BRANCHENREPORT

Rocket-Internet Aktie und Co: Start-up-Finanzierer - Mit dem Hype ins Minus

Rocket-Internet Aktie und Co: Start-up-Finanzierer - Mit dem Hype ins Minus
09.10.2016 15:30:00

Seite 2 von 3



Profit als neue Priorität



Dass es zu Abwertungen bei den Berlinern kam, liegt auch an einem Stimmungswandel. "Den Investoren ist Profitabilität wichtiger geworden", beobachtet Eric Leupold, der bei der Deutschen Börse ein Finanzierungsnetzwerk für Start-ups aufbaut. Bisher lautet die gängige Logik zur Entwicklung von Jungunternehmen: schnell wachsen, Markt dominieren, Masse aufbauen. Erst danach soll ein profitables Geschäft dank sinkender Expansions- und Marketingkosten entstehen. An dieses Versprechen glauben Investoren jedoch immer weniger. Leidvoll erfahren musste das auch Windeln.de. Die Aktie des Start-ups für den Versand von Babyartikeln kam für 18 Euro an die Börse, heute steht der Kurs unter vier Euro.

Die neue Skepsis ist besonders in Amerikas Technologiemekka, im Silicon Valley, spürbar. "Es ist Winter im Valley. Angesichts der Milliardenbewertungen, die einige Start-ups mittlerweile haben, scheuen Investoren aktuell den Lackmustest Börse", sagt der auf Start-ups fokussierte Berater Peter Lennartz. Tatsächlich wagten im ersten Halbjahr 2016 nur 16 Start-ups den Gang auf das Parkett. Im Vorjahr waren es noch 48 gewesen.

Visionen als Bewertungsmaßstab



Dass neue, unerprobte Geschäftsmodelle dennoch mitunter Milliarden wert sein können, hat auch mit der Sichtweise der Investoren zu tun. Risikokapitalgeber bewerten das Potenzial, das eine Geschäftsidee entfalten könnte. Anders als an der Börse richtet sich ihr Blick aber nicht auf die kommenden zwölf Monate, sondern auf bis zu zehn Jahre nach vorn.

Bei Start-ups, die viel Interesse wecken, kann unter den Schlange stehenden Geldgebern zusätzlich eine Art Wettbieten nach unten stattfinden. Wer für zehn Millionen Euro nur ein Prozent statt zehn Prozent der Firma will, bekommt den Zuschlag. Denn werden für ein Prozent zehn Millionen gezahlt, sind für die gesamte Firma eine Milliarde statt nur 100 Millionen Euro fällig.

Gleichzeitig lassen sich junge Firmen gerade in frühen Entwicklungsphasen kaum nach objektiven Maßstäben bewerten. In der Branche heißt es daher, das Wichtigste bei einem Start-up sei ein fähiges Gründerteam, das die versprochene Vision umsetzen kann. Menschen richtig einzuschätzen kann allerdings noch schwerer sein, als Unternehmen zu bewerten. Wie anspruchsvoll diese Aufgabe ist, lässt sich an der Erfolgsquote der Finanziers ablesen. Der Venture-Capital-Investor Horsley Bridge hat 7000 Deals von 1985 bis 2014 ausgewertet und entdeckt, dass 60 Prozent der Rendite mit nur sechs Prozent der Beteiligungen erzielt werden.

"Start-ups, in die wir investieren, müssen das Potenzial haben, zu einem Milliardenunternehmen zu werden. Als Venture-Capital-Investor brauchen Sie dieses Potenzial auch, weil fast die Hälfte Ihrer Investments es nicht schafft. Trotz solcher Verluste mit Ihren Fonds dann noch einen Gewinn zu machen, geht nur, wenn Sie einige richtige Gewinner im Portfolio haben", erklärt Christoph Miele von E.ventures. Der Risikokapitalgeber finanziert Start-ups weltweit mit 1,2 Milliarden Dollar.

Die Streuung der Investments ist daher für alle Start-up-Finanzierer wichtig. Die German Startups Group ist mit 47 Beteiligungen breit aufgestellt, bei den Berlinern überschreitet ein Investment selten mehr als fünf Prozent. Der GSG fällt es im aktuellen Umfeld schwer, Eigenkapital einzusammeln. Weil eine Kapitalerhöhung den Aktienkurs zu sehr drücken würde, wird aktuell mit einem Kredit privater Geldgeber über acht Millionen Euro investiert.

Da hat es die Auden AG besser. Der Finanzierer ist Anfang 2016 aus der früheren Kilian Kerner hervorgegangen und bereitet derzeit eine Kapitalerhöhung vor, die angeblich mit sieben Euro je Aktie deutlich über dem aktuellen Kurs liegen soll. Bisher hat die Firma erst drei Beteiligungen. Darunter ist mit Optiopay ein wirklich vielversprechendes Start-up, doch der Börsenwert nimmt eine sehr gute Entwicklung des Vermarkters von Zahlungsströmen bereits mehr als vorweg.

Mit den bis zu 15,5 Millionen Euro aus der Kapitalmaßnahme will Auden weiter investieren und insgesamt zehn Beteiligungen erwerben. Grund der limitierten Zahl: Die Berliner wollen größere Firmenanteile kaufen, damit die Wertentwicklung der Start-ups auf den Kurs durchschlägt. Die bis zu einem Exit, also bis zum Verkauf der Beteiligung, nur auf dem Papier existenten Bewertungsgewinne von Start-ups sollen so sofort kapitalisiert werden. Das klingt clever, erscheint jedoch wegen der Abhängigkeit von der Börsenstimmung sowie der geringen Liquidität der Aktie riskant. Außerdem wird auch Auden immer wieder Geld von seinen Aktionären brauchen, sollen kommende Finanzierungsrunden die eigenen Start-up-Anteile nicht verwässern.

Etwas weiter ist da die Finlab AG. Der ehemalige Finanzdienstleister konzen-triert sich auf Start-ups aus der Finanzbranche. An ihren vier Start-ups halten die Frankfurter jeweils über zehn Prozent und mit fünf Millionen Euro liegt noch Geld für Neuinvestments in der Kasse. Mit Deposit Solutions haben sie zudem ein potenzielles Einhorn im Portfolio. Auch die Geldquellen scheinen breit gestreut. Neben einer Kapitalerhöhung wird auch geprüft, einen Beteiligungsfonds aufzusetzen oder Anteile an der Beteiligungsgesellschaft Heliad zu verkaufen. Anders als Deposit Solutions sind die börsennotierten Start-up-Finanzierer damit keine Musterbeispiele. Für das hohe Risiko eines Investments lockt allerdings die Chance, dass eine der Firmen tatsächlich die nächste Facebook mitfinanziert.

Seite: 1 | 2 | 3

Aktien in diesem Artikel

Alphabet A (ex Google) 1.995,60 -0,64% Alphabet A (ex Google)
Alphabet C (ex Google) 2.075,00 -0,72% Alphabet C (ex Google)
Amazon 2.809,00 0,68% Amazon
Delivery Hero 109,85 -1,17% Delivery Hero
Deutsche Börse AG 140,55 1,08% Deutsche Börse AG
Facebook Inc. 275,00 -0,90% Facebook Inc.
FinLab AG 23,90 0,00% FinLab AG
Firma Holdings Corp 0,09 1,43% Firma Holdings Corp
SGT German Private Equity GmbH & Co. KGaA 1,63 1,88% SGT German Private Equity GmbH & Co. KGaA

Nachrichten zu Firma Holdings Corp

  • Relevant
  • Alle
  • vom Unternehmen

Aktienempfehlungen zu Firma Holdings Corp

  • Alle
  • Buy
  • Hold
  • Sell

Nachrichten

  • Nachrichten zu Aktien
  • Alle Nachrichten
pagehit