ABGAS-SKANDAL

Schadenersatz für Volkswagen-Aktionäre? - Was Anleger jetzt wissen müssen

Schadenersatz für Volkswagen-Aktionäre? - Was Anleger jetzt wissen müssen
27.10.2015 05:40:00

Bei Volkswagen herrscht Alarmstufe Rot. Jahrelang hatte der Konzern einen Teil seiner Dieselmotoren mit einer speziellen Schummel-Software ausgestattet. Das rächt sich jetzt. Den Wolfsburgern drohen empfindliche Absatz-Einbrüche, ein dickes Sparprogramm sowie milliarden-schwere Schadenersatz-Forderungen von Aktionären. Was geprellte Anleger jetzt wissen müssen - und sie ihren Schaden geltend machen können. Von Thomas Schmidtutz, fachliche Beratung Rechtsanwalt Bernd Jochem, Kanzlei Rotter.



DIE AUSGANGSLAGE



Was ist passiert?


Volkswagen hat Dieselmotoren des Typs EA (Entwicklungsauftrag) 189 mit einer speziellen Steuerungssoftware ausgestattet. Die Motoren der Baureihe EA 189 mit 1,6 und 2,0 Liter Hubraum sind zwischen 2008 und 2014 unter anderem in Fahrzeugen der Modellreihen VW Jetta, Passat, Golf, Beetle und dem Audi A3 eingesetzt. Insgesamt sind weltweit bis zu elf Millionen Fahrzeuge der Marken VW, Seat, Skoda und Audi mit Motoren des fraglichen Typs unterwegs, rund acht Millionen davon in Europa.
Die Schummel-Software sorgt dafür, dass der Motor auf dem Prüfstand die strengen US-Abgasvorschriften erfüllt. Im normalen Fahrbetrieb liegt der Schadstoff-Ausstoß jedoch zum Teil weit über den Grenzwerten. Damit hätte VW für die Motoren der Baureihe EA 189 keine US-Zulassung erhalten und auf dem wichtigen US-Markt auf verlorenem Posten gekämpft. Das wollte VW offenbar verhindern. Nun holen die Versäumnisse der Vergangenheit den Konzern und seine Anteilseigner ein.

Was werfen Kritiker Volkswagen im Abgas-Skandal juristisch vor?


Volkswagen hat Kunden mit den betroffenen Fahrzeugen ein Produkt verkauft, dessen tatsächliche Eigenschaften mit den im Kaufvertrag zugesagten Eigenschaften nicht übereinstimmen. Das ruft reihenweise Anwälte auf den Plan.
Außerdem werfen zahlreiche Anwälte dem Konzern einen Verstoß gegen die so genannte Ad-hoc-Publizitätspflicht vor. Laut Paragraf 37 b Wertpapierhandelsgesetz (WpHG) ist ein börsennotiertes Unternehmen schadenersatzpflichtig, wenn es kursrelevante Informationen nicht unverzüglich veröffentlicht. Kursrelevant ist im Falle von Volkswagen nach Einschätzung zahlreicher Anwälte eben auch der Einsatz von Schummelsoftware in Motoren.

Wie hat die VW-Aktie reagiert?


Seit Bekanntwerden der Manipulation Mitte September hat sich der Kurs der im Dax notierten VW-Vorzugsaktie nahezu halbiert. Damit haben sich gut 30 Milliarden Euro in Luft aufgelöst. Das könnte man als Bestätigung für die These sehen, dass es sich beim Einsatz des Spezialprogramms zur Abgassteuerung um eine kursrelevante und damit veröffentlichungspflichtige Information gehandelt haben könnte.

Auf Seite 2: Wer kann überhaupt Schadenersatz-Ansprüche geltend machen?



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Bildquelle: Axel Schmidt/Reuters, Michael Dannenmann/Rotter Rechtsanwälte

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