UMBAU

Siemens-Aktie: Großer Umbau - Kaesers Vermächtnis

Siemens-Aktie: Großer Umbau - Kaesers Vermächtnis

WKN: 723610 ISIN: DE0007236101 Siemens AG

107,46 EUR
-0,46 EUR -0,43 %
17.05.2019 - 19:23
17.05.2019 04:10:00

Die Münchner spalten das Energiegeschäft ab, aus dem Industriekonzern Siemens wird ein Digitalunternehmen. Intern sorgt das für Unruhe, die Börse aber applaudiert. Von Stephan Bauer, Euro am Sonntag

Einst war Joe Kaeser ­Finanzvorstand von Siemens. Der Niederbayer betreute viele Jahre die Kommunikation mit den Finanzmärkten, auch als Vorstandschef tat er das anfangs noch. Was Investoren so denken und wollen, weiß der 61-Jährige nur allzu gut. Jetzt setzt Kaeser ziemlich exakt das um, was der Kapitalmarkt will: Aus dem ­industriell geprägten Mischkonzern wird laut der Details von Kaesers Umbauprogramm "Vision 2020+" ein kleineres, schlankeres Unternehmen, das sich auf die Industriedigitalisierung und intelligente Gebäude- und Netztechnik fokussiert.

Zerschlagung nennen es Kritiker. Abspaltung oder Spin-off lautet der Fachbegriff für das, was sich die Führungsspitze um Kaeser und Finanzchef Ralf Thomas ausgedacht hat: Der Konzern entlässt sein größtes Geschäft mit Kraftwerken und Energienetzen in die Selbstständigkeit. Der langjährige Kern von Siemens soll danach, gestärkt durch den 59-prozentigen Anteil des Mutterkonzerns an der Windkrafttochter Siemens Gamesa, an die Börse gebracht werden. "Das ist eine Transformation unserer DNA. Es war nicht leicht, das zu tun", sagt Kaeser, Siemensianer seit 39 Jahren.

Es ist eine Zeitenwende im Traditionskonzern: Ein neuer Riese der Energietechnik wird aus Siemens gleichermaßen ­herausgeschnitten - "carved out". Diese New­­Co, so der Arbeitstitel des Projekts, das aus der jetzigen Sparte Gas and ­Power hervorgehen soll, wird rund 30 Milliarden Euro Umsatz auf die Waage bringen und weit über 80.000 Mitarbeiter beschäftigen. Über die Marktkapitalisierung lässt sich lediglich spekulieren. Potenziell aber ist es ein DAX-Kandidat, ­zumal Siemens die Mehrheit ­daran abgeben (und zugleich mindestens eine Sperrminorität halten) will.

Kaufen, lesen, profitieren!

Aktuelle Informationen, gründliche Recherchen, konkrete Empfehlungen: €uro am Sonntag weiß, wie die Finanzwelt funktioniert.

Zu unseren Angeboten

Börsengang in Frankfurt


Der Börsengang erfolgt aus rechtlichen Gründen zwingend in Deutschland. Wo der Sitz liegen soll, ist noch offen. Derzeit wird das Energiegeschäft vom texanischen Houston aus geführt. "Wir müssen auch das politische Umfeld bewerten, wer unterstützt uns hier am besten", sagt Kaeser, der sich noch nicht auf einen Sitz festlegen will.

Die Voraussetzungen für den Start der Firma, die Finanzchef Thomas mit ausreichend Finanzpower ausstatten will, sind nicht schlecht. Der lange Zeit kriselnde Kraftwerksbereich verzeichnet nach der Restrukturierung deutliche Gewinnzuwächse, im jüngsten Quartal waren es 38 Prozent Plus auf 156 Millionen Euro. Die Verbesserung stammt vor allem aus dem Servicegeschäft. Die Wartung von Gasturbinen und Kraftwerken ist lukrativ, das Neugeschäft steht aber weiter unter Preisdruck und bleibt defizitär.

Auch deshalb wird es in den kommenden Monaten eine große Herausforderung für Kaesers Team, NewCo vernünftig zu verkaufen - damit Investoren nach Zuteilung die Papiere nicht gleich in Massen aus den Depots werfen. "Mit dem konventionellen Kraftwerksgeschäft, der Netzübertragungstechnik sowie den Windkraftanlagen ist es das einzige Unternehmen im Sektor, das so komplett aufgestellt ist", wirbt Kaeser jetzt schon fleißig.

NewCo soll weiter von der ­erfahrenen Spartenchefin Lisa Davis geführt werden. Finanzchef wird Ex-Osram-Manager Klaus Patzak, der den Spin-off der ehemaligen Lichttechniktochter von Siemens begleitete. Läuft alles nach Plan, werden Siemens-Aktionäre bis September 2020 womöglich eine ähnliche Anzahl Aktien des Energietechnikers im Depot wiederfinden - falls Kaeser nicht doch noch einen Fusionspartner für NewCo findet, diese Option hält er sich offen. Über einen Merger mit Japans Mitsubishi Hitachi wird weiter spekuliert.

Nach jetzigem Plan erhalten Siemens-Aktionäre die Papiere, wie bei Spin-offs üblich, quasi kostenlos. Gewöhnlich ist das kein schlechtes Geschäft für Anteilseigner. Es fällt indes auf, dass Siemens an einem Spin-off nicht die Mehrheit halten, sprich die Firma aus der Bilanz dekonsolidieren will.

"Es ist ein kapitalintensives Geschäft mit hohem Risiko und vergleichsweise geringer Rendite. Das ist auch der Grund, weshalb der Bereich im konzern­internen Wettbewerb um Ressourcen sich oft hinten anstellen muss", sagt Kaeser. Daher ­erscheint es logisch, dass es keinen klassischen IPO wie etwa bei Health­ineers im März 2018 gibt. Die Energietechnik lässt sich am Kapitalmarkt schwerer verkaufen als die zukunftsweisende Medizintechniktochter. Klar ist auch, dass in der Energietechnik weiter restrukturiert wird. Rund 6.000 Jobs wurden bereits gestrichen, weitere dürften bis Herbst 2020 folgen.

Auf Seite 2: Siemens schrumpft

Seite: 1 | 2
Inhalt wird geladen
Zur aktuellen Ausgabe

Weitere Links:


Bildquelle: Tobias Schwarz/Reuters

Aktien in diesem Artikel

DNA Plc Registered Shs 20,96 0,10% DNA Plc Registered Shs
Firma Holdings Corp 0,02 5,22% Firma Holdings Corp
Hitachi Ltd. 30,10 -1,57% Hitachi Ltd.
Mitsubishi Corp. 23,68 -0,71% Mitsubishi Corp.
OSRAM AG 29,15 1,50% OSRAM AG
SAP SE 114,72 -0,76% SAP SE
Siemens AG 107,46 -0,43% Siemens AG
Siemens Gamesa Renewable Energy SA 14,60 -1,05% Siemens Gamesa Renewable Energy SA
thyssenkrupp AG 12,57 -4,81% thyssenkrupp AG

Nachrichten zu Siemens AG

  • Relevant
  • Alle
  • vom Unternehmen

Aktienempfehlungen zu Siemens AG

  • Alle
  • Buy
  • Hold
  • Sell
13.05.19 Siemens overweight JP Morgan Chase & Co.
10.05.19 Siemens buy Jefferies & Company Inc.
09.05.19 Siemens Halten Independent Research GmbH
09.05.19 Siemens buy Citigroup Corp.
08.05.19 Siemens overweight Morgan Stanley
mehr Aktienempfehlungen

Indizes in diesem Artikel

DAX 12.238,94
-0,58%

Nachrichten

  • Nachrichten zu Aktien
  • Alle Nachrichten
pagehit