kreditwirtschaft steht hinter der Flut an

Meldungen, denen sich die zuständige Zentralstelle des Zolls, die

Financial Intelligence Unit (FIU), ausgesetzt sieht. Natürlich sind

Transaktionen mit potenziell kriminellem Hintergrund dabei, etwa wenn

große Summen aus dem fernen Ausland auf ein Konto fließen und direkt

abgehoben werden oder ein vermeintlicher Verkauf eines Fahrzeugs

oder einer Immobilie den Zweck eines Geldflusses verschleiern soll.

Aber vieles, was aus der Kreditwirtschaft vermeldet wird, ist laut

Kreisen des FIU unbrauchbar, zumindest auf den ersten Blick. Der

Bankenverband formuliert seine Forderung daher deutlich: weniger

Masse, mehr Klasse.

Doch die Branche ist mit ihrer Forderung in einer schwierigen

Lage, denn die öffentliche Stimmung ist nach diversen

Geldwäscheskandalen von Großbanken, vermengt mit dem üblichen

Potpourri der Branchenschelte, gegen die Geldhäuser gerichtet. Der

Druck, mehr zu melden, wird bleiben. Eine bessere Vernetzung zwischen

Behörden und Finanzbranche dürfte aber dazu beitragen, den Umgang mit

all den Meldungen und Daten zu verbessern. Das FIU, das erst 2017 vom

Bundeskriminalamt an den Zoll übertragen worden war, hat eine

Bewährungsfrist verdient, während die Branche einen Anspruch auf

einen Erfahrungsaustausch hat. Die ersten Schritte dorthin sind

bereits unternommen. Masse und Klasse müssen kein Gegensatz sein.

(Börsen-Zeitung, 10.10.2019)

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