Der Automobilbranche stehen stürmische Zeiten bevor - mit Höhen und Tiefen. Jüngstes Beispiel ist Schaeffler. Mit einer Prognosesenkung sorgte Klaus Rosenfeld, Chef des Autozulieferers, für ein Beben in der Branche. Die Aktie brach regelrecht ein und riss auch Titel von Branchenkollegen wie dem Zulieferriesen Continental und dem Kabelspezialisten Leoni in die Tiefe. Rosenfeld verwies unter anderem auf den gestiegenen Preisdruck seitens der Autobauer, der auch andere Unternehmen betreffe. In der kommenden Bilanzsaison dürften viele Investoren diesen Aspekt besonders kritisch hinterfragen.

Zudem führte Rosenfeld höhere Entwicklungskosten im Bereich der Elektromobilität an. Laut Morgan Stanley gilt das aber vor allem für Schaeffler. Der Konzern sei stark abhängig vom Geschäft mit Verbrennungsmotoren. Der Trend hin zum Elektroauto treffe ihn daher besonders heftig. Auch andere Probleme sind hausgemacht. Neben dem weiter anhaltenden Preisdruck sowie hohen Entwicklungskosten litt Schaeffler unter temporären Lieferengpässen.

Wegen der Kursverluste gibt es bei ausgewählten Aktien attraktive Kaufgelegenheiten. Besonders der erwartete Boom bei Hybrid- und Elektroautos mischt die Karten in der Branche neu. Firmen, die heute viel Geld in die Hand nehmen und sich auf den Umbruch einstellen, werden vom Wandel profitieren.

Der Marktanteil neu erworbener Elektrofahrzeuge steigt laut McKinsey bis 2030 auf 50 Prozent. "Die Mobilität der Zukunft ist elektrisch", sagt José Avila, Vorstandsmitglied bei Continental und zuständig für die Sparte Antriebstechnik. Der DAX-Riese investierte in den vergangenen Jahren über eine Milliarde Euro, um im Markt für Elektroautos in der ersten Liga mitzuspielen. Jüngst präsentierten die Hannoveraner beispielsweise ein System, mit dem sich die Fahrzeuge kabellos aufladen lassen.

Stärkere Bordnetze



Ein anderer Gewinner ist Leoni. Für den Kabelspezialisten ist die Elektrifizierung im Automobilbau ein Glücksfall. In Hybrid- und Elektroautos sind die zu übertragenden elektrischen Leistungen höher als im Bordnetz herkömmlicher Autos. Fahrzeuge mit Elektromotor benötigen ein zweites, leistungsstärkeres Bordnetz, das die Batterie mit dem Antrieb verbindet. An den hier verwendeten Kabeltypen verdient Leoni mehr als bei herkömmlichen Netzen. Im ersten Quartal verzeichneten die Franken bereits mehrere Neuaufträge im Bereich Elektromobilität. In diesem zukunftsträchtigen Segment verfügt das Unternehmen inzwischen über einen Auftragsbestand mit einem Volumen von einer halben Milliarde Euro. Mittelfristig dürfte es deutlich mehr werden. Die Privatbank Berenberg rechnet vor allem ab 2020 auf der Umsatzseite mit positiven Überraschungen.

Auch bei Infineon mag man sich die Hände reiben. Neben dem Megatrend Roboterauto ist der Konzern im Bereich Halbleiter für Elektrofahrzeuge stark vertreten. Der Einsatz von Chips ist für alle Fahrzeuge mit elektrifizierten Antriebssträngen unverzichtbar. Die Halbleiter von Infineon sorgen dafür, dass die Akkus möglichst günstig gebaut werden können und kompakt sind, lange Distanzen ermöglichen und schnell aufgeladen werden.



Auf Seite 2: Lukrative Chips





Lukrative Chips



Auch in den Komfort- und Sicherheitssystemen von konventionell angetriebenen Fahrzeugen werden mehr Computerchips verbaut. Im vergangenen Jahr wuchs der Automobilhalbleitermarkt laut einer Schätzung der Marktforscher von Strategy Analytics um zehn Prozent erstmals auf ein Volumen von über 30 Milliarden Dollar.

Angesichts der starken Stellung der Münchner in der Elektromobilität und im autonomen Fahren ist außerdem nicht auszuschließen, dass Infineon in den Übernahmefokus eines US-Riesen wie Texas Instruments rückt.

Kontrollsysteme, die etwa den Ladezustand der Batterie im Auto überwachen, öffnen auch dem Zulieferer Hella das Tor zur Elektromobilität. Rund zehn Millionen jener Systeme, die übrigens auch bei herkömmlichen Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor zum Einsatz kommen, verkaufen die Nordrhein-Westfalen jährlich. In Zukunft dürften die Lippstädter, die vor allem für ihre Scheinwerfer bekannt sind, mit technischen Lösungen für die Elektromobilität immer mehr verdienen.

2020 werde der Bereich, der heute noch eine Nebenrolle bei Hella spielt, knapp zehn Prozent zum Umsatz beitragen, schätzt das Bankhaus Metzler. Auch beim Vehikel der Zukunft, dem Roboterauto, will Hella-Chef Rolf Breidenbach ganz vorn mitspielen. Erst jüngst vereinbarte der MDAX-Konzern eine Kooperation mit dem amerikanischen Grafikchipspezialisten Nvidia im Bereich der künstlichen Intelligenz.

Nvidia entwickelt sich zu einem wichtigen Zulieferer für die Automobilkonzerne. Die schnellen Chips der Amerikaner arbeiten in den Systemen der autonomen Fahrzeuge quasi als Gehirn. Weltweit setzen bereits über 225 Firmen der Auto- und Zulieferbranche auf die US-Technologie. Auch hier dürften es künftig immer mehr werden.



Auf Seite 3: Zuliefermarkt auf einen Blick