ROUNDUP: September wirft Fraport in Corona-Krise zurück - Aktie sackt ab

ROUNDUP: September wirft Fraport in Corona-Krise zurück - Aktie sackt ab

WKN: 823212 ISIN: DE0008232125 Lufthansa AG

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01.12.2020 - 19:56
13.10.2020 12:18:38

FRANKFURT (dpa-AFX) - Die Coronakrise hat den Frankfurter Flughafen weiterhin fest im Griff. Statt der erhofften langsamen Erholung sind die Passagierzahlen am größten deutschen Drehkreuz im September wieder gesunken. Weiterhin bestehende Reisebeschränkungen und das verstärkte Pandemiegeschehen lassen auch für das restliche Jahr keine Besserung erwarten.

An der Börse kamen die Nachrichten schlecht an. Für die Fraport-Aktie ging es am Dienstagvormittag um 3,84 Prozent abwärts auf 34,02 Euro. Damit war sie einer der größten Verlierer im MDax. Seit dem Jahreswechsel hat das Papier mehr als die Hälfte an Wert eingebüßt. Im Corona-Crash an den Finanzmärkten war der Kurs sogar bis auf 27,59 Euro abgerutscht. Nach einer vorübergehenden Erholung bis auf 52,40 Euro im Juni ging es seither wieder deutlich abwärts.

Im September zählte Fraport an Deutschlands größtem Airport knapp 1,15 Millionen Fluggäste und damit 83 Prozent weniger als ein Jahr zuvor, wie das Unternehmen (Fraport) am Dienstag berichtete. Das waren zudem rund 360 000 Passagiere weniger als im August, als der Rückgang im Jahresvergleich rund 78 Prozent betragen hatte. Die übrigen deutschen Flughäfen mit ihrem Verband ADV bestätigen den Trend: Nach einem kurzen Sommerhoch gingen die Passagierzahlen seit Mitte August tendenziell zurück.

Auch an den Fraport-Flughäfen im Ausland blieb das Passagieraufkommen infolge der Pandemie und vieler Reisebeschränkungen deutlich hinter den Zahlen von September 2019 zurück. An einigen Standorten zeigte sich den Angaben zufolge immerhin eine leichte Belebung des Urlaubsreiseverkehrs.

So zählte der Konzern an seinen 14 Regionalflughäfen in Griechenland rund 1,7 Millionen Fluggäste und damit rund 61 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Damit fiel der Rückgang noch stärker aus als im August. Der Airport im türkischen Antalya kam mit rund 2,3 Millionen Passagieren im September auf ein Minus von etwa 53 Prozent. Im August war der Rückgang dort jedoch noch stärker ausgefallen.

In St. Petersburg kam Fraport im September auf 1,4 Millionen Fluggäste, rund 29 Prozent weniger als im Vorjahresmonat. Am Flughafen im chinesischen Xi'an erholte sich das Fluggastaufkommen weiter auf 3,6 Millionen Fluggäste. Damit belief sich der Rückgang im Jahresvergleich auf nur noch auf 9,5 Prozent.

In Frankfurt läuft der Flughafen unterdessen schon seit Monaten auf Sparflamme. Erst am Donnerstag (15. Oktober) wird auch die vierte Piste, die Startbahn West, nach fast einem halben Jahr Zwangspause wieder in Betrieb genommen. Für den weiterhin spärlichen Flugbetrieb wäre das eigentlich nicht nötig. Lediglich die kürzeren Wege zur Enteisungsanlage lassen den Betrieb der "18 West" im Winterhalbjahr sinnvoll erscheinen.

20 000 statt mehr als 200 000 Passagiere zählen die Verantwortlichen nun an einem normalen Herbstferientag. Ein Passagier-Terminal ist komplett geschlossen, das größere Terminal 1 nur in Teilen belegt. Ein bisschen was los ist eigentlich nur im Übergangsgebäude zum Flughafen-Bahnhof, denn dort ist das Corona-Testzentrum zu finden. Doch selbst hier sind die Schlangen überschaubar.

Von der Pandemie sind auch die zahlreichen Shops und Gaststätten hart getroffen, die sonst gut von den Fluggästen leben. Inzwischen haben wieder rund 60 Prozent der Läden geöffnet, sagt ein Fraport-Sprecher. Im Bedarfsfall habe man sich mit den Betreibern geeinigt. Die Mieten sind ohnehin stark umsatzabhängig, so dass in der Flaute auch automatisch weniger zu zahlen ist.

Erst in den Jahren 2022/2023 dürften die Passagierzahlen einen neuen verlässlichen Basiswert erreichen, den Fraport-Chef Stefan Schulte 15 bis 20 Prozent unter dem Rekordwert aus 2019 von gut 70 Millionen verortet. Wenn bis zu 15 Millionen Menschen weniger kommen, braucht es auch weniger Personal beim Flughafenbetreiber. Zwischen 3000 und 4000 der rund 22 000 Stellen will das Unternehmen möglichst sozialverträglich abbauen und nutzt zwischenzeitlich intensiv die Möglichkeiten der Kurzarbeit.

Für die angebotenen Abfindungen haben sich bislang rund 2300 Fraport-Beschäftigte interessiert. Die tatsächliche Annahmequote steht wohl erst Ende Oktober fest, denn auch das Unternehmen muss im Sinne der "doppelten Freiwilligkeit" schauen, wen man mit einem finanziellen Anreiz ziehen lässt. Allzu golden fällt der Handschlag Gewerkschaftern zufolge ohnehin nicht aus, denn mit einer Quote zwischen 0,75 und 1,0 Brutto-Gehältern pro Beschäftigungsjahr kommen zumindest keine Riesensummen zusammen.

Für ältere Beschäftigte einschließlich des Jahrgangs 1963 könnten Altersteilzeit und Vorruhestand attraktiver sein, doch in diesem Programm könnten die verfügbaren Mittel knapp werden, heißt es in Unternehmenskreisen. Die Fristen für diesen Teil des Personalabbaus laufen bis zum Jahresende. Der Betriebsrat bereitet sich bereits auf die Aushandlung von Interessensausgleich und Sozialplan bei anstehenden Entlassungen vor.

Ungeachtet des Corona-Schocks läuft der Ausbau des größten deutschen Flughafens nur sanft gebremst weiter. Das dritte Passagier-Terminal im Süden des Geländes entspricht mit einer zusätzlichen Jahreskapazität von rund 25 Millionen Passagieren gestandenen Flughäfen wie Düsseldorf oder Berlin-Tegel. Es soll nun 2025 und damit ein gutes Jahr später als zunächst geplant ans Netz gehen. Frühestens, muss man wohl dazusagen, denn Fraport will darüber "nachfrageorientiert" entscheiden.

Diese Nachfrage fällt beim teilverstaatlichten Großkunden Lufthansa auf Sicht sehr gering aus. Der Kranich fliegt zu guten Zeiten rund zwei Drittel des Verkehrs in Frankfurt, lässt aber im Moment wegen der fehlenden Interkontintentalflüge zahlreiche Jets am Boden. Lufthansa-Chef Carsten Spohr klagt zudem weiterhin über die hohen Gebühren am Main und hatte schon vor der Krise Verkehr nach München, Zürich und Wien umgelenkt. Dennoch haben die beiden Unternehmen ein Gemeinschaftsunternehmen namens "FraAlliance" gegründet, mit dem gemeinsam neue Umsatzquellen erschlossen werden sollen.

Um die Durststrecke zu überstehen, hat sich Fraport, mehrheitlich im Besitz des Landes Hessen und der Stadt Frankfurt, im ersten Halbjahr 1,3 Milliarden Euro zusätzliche Finanzmittel besorgt und mit einer neuen Anleihe im Juli weitere 800 Millionen Euro hereingeholt. Damit sei die Liquidität mindestens bis zum Ende des Jahres 2021 abgesichert, sagt Schulte. Über weitere Staatshilfen wird auf dem anstehenden Luftverkehrsgipfel Anfang November gesprochen./stw/ceb/eas/stk

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