ROUNDUP 2: Schulbeginn in Corona-Zeiten - Sind die Länder gut vorbereitet?

ROUNDUP 2: Schulbeginn in Corona-Zeiten - Sind die Länder gut vorbereitet?
08.08.2020 15:31:38

BERLIN (dpa-AFX) - Zwei Schulschließungen wegen Corona-Infektionen kurz nach Schuljahresbeginn lassen nicht nur bei Eltern Zweifel aufkommen, dass die Kultusministerien die Ferienzeit ausreichend zur Vorbereitung genutzt haben. "Es ist ärgerlich, dass die Kultusminister das so lässig angegangen sind und die Sommerferien nicht dafür genutzt haben, einen verlässlichen Unterricht auch in Corona-Zeiten vernünftig vorzubereiten", sagte der Vorsitzende des Bundeselternrates, Stephan Wassmuth, der "Welt" (Samstag). Die Schulen seien zu schnell und unvorsichtig geöffnet worden.

Am Freitag waren in Mecklenburg-Vorpommern zwei Schulen nach wenigen Tagen wieder geschlossen worden. Eine Grundschule in Graal-Müritz nahe Rostock bleibt wegen eines infizierten Schülers zwei Wochen zu, ein Gymnasium in Ludwigslust mit rund 800 Schülern wird bis einschließlich Mittwoch kommender Woche geschlossen, nachdem eine Lehrerin positiv getestet wurde.

Der Ärzteverband Marburger Bund hält trotzdem die Rückkehr zum Regelbetrieb an Schulen für richtig. "Die Schule ist eine Großveranstaltung - aber eine, die wir uns leisten müssen", sagte Verbandschefin Susanne Johna der Deutschen Presse-Agentur. Die Überlegungen für Corona-Regeln kämen aber "teilweise erstaunlich spät, denn das Schuljahr beginnt ja nun nicht überraschend".

Nordrhein-Westfalen löste mit seinem Vorstoß, ältere Schüler vorerst (bis 31. August) auch im Unterricht Masken tragen zu lassen, eine Debatte aus. In anderen Bundesländern können die Masken im Unterricht abgenommen werden. Nun fordern auch Berliner Elternvertretungen, dass Schüler und Lehrer in der ersten Schulwoche im Unterricht einen Mund-Nasen-Schutz tragen sollten. Bisher ist das in Schulgebäuden lediglich auf Fluren, auf der Toilette, in Aufenthalts- und Begegnungsräumen vorgesehen.

Der Ärzteverband Marburger Bund nennt eine Maskenpflicht im Unterricht sinnlos. "Wenn alle auf ihren Plätzen sitzen und Abstand sichergestellt ist, macht das Tragen von Masken während der Unterrichtsstunden überhaupt keinen Sinn und wäre eine überflüssige Behinderung", sagte Johna der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (Samstag).

Der Deutsche Gewerkschaftsbund in Hessen fordert wesentlich mehr Geld für die personelle Ausstattung sowie für Schulbauten, um den Unterricht in kleineren Klassen zu ermöglichen. "Die Versäumnisse im investiven Bereich rächen sich gerade. Es geht darum, den Rückstau genau anzugucken und systematisch abzubauen", sagte Michael Rudolph, Vorsitzender des DGB-Bezirks Hessen-Thüringen, der dpa. Die Bildungsgewerkschaft GEW in Berlin fordert auch kleine Lerngruppen sowie eine Mischung aus Präsenzunterricht und häuslichem Lernen.

Angesichts gestiegener Infektionszahlen warnte der Marburger Bund vor wachsender Nachlässigkeit in der Corona-Pandemie. "Wir sehen schon einen kontinuierlichen Anstieg der Infektionszahlen - er ist flach, aber er ist da", sagte Johna der dpa. Die Zahl der Corona-Infektionen in Deutschland liegt den dritten Tag in Folge über der Schwelle von 1000 neuen Fällen. Das Robert Koch-Instituts meldete am Samstagmorgen 1122 neue Corona-Infektionen innerhalb eines Tages. Seit Beginn der Corona-Krise haben sich somit mindestens 215 336 Menschen in Deutschland nachweislich mit dem Virus Sars-CoV-2 infiziert.

Nach dem "Fehlstart" der beiden Schulen in Mecklenburg-Vorpommern richten sich jetzt die Blicke auch auf andere Bundesländer, wo die Schule in der kommenden Woche wieder beginnt. Darunter ist das bevölkerungsreichste Land Nordrhein-Westfalen. In Berlin, Brandenburg und Schleswig-Holstein geht die Schule am Montag wieder los, in NRW am Mittwoch. Nach Angaben aus den Ländern sind die Schulen inzwischen digital besser aufgestellt, sollte es wieder Schließungen und Fernunterricht geben.

In NRW mit seinen 5500 Schulen und rund 2,5 Millionen Schülern sollen alle Lehrkräfte und alle bedürftigen Schüler Laptops oder Tablets aus umfangreichen Mitteln von Bund, Land und Kommunen finanziert bekommen. Die Landesregierung sieht Investitionen in Höhe von rund 350 Millionen Euro für das Lehren und Lernen mit digitalen Medien vor. Das Förderprogramm laufe bis zum Jahresende. Nach Angaben des NRW-Digitalisierungsministeriums sind bislang mindestens 93 Prozent der Schulen ans schnelle, gigabit-fähige Internet angeschlossen oder werden es bald sein.

Bei der Digitalisierung waren BERLINs Schulen vor Corona nicht eben weit vorne. Häufig scheiterte es schon an einem leistungsfähigen Breitbandanschluss. Inzwischen haben den Angaben zufolge mehr als 600 Schulen in der Hauptstadt Medienkonzepte eingereicht, um Mittel aus dem bundesweiten, 5,5-Milliarden-Euro schweren Digitalpakt Schule abzurufen. Die Mittel aus dem Digitalpakt - insgesamt 257 Millionen Euro bis 2024 - flössen jetzt ab.

In BRANDENBURG wurde die Anbindung an die Schulcloud - eine gemeinsame Internet-Plattform mit digitalen Lehr- und Lerninhalten - massiv ausgeweitet. Ursprünglich sollten in diesem Jahr 100 Schulen an die Cloud angeschlossen sein, inzwischen arbeiten bereits 403 Schulen damit, 500 der insgesamt 916 Schulen sollen es im neuen Schuljahr werden.

Auch in SCHLESWIG-HOLSTEIN löste die Corona-Krise einen Digitalisierungsschub in Schulen aus. Das Land erhält aus dem Digitalpakt 170 Millionen Euro. Die Voraussetzungen, um Mittel abzurufen, seien weiter vereinfacht worden./rm/sam/jr/DP/stk

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