Mit großem Marketingaufwand und kostenlosen Upgrades drückt Microsoft derzeit Windows 10 in den Markt. Mit seinem neuen Betriebssystem, das immer mehr Tablets und Smartphones erobern soll, kämpft der Softwareriese um die Vorherrschaft auf den Endgeräten im weltweiten Netz - und erlebt dabei fast ein PR-Desaster mit seiner Lust am Datensammeln. Zugleich stellt sich die Frage, ob mit Betriebssystemen auf Endgeräten künftig überhaupt noch Geld zu verdienen ist.

Anders das Bild im Bereich IT-Infrastruktur für Unternehmen: Ebenfalls Ende Juli, aber ohne viel Aufhebens kam das US-Unternehmen Red Hat mit Version 6.7 des Betriebssystems Red Hat Enterprise Linux (RHEL) heraus, das vor allem auf Servern beliebt ist. Das Besondere: RHEL ist wie alle Linux-Betriebssysteme Open Source, das heißt, der Quellcode ist offen. Jeder Nutzer kann ihn weiterentwickeln und an die eigenen Anforderungen anpassen.

Red Hat zeigt seit Jahren, dass es mit diesem Modell kontinuierlich wachsen und Geld verdienen kann, obwohl es auf sonst übliche Eigentumsrechte an sogenannter "proprietärer" Software verzichtet. Stattdessen bietet das Unternehmen Aboverträge für die Software, Updates und Dienstleistungen wie Schulungen an. Während es damit inzwischen 53 Quartale in Folge beim Umsatz zulegte, stieg auch das Nettoergebnis von 2011 bis 2015 (jeweils bis 28. Februar) um 68 Prozent.

Für seine Produkte kann Red Hat auf das Know-how einer breiten und freien Gemeinschaft von Entwicklern zurückgreifen, die verschiedene Projekte laufend weiterentwickeln, zum Beispiel Fedora Linux, die Basis von RHEL. Red Hat arbeitet auch selbst an den Projekten mit, zum Teil in führender Rolle. Der Konzern erspart sich aber in der Regel einen großen Kraftakt, wie ihn etwa Microsoft mit jeder neuen Windows-Version bewältigen muss. Zudem überzeugen professionelle Anwender insbesondere bei Linux Sicherheit und Qualität, wie dessen wachsender Anteil im Serverbereich zeigt.

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Die Zukunft liegt in der Wolke



Seit dem Börsengang 1999 zu Zeiten der Internetblase hat sich Red Hat als wichtigstes Unternehmen im Open-Source-Bereich behauptet. Drei Viertel seines Umsatzes erzielt der Konzern aktuell mit RHEL sowie Virtualisierungslösungen, wie sie ebenfalls auf Servern laufen.

Noch mehr Wachstumsfantasie bieten neue Anwendungen und Technologien insbesondere für Cloud-Computing und Datenspeicherung. In den vergangenen drei Geschäftsjahren stieg ihr Anteil von neun auf über 13 Prozent. Red-Hat-Chef Jim Whitehurst zeigte sich zuletzt gegenüber Analysten angetan vom großen Interesse bei IT-Entscheidern an OpenStack, der Open-Source-Plattform für die Cloud.

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Risiko Hoch

WKN 923 989

Börsenwert 13,0 Mrd. €

KGV 2016e 36,8

Kurs 71,60 €

Kursziel 90,00 €

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