OTS: Börsen-Zeitung / Verlorene Jahre, Kommentar zur privaten Altersvorsorge ...

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23.02.2021 20:30:38

Verlorene Jahre, Kommentar zur privaten Altersvorsorge in Deutschland

von Silke Stoltenberg

Frankfurt (ots) - Für die Altersvorsorge sind es verlorene Jahre gewesen. Aus

dem Versprechen der Bundesregierung, die Riester-Rente zu reformieren, ist

Nullkommanichts worden. Es ist wirklich bitter für diejenigen, die aufgrund des

demografischen Wandels immer weniger aus der gesetzlichen Rente zu erwarten

haben und selbst für ihr Auskommen im Alter aktiv werden müssen. Insofern kann

man der Fondsbranche nur beipflichten, dass das deutsche System in eine immer

größere Schieflage gerät. Für die neue, wie auch immer geartete Bundesregierung

wird die Aufgabe umso dringlicher sein, die Reform der Altersvorsorge endlich

anzupacken.

Wie sich die Fondsbranche das vorstellt, hat sie nun noch einmal präzisiert und

zudem an neue Entwicklungen angepasst. Und da sind durchaus gute Denkanstöße für

die Politik dabei. Dass der Sparer-Freibetrag seit Jahren nicht erhöht wurde,

während Verbraucherpreise, Renten, Steuerfreibetrag und

Beitragsbemessungsgrenzen stetig nach oben gingen, ist ein wunder Punkt. Denn

was hilft es denn, einerseits staatliche Gelder als Zulagen für

Altersvorsorgeprodukte zu gewähren, während andererseits der Freibetrag auf

unzureichendem Niveau verharrt und dann sofort den Leuten 25 Prozent

Abgeltungssteuer aus der Tasche gezogen werden, wenn sie zusätzlich privat

vorsorgen. Eine Erhöhung des Pauschbetrags wie auch eine regelmäßige Anpassung

an Inflation und Lohnentwicklung sind sinnvolle Vorschläge des Fondsverbands

BVI. Auch die Idee, "verfallene" Freibeträge aus den Vorjahren für die Zukunft

aufsparen zu können, überzeugt.

Positiv ist auch, dass die Fondsanbieter Bereitschaft signalisieren, sich statt

einer reformierten Riester-Rente ein neues staatlich gefördertes

Altersvorsorgeprodukt vorstellen zu können. Denn angesichts der lautstarken

Kritik an diesem Produkt ist es fraglich, ob sich eine neue Regierung wirklich

noch an dieser schwierigen Herausforderung versuchen will oder lieber einen

Neustart wagt. Da ist es auf jeden Fall aus Sicht der Fondsbranche besser, sich

für alle Lösungen offen zu zeigen - zumal gerade aus der Politik schon viele

andere Ideen weg von der Riester-Rente kamen. Zentral wird dabei sein, dass

hundertprozentige Garantieversprechen gegenüber Vorsorgesparern keine Zukunft

mehr haben, sonst sind die Aussichten für Vorsorgesparer auf auskömmliche

Renditen schlecht. Für die dringend notwendige Reform der Altersvorsorge braucht

die neue Regierung Mut - und ein konstruktives Mitwirken der Finanzbranche.

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