"Klein aber fein", so könnte ein kurzes Fazit zur Aktie von TAKKT ausfallen. Bereits die recht hohe Marktkapitalisierung von 832 Mio. Euro lässt erkennen, dass der Konzern mehr als nur einen Blick wert ist. Die Stuttgarter sind als Versandhändler für Geschäftsausstattung Marktführer in Europa und Nordamerika und haben weltweit rund drei Millionen Kunden in über 25 Ländern. TAKKTkonzentriert sich ausschließlich auf den Vertriebsweg Versandhandel. Dabei erhält der Kunde die komplette Ausstattung für sein Unternehmen aus einer Hand. Basierend auf unterschiedlichen Vertriebsmarken für einzelne Regionen oder Sortimente können die Schwaben aus den Angeboten von hunderten Lieferanten ein umfassendes Gesamtsortiment mit mehr als 200.000 Produkten aufbieten. Der besondere Vorteil ist die vergleichsweise einfache Duplizierung des Geschäftsmodells auf neue Märkte. So kann der Konzern vergleichsweise einfach seine Geschäftsbasis kontinuierlich ausbauen und regional breit diversifizieren.

Dies zeigt auch die Umsatzverteilung für das vergangene Geschäftsjahr. Rund 40 Prozent der Erlöse wurden in den USA erzielt, auf den Heimatmarkt entfielen 25 Prozent, knapp 30 Prozent auf die übrigen europäischen Länder. Nach Angaben von Thilo Kleibauer, Analyst bei M.M. Warburg, erwirtschaftete der Konzern mit einer Kombination aus organischen Wachstum durch die Ausweitung des Geschäfts sowie Akquisitionen von 1985 bis 2012 ein durchschnittliches Wachstum von 10 Prozent p.a. Bezogen auf den Konzernumsatz liefert das Geschäftsmodell einen hohen free Cash Flow von sieben bis acht Prozent, der wiederum weitere Übernahmen und auch Dividendenzahlungen ermöglicht.

Börse Online rechnet nach 0,38 Euro für 2014 mit 0,40 Euro Dividende für das kommende Geschäftsjahr. Übertragen auf den aktuellen Aktienkurs entspricht dies einer Verzinsung von rund drei Prozent. Dies ist sicherlich kein Spitzenwert für die zweite Reihe, liegt aber dennoch deutlich über dem Durchschnitt von 2,3 Prozent für den SDAX.

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Gute Marge auch im Krisenjahr 2009

Als Versandhändler unterliegt das Wachstum der Schwaben natürlich den konjunkturellen Schwankungen. Allerdings punktet das Geschäftsmodell durchaus mit einigen defensiven Qualitäten. Das langjährige branchenerfahrende Management hat das Unternehmen so aufgestellt, dass die Kostenstruktur vergleichsweise flexibel an die Nachfrageveränderungen angepasst werden kann. Bei TAKKT gibt es kaum Forderungsausfällt, zudem sind die Margen recht stabil. Dies zeigt ein Blick in den Rückspiegel. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) lag im Vorkrisenjahr 2008 bei 133 Mio. Euro. Bezogen auf einen Umsatz von 932 Mio. Euro erzielte TAKKT eine Ebitda-Marge von 14,3 Prozent. Selbst im weltweiten Krisenjahr 2009 wurde mit 9,4 Prozent eine zweistellige Marge nur knapp verfehlt. Im abgelaufenen Geschäftsjahr gingen 953 Mio. Euro durch die Bücher. Bei einem Ebitda von 122,8 Mio. Euro erzielte TAKKT eine Marge von 12,9 Prozent.

Auch in den ersten neun Monaten blieb der Versandhändler auf Wachstumskurs. Hier zahlte sich erneut die breite Aufstellung aus. Während sich die Konjunktur in Europa eher verhalten präsentierte, profitierten die Stuttgarter von der stärkeren konjunkturellen Dynamik in Nordamerika. So kletterte der Konzernumsatz in den ersten neun Monaten organisch um 5,4 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Beim Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) blieben 105,2 Mio. Euro hängen, verglichen mit 103,3 Mio. Euro im Vorjahreszeitraum. Die Marge blieb mit 14,5 Prozent stabil. Auch mit Blick auf das Gesamtjahr dürfte die unterschiedliche Entwicklung in Europa und den USA anhalten. Während aber andere Unternehmen mit einer zu starken Fokussierung auf den europäischen Markt nun verstärkt unter Druck stehen, profitiert TAKKT von seiner Präsenz in Amerika. "Unser Geschäft entwickelt sich in Nordamerika nach wie vor stark und in Europa solide. Daher erwarten wir für 2014 ein organisches Umsatzwachstum im oberen Bereich der zu Jahresanfang genannten Spanne von drei bis fünf Prozent und eine Ebitda-Marge im mittleren Bereich des Zielkorridors von 12 bis 15 Prozent", ließ Claude Tomaszewski, Finanzvorstand des TAKKT-Konzerns, durchblicken.

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Neuer Verkaufsmix für die Zukunft

Langfristig will der Konzern profitabel wachsen und peilt eine Umsatzsteigerung von durchschnittlich zehn Prozent pro Jahr an bei einer Ebitda-Marge zwischen zwölf bis 15 Prozent an. Das Wachstum soll zur Hälfte organisch und zur anderen Hälfte durch Akquisitionen vorangetrieben werden. Zur Einordnung: In den vergangenen 15 Jahren wurde jährlich mindestens eine Neugründung oder Akquisition durchgeführt. Zunehmend wichtiger werden digitale Wachstumstrends. Neben Suchmaschinenoptimierung und modernen Web-Shops stehen E-Commerce-Aktivitäten im Fokus. Bis zum Jahr 2016 will TAKKT den Anteil des Auftragseingangs über E-Commerce von aktuell 28 Prozent auf 35 bis 45 Prozent steigern. Im Fokus steht dabei der Ausbau zusätzlicher Multi-Channel-Aktivitäten. Der perfekte Mix aus Print, Online, Telefon und Mitarbeitern im Außendienst wird für einen erfolgreichen Vertrieb zunehmend wichtiger. Vertriebsmarken, die überwiegend im Internet aktiv sind, erlauben zugleich eine flexiblere Anpassung hinsichtlich der Preise und Produkte, so dass Kundenbedürfnisse besser erfüllt werden können.



Für das laufende Geschäftsjahr rechnet Börse Online mit einem Ergebnis je Aktie von 0,98 Euro und 1,07 Euro für 2015.Daraus errechnet sich ein durchaus attraktives KGV von 11,8. Besonders der Blick auf den Kursverlauf könnte sich aktuell als lohnenswert herausstellen. Ausgehend vom Anfang April erreichten Jahreshoch bei rund 16,70 Euro gibt es die Papiere derzeit rund 25 Prozent günstiger. Technisch wurde mit dem Rücksetzer im Oktober zugleich eine breite Unterstützungszone bestätigte, die aus mehreren Umkehrpunkten der vergangenen Jahre abgeleitet werden kann und im Bereich um 11,50 bis zwölf Euro verläuft. Börse Online ist weiterhin von der hohen Ertragsstärke des Konzerns überzeugt, schließlich verzinst TAKKT das eingesetzte Kapital über einen Zyklus hinweg mit durchschnittlich 15 Prozent. Eine Kurserholung bis mindestens an das Jahreshoch bei 16 Euro ist daher durchaus zu erwarten. Kepler Cheuvreux und Warburg Research veranschlagen den fairen Wert sogar mit 17 Euro.