OTS: Börsen-Zeitung / Das Sustainability-Jahr, Marktkommentar von Kai Johannsen

OTS: Börsen-Zeitung / Das Sustainability-Jahr, Marktkommentar von Kai Johannsen
09.04.2021 20:29:38

Das Sustainability-Jahr, Marktkommentar von Kai Johannsen

Frankfurt (ots) - Das Jahr 2021 wird an den Finanzmärkten, insbesondere an den

Bondmärkten, im Zeichen von Sustainability stehen. Denn grüne, soziale und damit

nachhaltige Aspekte stehen bei allen Emittentenkreisen sehr hoch auf der Agenda.

Das ist eine positive Lehre, die aus der Krise gezogen werden kann - auch wenn

es immer schwierig ist, bei einer Krise, insbesondere bei einer, die

menschliches Leid bis hin zu Todesfällen mit sich bringt, von positiven Effekten

oder Konsequenzen zu sprechen.

Das erste Quartal hat be­reits gezeigt, wie stark Klima-, Umweltschutz- und

soziale Aspekte gewichtet werden, wenn man sich die Emissionen von

entsprechenden Anleihen ansieht. Immer mehr Emittenten springen auf den Zug auf,

und das betrifft alle Segmente, ob nun Staaten, den SSA-Bereich (Supranationals,

Sub-Sovereigns, Agencies), Finan­cials oder Unternehmen. Damit knüpfte das erste

Vierteljahr emissionsseitig nahtlos an die gute Performance des dritten und

vierten Quartals 2020 an. So trat der Bund im dritten Quartal mit seiner ersten

grünen Bundesanleihe auf, die auf enormen Zuspruch traf. Die Europäische Union

(EU) stellte mit mehr als 230 Mrd. Euro Nachfrage kurze Zeit später den nächsten

Meilenstein auf. In der neuen Handelswoche wird die EU Neuerungen zu ihren

diesbezüglichen Emissionen bekannt geben. Investoren greifen bei grünen,

sozialen und nachhaltigen Papieren beherzt zu. Emittenten müssen also keine

Platzierungsschwierigkeiten fürchten.

Hinzu kommen die günstigen Marktkonditionen, abzulesen am Greenium (Green und

Premium). Denn grüne Zinspapiere, deren Erlöse in Klima- und

Umweltschutzprojekte investiert werden, können zu niedrigeren Renditen am Markt

platziert werden als herkömmliche, also nicht-grüne Anleihen. Das motiviert

Emittenten, solche Papiere zu begeben, denn die angestrebten Investitionsobjekte

können günstiger finanziert werden als mit traditionellen Bonds.

Das Gleiche wird sich in den nächsten Wochen und Monaten auch immer stärker für

soziale und nachhaltige Anleihen herauskristallisieren. Die Social und

Sustainability Bonds werden über die Zeit hinweg zeigen, dass die Renditekurve

dieser Anleihen unterhalb der Zinsstrukturkurve der herkömmlichen, also

nicht­-sozialen und nicht-nachhaltigen Bonds liegt. Die Pandemie hat

Marktteilnehmern vor Augen geführt, wie wichtig Klima- und Umweltschutz sind,

hat doch etwa das Arbeiten im Homeoffice umgekehrt zur Konsequenz gehabt, dass

Fahrten zur Arbeit ausblieben. Das zeigte positive Auswirkungen auf das Klima.

Soziale Aspekte, wozu nicht nur das Homeoffice gehört, werden in Unternehmen,

Finanzinstitutionen und staatlichen Einrichtungen in den nächsten Monaten und

Jahren in der Beachtung und Gewichtung einen ganz anderen Stellenwert haben, als

es vor der Krise der Fall gewesen ist.

Das Erfordernis, Wirtschaft und Gesellschaft in eine grünere, sozialere und

nachhaltigere Welt zu überführen, lässt sich wohl kaum bestreiten. Das erfordert

aber auch einen enormen Kraftakt hinsichtlich der Investitionen und damit der

Refinanzierung. Der größte Teil wird in den nächsten Monaten und Jahren via

Bondemissionen finanziert. Der Bondmarkt wird also von allen Emittentengruppen

sehr stark mit Green, Social und Sustainability Bonds geflutet. Da auch die

Anleger - ob nun institutionell oder privat - immer stärker grüne, soziale und

nachhaltige Aspekte bei ihren Investments in den Vordergrund stellen, wird die

Nachfrage nach diesen Anleihe­arten hoch bleiben. Emittenten haben deshalb kaum

einen Käuferstreik zu befürchten.

Noch sind Wirtschaft und Gesellschaft aber nicht in dieser nachhaltigen Welt

angekommen, ein Gutteil der Wegstrecke ist noch zurückzulegen. Der Markt

befindet sich damit in der Übergangsphase (Transition Finance). Viele

Sustainability-linked Bonds, also nachhaltigkeitsbezogene bzw.

nachhaltigkeitsgebundene Anleihen, mit denen Projekte hin zu einer stärkeren

nachhaltigen Ausrichtung finanziert werden, werden in dieser Phase auf den Markt

kommen. Auch bei ihnen ist ablesbar, dass Investoren regen Zuspruch zeigen. Auch

das hat in der Krise nochmals einen enormen Schub erfahren, gerade auf der

Emissionsseite.

Grüne und nachhaltige Anleihen haben im vorigen Jahr die Emissionsmarke von 1

Bill. Dollar überschritten. Aus der Taufe gehoben wurden Green Bonds 2007 von

der in Luxemburg ansässigen Europäischen Investitionsbank (EIB). Man muss

angesichts der aktuellen Situation und Erfahrungen aus der Pandemie kein Prophet

sein, um sagen zu können, dass die zweite Billion nicht noch mal so lange auf

sich warten lassen wird.

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