ROUNDUP: Lufthansa-Vorstand mahnt weitere Kostensenkung an - Aktie sackt ab

ROUNDUP: Lufthansa-Vorstand mahnt weitere Kostensenkung an - Aktie sackt ab

WKN: 823212 ISIN: DE0008232125 Lufthansa AG

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02.12.2020 - 19:55
26.10.2020 10:00:38

FRANKFURT (dpa-AFX) - Die Lufthansa will wegen global verschärfter Reisebeschränkungen erneut viele Flugzeuge stilllegen und noch stärker an der Kostenschraube drehen. Im Winterflugbetrieb 2020/21 könnten die Airlines der Gruppe maximal ein Viertel ihrer Vorjahreskapazität anbieten, heißt es in einem Brief des Lufthansa-Vorstandes an die Mitarbeiter. Die Zahl der Fluggäste werde voraussichtlich bei weniger als einem Fünftel des Vorjahreswertes liegen und damit noch einmal deutlich unter der angebotenen Kapazität. "Wir müssen daher unsere bisherigen Anstrengungen, die Kosten weiter herunterzubringen, noch einmal verstärken", heißt es in dem Schreiben vom Sonntag.

An der Börse wurden die Nachrichten negativ aufgenommen. Kurz nach Handelsbeginn am Montagmorgen ging es für die Lufthansa-Aktie um mehr als sechs Prozent abwärts unter die Marke von 8 Euro. Wenig später lag sie noch mit 3,03 Prozent im Minus bei 8,236 Euro, gehörte damit aber weiterhin zu den schwächsten Werten im MDAX.

Der weitgehende Geschäftsausfall infolge der Corona-Krise hat den Konzern wie andere Airlines in einen Existenzkampf versetzt. Nur milliardenschwere Staatshilfen retteten die Lufthansa im Sommer vor dem Aus. Dennoch hat die Aktie seit dem Jahreswechsel rund die Hälfte an Wert eingebüßt.

Nach Einschätzung eines Aktienhändlers wirken die Aussagen des Vorstands negativ, auch wenn die Kapazitätskürzung schon bekannt gewesen sei. Den Branchenexperten des Analysehauses Mainfirst zufolge reflektiert der Brief die jüngste Entwicklung der Ticketbuchungen. Sie schreiben der Lufthansa-Aktie ein Kursziel von gerade mal 2 Euro zu und raten weiterhin zum Verkauf der Titel.

Auch andere Airlines wie Ryanair und die Gesellschaften des IAG (International Consolidated Airlines)-Konzerns wie British Airways und Iberia haben ihre ohnehin verkleinerten Flugpläne für den Winter wegen der Pandemie noch stärker zusammengestrichen. IAG etwa rechnet daher nicht mehr damit, dass der Konzern den Mittelabfluss im laufenden Geschäft im vierten Quartal stoppen kann, was er zunächst geplant hatte.

IAG und Ryanair haben sich wegen der Krise Kredite und frisches Geld von Anlegern in Milliardenhöhe besorgt. Die Regierungen von Deutschland, Österreich, Schweiz und Belgien bewahrten den Lufthansa-Konzern mit insgesamt neun Milliarden Euro vor der Pleite. Der deutsche Staat wurde in diesem Zuge zum Großaktionär der Lufthansa. Bei den Airlines stehen zigtausende Arbeitsplätze auf dem Spiel.

Angesichts der Verschärfung der Lage reichen die bisherigen Maßnahmen zur Kostensenkung aus Sicht der Lufthansa-Führung aber nicht aus. Zwar sei es gelungen, den Mittelabfluss von einer Million Euro pro Stunde zu Beginn der Pandemie auf "nur noch" eine Million alle zwei Stunden zu senken, schrieb der Vorstand um Lufthansa-Chef Carsten Spohr. An der Dramatik habe sich aber nichts geändert.

Daher sei es "unumgänglich, den Geschäftsbetrieb im Winter 2020/21 noch weiter herunterzufahren und möglichst viele Bereiche ab Mitte Dezember in einen 'Wintermodus' zu versetzen". Unter anderem sollen 125 Flugzeuge erneut stillgelegt werden, die für den Einsatz im Winterflugplan vorgesehen gewesen seien. "Unseren ursprünglichen Plan, zum Jahresende wieder auf 50 Prozent der angebotenen Kapazität zu kommen, können wir nicht mehr einhalten", heißt es.

In den ersten neun Monaten hatte die Lufthansa einen operativen Verlust von fast 4,2 Milliarden Euro erlitten. "Dieser Fehlbetrag wird sich im vierten Quartal noch deutlich erhöhen", schrieb der Vorstand. Eine verlässliche Aussage über die Entwicklung der Branche sei schwieriger denn je. Dennoch sei der Vorstand "fest entschlossen, mindestens 100 000 der heute 130 000 Arbeitsplätze der Lufthansa Group zu erhalten".

Ende September verfügte der MDax-Konzern nach eigenen Angaben über flüssige Mittel von 10,1 Milliarden Euro. Darin seien 6,3 Milliarden aus den Hilfen enthalten, die Lufthansa-Gesellschaften von den Heimatstaaten Deutschland, Österreich, Schweiz und Belgien bekommen haben. Einschließlich Eigenkapitalmaßnahmen waren 9 Milliarden Euro bereit gestellt worden./stw/sl/ceb/eas/stk

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