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Unwetterwarnung im Depot

Unwetterwarnung im Depot

WKN: 547040 ISIN: DE0005470405 LANXESS AG

47,13 EUR
0,52 EUR 1,12 %
16.01.2019 - 09:22
18.12.2018 03:20:00

Klima: Die Erderwärmung ist nicht mehr aufzuhalten. Wie der Klimawandel die deutsche Wirtschaft trifft, warum das extreme Wetter auch in der Chemieindustrie künftig zum Risiko wird. Von Sonja Funke



Es wird immer heißer auf der Erde: 2018 ist nach ersten Analysen der Weltwetterorganisation (WMO) auf dem Weg, das viertwärmste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen im 19. Jahrhundert zu werden. Inzwischen spürt auch die deutsche Wirtschaft die Folgen: Nie zuvor hinterließ der Klimawandel so deutliche Spuren in den Unternehmensbilanzen wie im dritten Quartal dieses Jahres. Immer häufiger wird extremes Wetter zum unternehmerischen Risiko.



Die Jahre 2015 bis 2018 seien die vier wärmsten seit Messbeginn gewesen, teilte die WMO vergangene Woche in Genf mit. Auch die vorherigen beiden Jahrzehnte seien besonders warm gewesen: Die 20 wärmsten Jahre lagen in den vergangenen 22 Jahren. Der Grund: Vor allem die Emission menschengemachter Treibhausgase wie CO2. Vergangene Woche berieten auf dem Weltklimagipfel in Polen Vertreter aus rund 200 Staaten über Wege, die Erderwärmung zu begrenzen.


Raus aus der Kohle



Bereits im August kündigte der weltgrößte Rückversicherer Munich Re an, dass er weitgehend aus dem klimaschädlichen Kohlegeschäft aussteigen und nicht mehr in Aktien oder Anleihen von Unternehmen investieren wolle, die über 30 Prozent ihres Umsatzes mit Kohle erwirtschaften. Fachkundig ist die Munich Re in Sachen Klimawandel: Der DAX-Konzern versichert Erstversicherungen rund um den Globus. Naturkatastrophen wie die jährliche Hurrikanserie in den USA und der Karibik verursachen immer wieder Schäden in Milliardenhöhe - und die kommen Munich Re teuer zu stehen.

Die Folgen des Klimawandels sind für die deutsche Wirtschaft schon jetzt zu spüren: Der Hitzesommer und die seit April anhaltende Trockenheit haben bei vielen Konzernen deutliche Spuren hinterlassen. Bei der Vorlage der Zwischenbilanzen hagelte es so viele Gewinn- und Umsatzwarnungen wie lange nicht.

Vor allem leidet eine Branche unter den Folgen der anhaltenden Trockenheit, von der man es eigentlich nicht erwartet hatte: die chemische Industrie. Wegen des Niedrigwassers in den Flüssen können Transportschiffe nicht voll beladen werden. Damit die Frachter nicht auf Grund laufen, transportieren sie auf dem Rhein derzeit nur etwa ein Drittel der üblichen Ladung. Die Unternehmen müssen Rohstoffe und Produkte über Straßen und Schienen transportieren - und das ist teurer. "Wegen der Einschränkungen im Schiffsverkehr war die Rohstoffversorgung unseres Stahlwerks in Duisburg zeitweise eingeschränkt", klagt Thyssenkrupp-Chef Guido Kerkhoff. Bei einem Stahlkonzern ist das plausibel. Auch der Spezialchemiehersteller Lanxess musste mehr Frachter mieten, um geringere Lademengen auszugleichen. BASF stoppte wegen der Wasserknappheit sogar die Produktion seines Kunststoffprodukts Toluoldiisocyanat (TDI): "Das Wiederanfahren der Anlage hängt von der weiteren Entwicklung des Rheinpegels ab", teilte der Konzern mit. Die eine Milliarde Euro teure TDI-Anlage läuft erst seit Juli im Regelbetrieb. Als Konsequenz aus dem Niedrigwasser fordert BASF-Chef Martin Brudermüller eine Diskussion über Gegenmaßnahmen, wie den Bau von Schleusen und Stauwerken. Noch nie in seiner Geschichte habe das Unternehmen einen solchen Sommer erlebt.

Auch beim Leverkusener Spezialchemiekonzern Covestro schlagen die Folgen des Niedrigwassers zu Buche. Statt eines Gewinnanstiegs, erwartet der DAX-Konzern nun ein Ergebnis knapp unter dem Vorjahreswert. Branchenkollege Lanxess wurde von den Börsianern gleich in Sippenhaft genommen, obwohl Vorstandschef Matthias Zachert die Gewinnprognose erst kürzlich bestätigt hatte - trotz höherer Frachtkosten.

Der Salz- und Düngemittelhersteller K + S konnte wegen des niedrigen Wasserstands der Werra seine Abwässer nicht mehr in den Fluss leiten, die Produktion stand wochenlang still. Beim Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) führte dies zu einer Belastung von rund 80 Millionen Euro. Auch deshalb senkte K + S den Jahresausblick auf 570 Millionen bis 630 Millionen Euro. Erneute Stillstände im Werra-Werk sind dabei allerdings nicht berücksichtigt.

Nicht rein in die Klamotten



Auch die Modefirmen darben: Bei Temperaturen um 30 Grad bis in den September hatten die Kunden wenig Lust auf Shoppingtouren und so blieb die Herbstmode bei Zalando und Gerry Weber im Regal liegen. Die Modekette Tom Tailor rechnet wegen des heißen Sommers und hoher Rabatte nun mit einem Umsatzrückgang um bis zu neun Prozent. Nach Bekanntgabe fiel der Aktienkurs um mehr als zehn Prozent auf den tiefsten Stand seit November 2016. Hugo Boss gab im dritten Quartal so kräftige Rabatte, dass der Konzerngewinn um 18 Prozent sank. Die Aktie gab seit Juli um mehr als 20 Prozent nach.

Einer Studie des Umweltbundesamts zufolge müssen Konzerne sich darauf einstellen, dass der Klimawandel und Wetterextreme die Geschäfte und Planungen der Firmen künftig erschweren. Dieser Faktor käme "zusätzlich zu ohnehin vorhandenen Risiken entlang der unternehmerischen Wertschöpfungskette" hinzu. Der Begriff "Unwetterwarnung" könnte für Börsianer - analog zum Begriff "Gewinnwarnung" - künftig also eine neue Bedeutung bekommen.



Auf Seite 2: Chemie auf einen Blick



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Bildquelle: Ralph Orlowski /Reuters, BÖRSE ONLINE, BÖRSE ONLINE, BÖRSE ONLINE, BÖRSE ONLINE, BÖRSE ONLINE

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