OTS: Deutsche Bank AG / Kapitalmarktausblick 2021: Ein Jahr mit Chancen, die ...

OTS: Deutsche Bank AG / Kapitalmarktausblick 2021: Ein Jahr mit Chancen, die ...

WKN: 514000 ISIN: DE0005140008 Deutsche Bank AG

8,95 EUR
-0,20 EUR -2,14 %
22.01.2021 - 18:36
24.11.2020 11:01:38

Kapitalmarktausblick 2021: Ein Jahr mit Chancen, die gesucht und

gefunden werden müssen (FOTO)

Frankfurt am Main (ots) -

- Die Weltwirtschaft wird sich weiter erholen, größter Unsicherheitsfaktor

bleibt die Corona-Pandemie

- Preiswerte, zyklische Aktien sollten besonders profitieren - die Verlierer der

Krise holen auf

- Gold glänzt nicht mehr: Industriemetalle sollten sich besser entwickeln als

Edelmetalle

Das Jahr 2020 war ein Jahr voller Herausforderungen - auch für Anleger. Die

Corona-Pandemie hat die Gesellschaft, die Weltwirtschaft und zeitweise auch die

Kapitalmärkte hart getroffen. Wie es 2021 mit der Wirtschaft und an den

Finanzmärkten weitergeht, werde weiterhin in hohem Maße davon abhängen, wie sich

die Corona-Pandemie entwickelt, betonen die Kapitalmarktexperten der Deutschen

Bank in ihrem Ausblick 2021, den sie heute in Frankfurt am Main vorgestellt

haben. "Wir sehen aktuell mehr Chancen als Risiken", sagt Dr. Ulrich Stephan,

Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden der Deutschen Bank. Die Börse

blicke nach vorne und dürfte sich demnach weiter deutlich erholen. "Denn auch

die wirtschaftliche Erholung sollte sich nach dem schwierigen Winterhalbjahr

fortsetzen. Die wohl schnellere Verfügbarkeit von Impfstoffen wird diese

Entwicklung sogar noch beschleunigen", ergänzt Stefan Schneider, Chefvolkswirt

für Deutschland bei Deutsche Bank Research. Doch es gebe zahlreiche Risiken,

auch und vor allem wegen der noch immer steigenden Infektionen und den damit

verbundenen Einschränkungen in vielen Ländern. Das mache Prognosen schwieriger.

Trotzdem blicken die Experten der Deutschen Bank optimistisch ins kommende Jahr.

Die derzeitigen Beschränkungen des gesellschaftlichen und wirtschaftlichen

Lebens würden zwar die Wirtschaft im Winterhalbjahr belasten, so Schneider.

"Aber selbst wenn sie verlängert werden, dürfte der Wirtschaftseinbruch längst

nicht so stark sein wie im Frühjahr." Schneider erwartet, dass sich die

Wirtschaft 2021 weiter erholt. "Die Weltwirtschaft erlebt derzeit den tiefsten

Einbruch seit dem Zweiten Weltkrieg, aber der Ausblick auf 2021/22 hellt sich

auf." Allerdings unter Vorbehalt: So blockieren gerade Ungarn und Polen den

notwendigen Beschluss zu den Corona-Hilfen der EU. Betroffen von dem Veto ist

neben den geplanten Corona-Wiederaufbauhilfen im Umfang von bis zu 750

Milliarden Euro auch die mittelfristige EU-Haushaltsplanung. Diese umfasst für

die nächsten sieben Jahre Mittel in Höhe von knapp 1,1 Billionen Euro. Insgesamt

geht es um ein Paket in Höhe von mehr als 1,8 Billionen Euro. Auch die genaue

Höhe des nächsten erwarteten Konjunkturpakets in den USA ist derzeit noch offen.

Stärkstes Wachstum seit Jahrzehnten

Die Corona-Pandemie hat die Wirtschaft hart getroffen. Das globale

Bruttoinlandsprodukt (BIP) dürfte laut Schneider im laufenden Jahr um 3,5

Prozent gegenüber dem Vorjahr schrumpfen. Für 2021 erwartet er ein Wachstum von

5,9 Prozent. Diese Gegenbewegung wäre das stärkste Wachstum seit Jahrzehnten. In

den USA schrumpft die Wirtschaft 2020 wohl um 3,6 Prozent und sollte 2021 dann

um 4,0 Prozent zulegen. In der Eurozone liegt das Minus bei 7,4 Prozent, im

kommenden Jahr dürfte das BIP um 5,6 Prozent klettern. Deutschland kommt mit

einem erwarteten Minus von 5,5 Prozent besser durch die Krise als beispielsweise

die europäischen Südländer, im kommenden Jahr sollte das BIP um 4,5 Prozent

zulegen - das stärkste Wachstum seit der Wiedervereinigung. Aus wirtschaftlicher

Perspektive meistert China die Corona-Pandemie am besten: Das BIP wächst im

kommenden Jahr voraussichtlich um 9,5 Prozent, nach einem Plus von 2,2 Prozent

im laufenden Jahr. "Chinas Wirtschaft hat die V-förmige Erholung zur Jahresmitte

2020 weitgehend abgeschlossen. Die chinesische Wirtschaft brummt, und davon

profitiert spürbar auch die exportorientierte deutsche Industrie", sagt

Schneider. Im kommenden Jahr dürfte das Reich der Mitte für viele Schlagzeilen

sorgen. "Die kommunistische Partei begeht ihren 100. Geburtstag, und es ist das

Jahr des Bullen - da wird die Regierung alles für ein starkes und solides

Wachstum tun", so Stephan.

Investoren blicken aber natürlich auch auf die USA, wo der neugewählte Präsident

Joe Biden im Januar aller Voraussicht die Amtsgeschäfte übernehmen wird. "Biden

dürfte den Druck auf China zwar weiterhin beibehalten, dabei aber weniger

konfrontativ agieren und stattdessen multilaterale Ansätze fahren. Wir erwarten

deshalb mehr Berechenbarkeit im Außenhandel der USA", erläutert Schneider. "Der

Handelskonflikt mit der EU dürfte sich wohl entschärfen." Da der US-Kongress

gespalten ist, rechnen Experten mit einem "Biden light": Die Demokraten werden

ihre großen, transformativen Programme kaum realisieren können, darunter die

Rücknahme der Trump-Steuerreform, der New Green Deal, die Zerschlagung großer

Tech-Firmen oder der Mindestlohn in Höhe von 15 US-Dollar. Auch geplante massive

Fiskalprogramme in Höhe von zwei bis drei Billionen Dollar dürften an der

voraussichtlich konservativen Senatsmehrheit scheitern. "Ein Kompromiss dürfte

bei rund 750 Milliarden Dollar liegen und weitere Unterstützung für Arbeitslose,

Hilfen für Schulen und den Gesundheitssektor sowie Infrastrukturausgaben

umfassen", prognostiziert Schneider.

Inflation: Erst einmal nicht, aber dann?

Notenbanken haben bereits eine nochmalige Ausweitung ihrer expansiven Politik in

Aussicht gestellt. Damit soll verhindert werden, dass die massiv steigenden

Fiskaldefizite in restriktiveren Kapitalmarktbedingungen münden. "Kurzfristig

wird das zwar noch nicht zu Inflation führen", so Schneider. "Anleger sorgen

sich aber zunehmend über ein Szenario, bei dem es zu einer deutlichen Trendwende

bei der Inflation kommt. Für 2021 ist das aber noch kein Thema." Die

Inflationserwartungen würden aber natürlich schon jetzt die Kapitalmärkte

umtreiben, ergänzt Stephan mit Blick auf die Realrenditen und den Goldpreis.

Wie also positionieren in diesem Umfeld? "Für Anleger wird 2021 ein Jahr mit

Chancen, die gesucht und gefunden werden müssen", sagt Anlagestratege Stephan.

Zinserhöhungen durch die Notenbanken sind nicht zu erwarten. Die Leitzinsen

bleiben niedrig. Spareinlagen werden also weiterhin kaum Rendite abwerfen. An

den Rentenmärkten sieht es anders aus. "Mit der erwarteten volkswirtschaftlichen

Erholung sollten die Renditen von Anleihen mit längeren Laufzeiten leicht

zulegen, während Renditen für Kurzläufer sicherlich noch länger von den

Notenbanken niedrig gehalten werden", sagt Stephan. Er schließt nicht aus, dass

es turbulente Phasen an den Rentenmärkten geben könnte. "In den vergangenen

beiden Jahren ist das Geld vor allem in Anleihen geflossen und raus aus Aktien",

sagt er. "Wenn mit der wirtschaftlichen Erholung eine Normalisierung einsetzt

und Investoren wieder umschichten, könnten die Anleihenkurse kurzfristig stärker

nachgeben und deren Renditen entsprechend steigen." Mit geringeren politischen

Unsicherheiten unter Präsident Biden dürfte der US-Dollar weniger stark als

sicherer Hafen gefragt sein und erst einmal schwächer tendieren. Diese Schwäche

sollte der Greenback aber im Jahresverlauf mit dem erwarteten höheren Wachstum

in den USA hinter sich lassen.

Aktien: Die Letzten werden die Ersten sein

Chancen finden Anleger vor allem an den Aktienmärkten. "Die Erwartungen für die

Unternehmensgewinne haben sich für viele Firmen nicht nur stabilisiert, sondern

dürften sich für 2021 deutlich positiver entwickeln", sagt Stephan. "In vielen

Branchen waren die Gewinne 2020 jedoch schwach, darum hängt die Latte für eine

Steigerung 2021 nicht hoch." Entsprechend sollten sich solche Werte erholen, die

dieses Jahr besonders gelitten haben. Das sind vor allem preiswerte, zyklische

Aktien aus den Branchen Tourismus, Industrie, Automobile sowie Metall- und

Bergbau, weil sie von einer Konjunkturerholung profitieren. "Die Verlierer der

Krise werden aufholen. Die Bewertungsunterschiede zwischen Wachstumstiteln und

Value-Aktien sind zu groß geworden, um sie zu ignorieren", so Stephan. Das liegt

natürlich nicht unerheblich an den massiven Gewinneinbrüchen klassischer

Value-Branchen in der Corona-Rezession. Darüber hinaus sieht der Experte Chancen

bei Gesundheitsaktien. Weniger gut könnten teure defensive Werte wie

Gebrauchsgüter sowie Nahrungsmittel und Getränke laufen. "Bei Technologiewerten

stimmt natürlich der langfristige Trend, kurzfristig könnte es aber aufgrund der

teilweise hohen Bewertungen sein, dass sie sich in den kommenden Monaten

schlechter entwickeln als die Titel anderer Branchen", ergänzt Stephan.

Entsprechend erscheine Europa als Anlageregion interessanter als die USA, wo IT-

und Internetwerte für rund 40 Prozent des Aktienmarktes stehen.

Der Glanz des Goldes verblasst

Einen Favoritenwechsel gibt es auch bei Rohstoffen: Industriemetalle sollten

sich besser entwickeln als Edelmetalle. Kupfer beispielsweise profitiert von der

zunehmenden Nachfrage nach Elektroautos. Aber auch Palladium ist weiter

nachgefragt, solange Verbrennungsmotoren gebaut werden. Bei Öl- und

Energieunternehmen sollten Anleger auf die Friedensverhandlungen in Libyen sowie

mögliche neue Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran achten. Die

Energiepreise dürften sich nach den turbulenten Entwicklungen 2020 stark

bewegen, weshalb Stephan bei Energieaktien eher zurückhaltend ist.

"Gold wird vermutlich weniger gefragt sein", sagt Stephan. Wenn sich die

Wirtschaft weiter erholt, ist dieser sichere Hafen nicht mehr so stark

nachgefragt. Hinzu kommt, dass bei höheren Zinsen die relative Attraktivität von

Gold abnimmt. Kritisch sieht er Kryptowährungen wie den Bitcoin, die seiner

Meinung nach hochspekulativ und damit für den langfristigen Vermögensaufbau kaum

geeignet sind: "Ein sicherer Hafen oder gar ein Ersatz für Gold sind sie nicht."

Immobilien: Das Büro steht noch

Auch die Anlageklasse Immobilien sollten Anleger nicht pauschal als sicher

einschätzen. Es gibt viele Chancen, jedoch auch einige Risiken. Die gute

Nachricht: "Das Büro steht noch", sagt Stephan. Auch wenn die Menschen

vermutlich künftig öfter im Homeoffice oder mobil arbeiten: "Die deutsche

Wirtschaft verändert sich - mehr Dienstleistungen, weniger Industrie.

Entsprechend steigt der Bedarf an Büroflächen." Ebenso wie die Nachfrage nach

Lagerflächen - Stichwort Onlinehandel und kurzer Weg zum Kunden.

Der Einzelhandel steht hingegen zunehmend vor Problemen und das nicht nur wegen

des Internethandels. Autos werden aus den Innenstädten verdrängt, das macht das

Einkaufen für viele dort unattraktiver. "Der Einzelhandel muss sich wandeln,

sonst wandert immer mehr Geschäft ins Internet oder auf die grüne Wiese", sagt

Stephan. Die Preise für Wohnimmobilen dürften vor allem in den Großstädten

weiter steigen. "Der Trend zur Urbanisierung wird auch durch die Corona-Krise

nicht ausgebremst oder gar umgedreht", betont Stephan. "Die Menschen zieht es

weiter in die Städte, und in Deutschland wird hier noch immer zu wenig gebaut."

Nachhaltigkeit: Investieren in die Zukunft

Die gute Nachricht lautet: "Anleger können mit ESG-Investitionen Geld

verdienen", ist Stephan überzeugt. Die Buchstaben ESG stehen für das

Berücksichtigen von Kriterien aus den Bereichen Umwelt (Environmental), Soziales

(Social) und verantwortungsvolle Unternehmensführung (Governance). Der

Klimawandel beschäftigt auch Politik und Wirtschaft. Die Gesellschaft macht

Druck, die Regulierung will mehr Nachhaltigkeit, und auch Investoren legen immer

mehr Wert darauf. Die Rettungs- und Fiskalprogramme der Staaten und Notenbanken

sind teils an ESG-Kriterien gebunden, der künftige US-Präsident Biden will grüne

Energien fördern, und auch China setzt zunehmend auf erneuerbare Energien.

"Europa ist Vorreiter beim Thema Nachhaltigkeit. Besonders deutsche

Industrieunternehmen sind hier sehr stark", so Stephan. "Anleger sollten das

Thema nicht außer Acht lassen, auch um ein besseres Chance-Risiko-Profil zu

erzielen und damit die Risiken im Portfolio breiter zu streuen."

Insgesamt deutet vieles darauf hin, dass 2021 ein chancenreiches Jahr wird. "An

den Aktienmärkten dürften weitere gute Nachrichten über potenzielle Impfstoffe

für Rückenwind sorgen", sagt Stephan. "Die Börsen dürften das honorieren und auf

eine beschleunigte wirtschaftliche Erholung setzen."

Pressekontakt:

Deutsche Bank AG

Kommunikation

Dr. Markus Weik

Telefon: 069 910 - 41349

E-Mail: mailto:markus.weik@db.com

Hanswolf Hohn

Telefon: 069 910 - 84752

E-Mail: mailto:hanswolf.hohn@db.com

Weiteres Material: http://presseportal.de/pm/8994/4772322

OTS: Deutsche Bank AG

ISIN: DE0005140008

Aktien in diesem Artikel

Deutsche Bank AG 8,92 -2,51% Deutsche Bank AG

Nachrichten zu Deutsche Bank AG

  • Relevant
  • Alle
  • vom Unternehmen

Aktienempfehlungen zu Deutsche Bank AG

  • Alle
  • Buy
  • Hold
  • Sell
21.01.21 Deutsche Bank Underperform Credit Suisse Group
15.01.21 Deutsche Bank Underweight Barclays Capital
14.01.21 Deutsche Bank Underweight Morgan Stanley
06.01.21 Deutsche Bank Underperform RBC Capital Markets
15.12.20 Deutsche Bank Neutral UBS AG
mehr Aktienempfehlungen

Nachrichten

  • Nachrichten zu Aktien
  • Alle Nachrichten
pagehit